Ins Glas geschaut: LOK6-Chefin Julia Heifer testet Muscat von Philippe Brand

Domaine Brand & Fils, L’Oiseau et le Bouquet Macération, Muscat, Alsace, 2019, 13 % vol., 24 Euro FOTO: LOK6

In der Rubrik „Ins Glas geschaut“ stellen Weinexperten, Weinliebhaber, Prominente ihren Wein der Woche vor. Heute: Die Berliner Restaurant-Besitzerin Julia Heifer über den Muskateller-Naturwein des Elsässers Philippe Brand.

von Julia Heifer

Der Wein: Domaine Brand & Fils, L’Oiseau et le Bouquet Macération, Muscat, Alsace, 2019, 13 % vol., 24 Euro ab Hof oder im Shop.

Der Grund: Als wir das LOK6 in Berlin vor vier Jahren eröffnet haben, hatte ich gerade angefangen, mich ausführlicher mit Weinen - vorrangig aus der Pfalz - zu beschäftigen. Allerdings ausschließlich aus konventioneller Produktion. Es hat nicht lange gedauert, bis wir unser Angebot ausschließlich auf Naturweine umgestellt haben. Gerade in Berlin gibt es viele junge Naturwein-Importeure, die enge Kontakte zu Winzern wie auch Gastronomen pflegen.

Ich habe mit meinem Team selbst Weingüter besucht und bei der Lese mitgeholfen. Es fließt so viel Arbeit, Leidenschaft und Zeit in die Produktion dieser Weine, dass man es ihnen quasi schuldig ist, sie pur und unberührt zu lassen. Vor allem die jüngere Winzer-Generation erntet lieber stundenlang per Hand im Steilhang, als eine Erntemaschine einzusetzen. Schlicht aus Respekt vor den Reben und dem ursprünglichen Handwerk.

Elsässer Philippe Brand bei der Bestellung des Bodens FOTO: LILLY WINTER

Das Weingut Brand & Fils habe ich 2019 kurz vor Beginn der Corona-Pandemie besucht. Es befindet sich im elsässischen Ergersheim, zehn Kilometer westlich von Straßburg. 2015 haben Philippe Brand und sein Vater auf bio-dynamische Produktionsweise umgestellt und sich der Produktion von Naturweinen verschrieben. Philippe Brands Weine sind alle derart trinkbar, dass es schwerfällt, einen Favoriten auszusuchen.

Aktuell ist es für mich L’Oiseau et le Bouquet Maceration, Jahrgang 2019. Die Rebsorte ist 100 Prozent Muscat. Die Trauben liegen 12 Tage auf der Maische, bevor der Wein dann acht Monate im Barrique-Fass gelagert wird.

Dieser Wein passt perfekt zur saisonalen Küche, die wir anbieten. Man schmeckt die Nähe zur Natur, die diesem Demeter-zertifizierten Wein zugrunde liegt. Er ist floral, mit Noten von Aprikose und Pfirsich. Er hat eine elegante Mineralität. Man bekommt direkt Lust, sich durch das gesamte Brand-Repertoire zu probieren.

Julia Heifer, 33, ist seit 2017 Eigentümerin und Küchenchefin im Restaurant LOK6  in Berlin-Schöneberg. Aktuell gibt es freitags bis sonntags Lunch to go. Heifer arbeitet zudem an einer Sommerküche im Großen Garten im brandenburgischen Gerswalde. Zuvor arbeitete sie im Restaurant dottír, das zur Grill Royal Gruppe gehört, und in der Kantine von Olafur Eliasson. Beides in Berlin. FOTO: MARINA DENISOVA

Bisher in der Rubrik "Ins Glas geschaut": +++ Pfälzer Donald-Trump-Satiriker Alexis Bug testet Riesling Auslese R von Koehler-Ruprecht +++ taz-Chefreporter Peter Unfried testet den "Mythos" der Pfälzerin Adriane Moll +++ MSL-Chairman Axel Wallrabenstein über Spätburgunder von Ex-DFB-Präsident Fritz Keller! +++ Geisenheimer Oliver Bach über Riesling von Clemens Busch!

Kommentare sind nur für Mitglieder zugänglich. Nimm an der Diskussion teil …