Was ich nach zehn Blaupausen gelernt habe

Mein Membership-Newsletter "Blaupause" hilft dir, dich unabhängig zu machen, indem du erfolgreich Mitgliedschaften anbietest. Diese Woche klopfe bei den ersten zehn Ausgaben dieses neuen Newsletters den Flokatiteppich aus und sammle alles Interessante vom Boden auf.

Hallo!

wie geht's? 

Diese Frage habe ich in den vergangenen Wochen einigen Blaupause-Leser:innen persönlich gestellt, vielleicht auch dir. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass mich so viele Leute zu einem Gespräch einladen würden. Es ist eine soziale Hürde, sich ohne konkreten Anlass zu melden – und passiert darum viel zu selten. Noch dazu, wenn man sich vorher gar nicht kannte. Hallo Christian, Anne-Katrin, Georg, Daniel, Martin, Ute, Hajo, Janik, Frederik, Elisabeth, Pia, Heiko, Adam, Stéphanie, Simon, David, Andreas, Anne und Volker!  

Auch super, auf andere Weise, waren die Video-Think-Ins, zu denen ich jeden Montag um 5 Uhr die Blaupause-Mitglieder einlade. Montags waren wir manchmal nur zu zweit, manchmal zu fünft, fast immer aber in unterschiedlichen Konstellationen. Es ist so cool, was passiert, wenn sich Leute unterhalten, die eine ähnliche Herausforderung bearbeiten. Pioniere der Blaupause-Community sind im Moment Astrid, Jakob, Susanne, Andreas, Martin, Sören, Dominik, Manfred, Niki, Ralf, Tanja, Veith, Tassos, Elisabeth, Christian und Georg. 

Aus all diesen Gesprächen über Memberships, Communitys, Gründen, Schreiben, Reichweite, Zahlen und so weiter habe ich gelernt. Immer wieder habe ich kleine Tipps und Hinweise bekommen. Die möchte ich diese Woche an dich weitergeben. 10, 9, 8 … Countdown! 

🔖 Du brauchst Geld

Bei dieser Blaupause, vor einer Woche erschienen, habe ich einen Anfängerfehler gemacht. Die Betreffzeile klang so sehr nach Spam, dass viele Leser:innen die Mail nicht geöffnet haben. Wahrscheinlich sind sogar einige im Spam-Ordner gelandet. Blaupause #9 hatte noch eine Rekord-Öffnungsrate von 70 Prozent, die #10 nur 59 Prozent. Wieder was gelernt.

🔖 „Content skaliert nicht“

Risiko-Kapital-Fonds und Business-Angels, um die es in dieser Ausgabe unter anderem ging, sind auf jeden Fall eine interessante Subkultur. Wäre ich Ethnologe, würde ich eine Dissertation schreiben über die vielen impliziten Regeln, die eigene Sprache und die an Aberglauben grenzenden Rituale der Branche. 

Ich möchte dabei gar nicht zum schlechten Ruf der VCs beitragen. Leute, die mit viel Geld hantieren, haben immer ein Image-Problem. Aber das Leben ist komplizierter. Viele Leute da sind ziemlich schlau, manche sogar nett.  

Diesen Scherz auf eigene Kosten habe ich bei einem VCler gesehen, finde den Post aber nicht mehr. Wer den Witz nicht versteht: Unicorns, also Einhörner, sind der Begriff für Startups, die mehr als eine Milliarde Dollar wert sind.

🔖 Sucht deine Lösung ein Problem?

Andreas hat mich in einem inspirierenden Zoom-Gespräch auf Write useful Books aufmerksam gemacht. Das ist ein Buch, das Rob Fitzpatrick über Amazon vertreibt und selbst verlegt. Er beschreibt darin seine Methode, die Community als Beta-Tester seine Bücher vorab lesen zu lassen und sie auf diese Weise so nützlich zu machen, dass sie sich auf lange Sicht ohne Marketing selbst verkaufen, allein durch Weiterempfehlungen. Er hat so bereits zehntausende Sachbücher verkauft. Scheint zu klappen, denn ich empfehle es!

Die Methode ist damit bis ins Extrem genau das, was in dieser Blaupause stand:  Kund:innen und ihre Bedürfnisse bedienen, indem du ihnen zuhörst. Rob, so habe ich anschließend gemerkt, ist überhaupt ein schlaues Kerlchen. Er entwickelt gerade ein Konzept namens "Outcome Oriented Community". Das klingt nach genau dem, was die Blaupause-Community einmal werden könnte.

🔖 Wie man in vier Tagen ein Crowdfunding organisiert

In dieser Ausgabe hatte ich die intensive Woche davor beschrieben. Ein Krieg war ausgebrochen und wir als Krautreporter-Team hatten gemeinsam mit der Redaktion des russischen Magazins Meduza in wenigen Tagen ein Crowdfunding organisiert. Meduza ist gerade das letzte russische Medium mit ernstzunehmender Reichweite, das unabhängig über den Ukraine-Krieg berichtet und Millionen Russ:innen erreicht.  Seine 30.000 russischen Mitglieder können aber aufgrund der Sanktionen nicht mehr zahlen. Meduza stand vor dem Aus.

Heute, vier Wochen nach dem Beginn der Kampagne, hat Meduza fast 4.000 neue Mitglieder und hunderttausende Euro neuen Umsatz aus dem Westen, und zwar von beiden Seiten des Atlantiks. Bis zum Ende des Jahres können die Kolleg:innen nun erst mal weiterarbeiten. Jetzt suchen wir nach einer langfristigen Lösung. Wenn du Mitglied werden willst, kannst du das hier tun:

Die Kampagne hat international einige Aufmerksamkeit bekommen. Hier eine Auswahl von Berichten: Washington Post, Mother Jones, Buzzfeed News, Huffington Post, Polityka (Polen), Süddeutsche, Berliner Zeitung, Welt, Nieman Lab und viele andere. 

Große Ehre: Das Global Investigative Journalism Network, die wichtigste Vereinigung investigativer Journalisten weltweit, übersetzte meine Blaupause und veröffentlichte sie auf seiner Webseite:  "How Germany’s Journalists Built a Crowdfunding Campaign to Save Russia’s Meduza".

🔖 Sind Creators die besseren Journalist:innen?

Eben habe ich mich bei Andreas bedankt, und hier kommt schon das nächste Dankeschön an ihn. Er hat mich nämlich auch an The Rebooting erinnert, den Newsletter von Brian Morrissey.  Den hatte ich zwar schon abonniert, aber so gut wie nie gelesen. Ein großer Fehler! Brian ist der ehemalige Chefredakteur des Branchenmagazins Digiday. Seit einem Jahr macht er etwas sehr Ähnliches wie ich. Er schreibt wöchentlich über nachhaltige Geschäftsmodelle für Medien. Seine ständig wiederkehrende Kernthese: Es geht heute nicht mehr nur um Massenmedien, sondern vor allem um Nischen. 

Auch für dich als Blaupause-Leser:in gibt es in seinem Archiv viel zu entdecken. Zum Beipiel über "Primary-engagement media" (das sind du und ich); über "Value beats volume" (sind wir auch) und die goldenen Zwanziger des digitalen Publishing: "We're entering a long-overdue cycle of media innovation". Einen Interview-Podcast hat Morrissey auch, aber ich würde mit dem Newsletter starten. 

In der gleichen Woche schlug mir David vor, eine englischsprachige Version der Blaupause zu probieren. Ich weiß auch schon einen Namen! Klar, Blueprint

🔖 Was Community meint (und was nicht) 

Über Communtys habe ich in der gleichen Woche mit Anita Zielina von der Cuny in New York und dem amerikanischen Journalisten Louis Ametoy beim European Subscription Summit von Meta diskutiert. Ein Video davon ist noch nicht online, ich liefere es demnächst nach.

🔖 Lennart Schneider: 6 Dinge, die ich bei den "Freunden der Zeit" gelernt habe

Ein paar Tage, nachdem sein Text als Blaupause erschienen war, kam Lennart zu Krautreporter in die Wochenkonferenz und hat uns eine Community-Kritik gemacht. Es war ein bisschen schmerzhaft und gerade deswegen natürlich sehr hilfreich. Ich darf wahrscheinlich nichts verraten – aber gebe allen, die E-Mail-Adressen als Leads einsammeln wollen, den Tipp, sich die Typeform-Umfragen der "Freunde der Zeit" genauer anzuschauen.

🔖 Martin Fehrensen: „Ich finde es sinnvoll, erstmal Guten Tag zu sagen“

Social-Media-Watchblog-Gründer Martin und ich haben uns nach dem kurzen Interview noch ein paarmal über dies und das Unausgereifte zum Thema Skalierung ausgetauscht. Könnte spannend werden. 

🔖 Das geheime Rezept für gute Membership-Preise

Diese Blaupause hat das Magazin Digital Publishing Report (DPR) ohne Änderung übernommen (okay, ich sieze im Magazin statt wie hier zu duzen). Das ganze Heft kannst du hier kostenlos runterladen

🔖 Die Top 10 Hacks für eine Antwort auf die wichtigste Frage überhaupt

Diese Blaupause-Ausgabe hat mich noch einige Wochen darüber nachdenken lassen, wie ich mein Wozu?  erreichen kann ("Ich mache Medien unabhängig"). Wie muss ein Projekt, eine Firma, eine Community funktionieren, um tatsächlich eine "Delle im Universum" zu hinterlassen? 

Ich habe sogar zum äußersten Mittel gegriffen und etwas getan, was ich sonst unter allen Umständen vermeide: Ich habe ein Business-Buch gelesen. "Rework" ist schon mehr als zehn Jahre alt, aber ich habe fast jede Seite umgeknickt. Die Gründer von Basecamp und Erfinder der Programmiersprache Ruby on Rails räumen darin so ziemlich alles ab, was mich am Gründen und Startup-Alltag nicht mehr überzeugt. Sie sagen zum Beispiel, dass es auch komplett ohne Meetings geht (wenn man gut organisiert ist). Dass "aus Fehlern lernen" völlig überbewertet ist (denn stattdessen wirst du andere Fehler machen). Dass am Anfang "gut genug" statt perfekt total okay ist. Und vieles mehr. 

Leider geil auch der Absatz zum Thema dieser Blaupause-Ausgabe, dem Mission Statement: "Standing for something isn't just about writing it down. It's about believing it and living it. […] It's like when you're on hold and a recorded voice comes on telling you how much the company values you as a customer. Really? Then maybe you should hire some more support people so I don't have to wait thiry minutes to get help. Or just say nothing. But don't give me an automated voice that's telling me how much you care about me. It's a robot. I know the difference between genuine affection and a robot that's programmed to say nice things."

🔖 Was würdest du verdienen? Die magische Membership-Formel

In meinem Membership-Workshop, der ein paar Wochen nach dieser Blaupause bei "Was mit Medien" stattfand, habe ich mit einer Handvoll Medien-Gründer:innen über Membership-Funnel-Metriken gesprochen, also den Weg, den User üblicherweise durchlaufen, bis sie zahlende Mitglieder werden.  Ich werde sicher in den kommenden Monaten nochmal eine eigene Blaupause zum Membership-Funnel schreiben, aber hier schon mal eine Grafik, die zu verstehen hilft, welche Teil-Ziele du erreichen musst, um seine Mitglieder- oder Umsatzziele zu schaffen. (Die Konversions-Prozente sind natürlich bei jedem Projekt anders.)

🔖 Warum es so schwierig ist, einfach anzufangen

In der ersten Blaupause überhaupt ging es um das Hochstapler-Syndrom und welche verheerenden Effekte es auf Creators hat. Es hindert viele daran, endlich den entscheidenden ersten Schritt zu gehen und das Projekt zu beginnen, das möglicherweise seit Monaten und Jahren in deinem Hinterkopf vor sich hin rumort. 

Darum fand ich diesen Twitter-Thread interessant: "Jeder spricht über die Herausforderungen des Imposter-Syndroms", schreibt Shahed Khan. "Aber was wäre, wenn ich dir sagen würde, dass das Hochstapler-Syndrom dein größter Vorteil sein könnte?" Er schlägt vor, durch einen psychologischen Trick die Nachteile des Syndroms in Motivation zu verzaubern: 

https://twitter.com/_shahedk/status/1458505541936766977

 

Bis nächsten Montag,   👋 Sebastian

PS: 

🎈 Hat dir jemand diesen Newsletter weitergeleitet? Dann melde dich hier kostenlos an.

💌 Kennst du jemanden, dem die Blaupause auch gefallen könnte?  Öffne hier eine E-Mail, die du versenden kannst.

🦞 Noch eine Zugabe, die so überhaupt gar nichts mit irgendwas zu tun hat. Und zwar folge seit einigen Monaten dem Leben von Leon, dem Lobster.  Brady Brandwood hatte die Idee, sein leeres Aquarium einem Hummer zur Verfügung zu stellen, den er lebend im Supermarkt gekauft hatte. Statt ihn zu sieden, entfernte Brady die Gummis an "Leons" Scheren und filmt seitdem das neue Wohnzimmerleben des Schalentiers. Nun ja, viel passiert nicht. Warum ich trotzdem nicht aufhören kann, diese Videos zu schauen, hat vielleicht mit meinem fortgeschrittenen Alter zu tun? Anyway, letzte Woche hat Leon seinen Panzer gewechselt! 

https://youtu.be/9sI7WveN7vk

That's it for now...

🌱 Unterstütze meine Arbeit mit einer Blaupause-Mitgliedschaft. Du bekommst den ausführlichen Newsletter, wir lernen uns kennen und tauschen uns aus.

Mitglied werden

Only members who have access to this post can read and write comments.