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Was Community meint (und was nicht)

Community ist für Mitgliedschaftsmedien der wichtigste, gleichzeitig ein meiner Meinung nach häufig missverstandener Begriff. Es geht für die meisten Leser:innen gar nicht um Engagement, also Interaktionen wie Diskussionen, Likes und Abstimmungen. Sondern Community bedeutet erstmal nur ein gemeinsames, abstraktes Bild in unseren Köpfen von einer Gemeinschaft von Menschen, die etwas verbindet. Das Verbindende ist ein bestimmtes Thema, die Persönlichkeit der Medienmacher:in, oder eine starke Überzeugung.

Recht bekannt ist das theoretische Konzept der "Imagined Community" des Politologen Benedict Anderson. Seine Erkenntnis war, dass Gemeinschaften kollektiv geschaffene Illusionen sind. Einfacher ausgedrückt: Sobald sich Menschen einbilden, dass es eine Community gibt, gibt es sie. Du kannst also eine Community aktiv kreieren. Um so eine Illusion kannst du dann eine erfolgreiche Publikation und ein Geschäftsmodell aufbauen – solange genug Menschen Teil einer Gruppe sein wollen, die sie sich attraktiv vorstellen.

Vor zwei Wochen hatte ich über die Mission der New York Times geschrieben, die in der Trump-Ära ganz auf den Begriff Truth, Wahrheit, gesetzt hatte. In seinem Newsletter „Digitale Notizen“ analysiert Dirk von Gehlen nun die neue Kampagne der NYT. Und die setzt ganz und gar auf ihre Leser:innen – also die Community.

In den neuen Werbe-Videos beschreiben fünf Times-Leser:innen, welche Rolle die Zeitung in ihrem Leben spielt. Diese Kampagne weist (scheinbar) die tatsächliche Existenz der NYT-Community nach, definiert sie und macht sie durch Kombination von authentischen Bildern und in Headlines ausgedrücktem konkretem Nutzwert attraktiv.

Ich finde das genial. Membership at it's best. Guck dir mal dieses Video an.

https://youtu.be/F7VJPgqYsBE

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