Ins Glas geschaut: Peter Unfried testet den Mythos von Adriane Moll

Adriane Moll, Mythos Cuvée, Rheinland-Pfalz, Bio, Erste Lage, 2017, 13 % vol., 15,90 Euro ab Hof. FOTO: WEINLETTER

In der Rubrik „Ins Glas geschaut“ stellen Weinexperten, Weinliebhaber, Prominente ihren Wein der Woche vor. Heute: taz-Chefreporter Peter Unfried über Adriane Molls Mythos.

von Peter Unfried

Der Wein: Weingut Adriane Moll, Mythos Cuvée, Rheinland-Pfalz, Bio, Erste Lage, 2017, 13 % vol., 15,90 Euro ab Hof.

Der Grund: Ich lernte den Wein von Adriane Moll in einem Restaurant im Spreewald kennen, war begeistert, fuhr wieder hin, um ihn zu trinken und dachte dann: Schlauer wäre es vielleicht, ihn zu bestellen, dann musst Du dafür nicht noch durch den Spreewald paddeln und radeln.

Das Weingut Moll liegt in der Winzergemeinde St. Martin in der Pfalz. Die Familie ist seit dem 17. Jahrhundert in der Branche, Adriane Moll führt den Betrieb auf der Grundannahme, dass Ökoanbau nicht nur besser für die Welt ist, sondern besser für den Wein.

"Zigarre dazu rauchen": Adriane Moll FOTO: WEINGUT MOLL

Ihre Spätburgunder haben alle etwas, aber diese Cuvée ist trotzdem was Besonderes. „Freestyle“ nennt Moll, was sie da macht, nämlich in den Keller gehen, ihre ganzen Barrique-Fässer anstarren und dann jenseits von bezeichnungsrechtlichen Regeln wild kombinieren, auch die Jahrgänge. Die Basis des 2017ers ist Cabernet, der Rest ist geheim.

Nun hat WeinLetter-Chef Thilo Knott ja „Sensorik-Schwall“ beim Beschreiben von Weinen verboten, weshalb ich nur faktisch erkläre, dass der Mythos ein faszinierendes Purpurrot ins Glas bringt, ziemlich tanninig daherkommt und sich das Geschmackserlebnis im Lauf eines Abends verändert und immer besser wird. „Man kann Zigarre dazu rauchen“, sagt Moll, „und philosophieren.“

Zweiteres kann ich total bestätigen. Man fühlt sich an einem Mythos-Abend zunehmend als Weltphilosoph.

Peter Unfried, 57, ist Chefreporter der linksalternativen tageszeitung und Chefredakteur des Magazins taz FUTURZWEI. Der Theodor-Wolff-Preisträger ist Autor des Neo-Öko-Klassikers „Öko. Al Gore, der neue Kühlschrank und ich“ (Dumont). Er trinkt Wein, seit er philosophieren kann. FOTO: ANJA WEBER

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