Ins Glas geschaut: Drei Teroldego-Weine, da lohnt sich der Gardasee-Urlaub!

So geht Teroldego - und zwar völlig unterschiedlich: Granato von Foradori, Ternet von Zeni Schwarzhof und Gran Masetto von Endrizzi FOTO: WEINLETTER

In der Rubrik „Ins Glas geschaut“ stellen Weinexperten, Weinliebhaber, Prominente ihren Wein der Woche vor. Heute ist’s etwas anders: Passend zum Teroldego gibt’s jetzt sogar drei Empfehlungen. Von den Weingütern Foradori, Zeni Schwarzhof und Endrizzi.

von Thilo Knott

Der Wein: Weingut Foradori, Granato, Teroldego, Vigneti delle Dolomiti IGT, 2018, 12,5 % vol., Demeter, 40 Euro ab Hof.

Der Grund: Der „Granato“ ist der Vorzeige-Wein der Azienda Agricola Foradori, der den Umgang mit dieser alten, autochthonen Rebsorte des Trentino auf eine qualitative Spitze getrieben hat. Es gibt noch den Basiswein „Foradori“ (16 Euro ab Hof), die mittleren Amphoren-Teroldego „Morei“ und „Sgarzon“ (je 29 Euro). Mit dem „Foradori“ und dem „Granato“ kommt man aber gut aus im eigenen Weinkeller, um die Bandbreite des Teroldego abzudecken.

Das Weingut Foradori in Mezzolombardo:  Und dann sind da diese wunderbaren Dolomiten FOTO: THILO KNOTT

Der „Granato“ ist ein 100-prozentiger Teroldego, allerdings als Cuvée aus mehreren Lagen verarbeitet: Der Wein entsteht aus Trauben von drei verschiedenen Weinbergen des Campo Rotaliano. Er gärt in großen, offenen Eichenfässern. Mittlerweile. Vom Barrique sind die Foradoris abgekommen. Wie so viele Weingüter. Er wird spontanvergoren. „Die Spontanvergärung verleiht dem ‚Granato‘ seine große Kraft“, sagt Emilio Foradori.

Der 2018er „Granato“ deutet sein großes Potenzial an. Er hat eine filigrane Mineralität, gepaart mit einer Würzigkeit, die von der Verwandtschaft mit dem Syrah herrührt. Die Frucht geht Richtung Brombeere. Das Thema beim „Granato“ ist: Er braucht Zeit. Wer also beispielsweise einen 15er Jahrgang bekommt, sollte zugreifen. Und ihn gegebenenfalls sogar nochmal ein paar Jahr einlagern. Er entfaltet erst mit mindestens 10 Jahren sein volles Potenzial.

Der Wein: Weingut Zeni Schwarzhof, Teroldego, Ternet 2017, Vigneti delle Dolomiti IGT, Bio, 12,5 % vol., 19 Euro ab Hof.

Der Grund: Auch dieser Vertreter des Teroldego hat wie der „Granato“ von Foradori „nur“ und äußerst angenehme 12,5 Prozent Alkoholgehalt. Um Kraft zu entfalten, braucht es also nicht unbedingt den Alkohol! Der Schwarzhof gehört dem Weingut Zeni, das in San Michele an der Etsch im Trentino liegt, nördlich von Triest. Zeni keltert einen normalen Teroldego, doch die Reihe „Schwarzhof“ ist etwas Besonderes. Es werden unter diesem Label nur Gewürztraminer (18 Euro ab Hof), Nosiola (20 Euro) und der Teroldego (19 Euro) ausgebaut.

Das Teroldego-Etikett gibt die Landschaft rund um den Schwarzhof wieder FOTO: WEINLETTER

Der Hof liegt östlich von San Michele in den Bergen. Die Teroldego-Reben für den Schwarzhof liegen auf 450 Metern Höhe. Und diese alpine Frische, dieses Bergmikroklima bringt das Weingut auch ganz hervorragend in die Flasche. Die entrappten Trauben werden dabei in kleine Gärbottiche aus Eichenholz gelegt. Es schließt sich eine zwölfmonatige Gärung nach dem Abstich in französischen Eichenfässern an.

Rudy Zeni beschreibt das Prinzip Schwarzhof so: „Schwarzhof steht für eine kontinuierliche Evolution, einen Fluss, der vom Boden ausgeht und sich in Wein verwandelt, um uns einzigartige Empfindungen und Emotionen zu schenken.“

Der Wein: Weingut Endrizzi, Gran Masetto, Teroldego & Teroldego, Vigneti delle Dolomiti IGT, 2015, 15,5 % vol., 7,5 g/l Restzucker, 46 Euro ab Hof.

Der Grund: Das Weingut Endrizzi war mein Türöffner zum Teroldego. 2009 habe ich das erste Mal den Gran Masetto getrunken. Anlass war die Weinmesse des Weinhauses Schall in Reutlingen, die ich mit WeinLetter-Autor Oliver Bach besucht habe. Paolo Endrici war da, genauso wie Christine Endrici, die selbst aus Reutlingen stammt.

Das Weingut produziert drei Teroldego: den Teroldego Rotaliano Classica (10 Euro ab Hof), den Leoncorno Teroldego Riverva (15 Euro) – und den Ausnahmewein Gran Masetto (46 Euro). Es ist ein Kraftpaket in mehrerer Hinsicht: 15,5 Volumenprozent Alkohol sind absolute Schmerzgrenze, er macht das mit einer Teroldego-typischen Mineralität aber wett. Auch die erstaunlichen 7,5 Gramm pro Liter Restzucker merkt man allenfalls in der Intensität dunkler, reifer Beeren. Er wirkt aber so gar nicht süß. Gut, ist aber schon – ein Gerät!

Masetto bedeutet "kleiner Hof": Paolo, Lisa Marie, Christine und Daniele Endrici sowie Thomas Kemmler, Bruder von Christine Endrici betreiben das Weingeschäft hier in San Michele All'adige, direkt an der Etsch FOTO: WEINGUT ENDRIZZI

Die selektierten Trauben für den Wein stammen aus den besten Lagen der Gemeinden Mezzolombardi und Mezzocorona. Das Besondere in der Herstellung ist, dass die Trauben in kleinen Kisten ausgelegt und angetrocknet werden. Sie verlieren dadurch 35 Prozent ihres Gewichtes. In kleinen Fässern aus amerikanischer und französischer Eiche sowie aus ungarischer Akazie wird gegärt. 20 Monate reift der Gran Maseto in Barriques, sechs Monate nochmal in der Flasche. Das sorgt für eine angenehme Tannin-Struktur, die Vanille ist nicht aufdringlich. Gut so.

Als ich 2009 meine erste Flasche Gran Masetto in Reutlingen probierte und kaufte, sagte ich zu meinem Freund Oliver: „Wenn ich mal heirate, dann gibt’s diesen Wein zum Heiratsantrag.“ Und so kam es dann auch.

Die Teroldego-Traube: von einer Massenware zu seinem Qualitätsprodukt FOTO: WEINGUT ENDRIZZI

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