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Das 9-Euro-Ticket muss bleiben!

Das 9-Euro-Ticket ist „dauerhaft nicht finanzierbar“. Das ist die aktuelle Haltung der Bundesregierung. Vor allem natürlich die der FDP und dort im Speziellen die von Christian „Gratismentalität“ Lindner. Also der Christian Lindner, der kein Problem damit hatte, seinen Austritt aus der Kirche mal einen schönen Sommertag lang zu vergessen, wenn es zufällig darum ging, in einer romantischen, kleinen Kirche auf Sylt zu heiraten.

Die 100 Milliarden Euro Extrabudget für die Bundeswehr waren hingegen sehr schnell finanzierbar. Ich würde sogar sagen, problemlos finanzierbar. Aber 10 Milliarden für ein innovatives Konzept im Öffentlichen Verkehr, das viele Bürger entlastet? Superschwierig.

Sehr einfach hingegen ist es, den deutschen Flugverkehr zu subventionieren, indem man auf die Energiesteuer verzichtet und internationale Flüge von der Mehrwertsteuer befreit. Das summiert sich auf läppische 11,8 Milliarden (zum Beispiel im Jahr 2016).

Würde man diese Ausgaben streichen, wäre das 9-Euro-Ticket also schon finanziert und man könnte von den restlichen 1,8 Milliarden jedem einzelnen Deutschen noch ca. 22 Euro für die Verpflegung mit Ditsch-Pizzazungen am Bahnhof in die Tasche stecken.

Gut, Fliegen würde dann mehr kosten. Aber hey, Fliegen ist ohnehin viel zu billig. Doch man müsste ja nicht einmal das Fliegen verteuern. Ich bin mir sicher, die 10 Milliarden sind auch so auffindbar. Ich persönlich würde mal dort intensiv nachschauen, wo die 100 Milliarden für die Bundeswehr rumlagen. Von einer Übergewinnsteuer, mit deren Einnahmen Spanien derzeit ALLE Zugfahrten unter 300 Kilometer gratis ermöglicht, möchte ich gar nicht erst anfangen.

Das Geld ist da, wenn man es nur finden möchte. Bei Corona war es ja recht ähnlich: Hätte man vor der Pandemie einem Politiker gesagt, was für finanzielle und gesellschaftliche Belastungen auf uns zukommen werden, hätte jeder Einzelne geantwortet, das sei unmöglich zu schaffen. Geschäfte und Restaurants mehrere Monate schließen? Wochenlang zu Hause bleiben? Fünf Tage in der Woche Home Office? Alle Menschen in Deutschland ständig testen? Absolut unrealistisch. Ging dann, wie wir alle wissen, doch irgendwie. Ohne dass Deutschland meines Wissens jetzt komplett pleite wäre.

Aus diesem Grund ärgert es mich so sehr, dass es nach momentanem Stand für das 9-Euro-Ticket keine Zukunft gibt. Es ist die bisher beste politische Idee des Jahres und wäre ein guter Anfang für das, was in den kommenden Jahren und Jahrzehnten auf uns zukommen wird.

Wie wollen wir denn ernsthaft die Klimakrise bewältigen, wenn wir nicht einmal etwas verhältnismäßig Einfaches wie das 9-Euro-Ticket hinbekommen?!? Wie sollen wir den Menschen denn beibringen, dass wir alle langfristig viel mehr Bahn fahren sollten, wenn es nicht günstiger wird? Wie soll sich denn unsere Einstellung zu Mobilität ändern, wenn jeder gute Versuch nach drei Monaten wieder abgeschafft wird?

Ich fürchte, ein großer Teil der Politik hat noch nicht ganz verstanden, dass im Vergleich zu dem, was wir in den nächsten Jahren und Jahrzehnten alles noch ändern werden müssen, ein popeliges 9-Euro-Ticket wirklich die leichteste Maßnahme ist.

Kommen wir kurz zu anderen Kritikpunkten am 9-Euro-Ticket:

"Das Problem dabei ist allerdings, dass etwa ein Viertel der im ÖPNV angetretenen Fahrten ohne das Ticket gar nicht erst gemacht worden wäre."

Skandal! Das Ticket wird genutzt! Das ist ja wirklich unerhört.

"Demnach fahren 35 Prozent der Probanden häufiger mit Bus und Bahn. Aber nur drei Prozent nutzen ihr eigenes Fahrzeug seltener."

Da würde ich sagen: Immerhin. Warten wir mal ein Jahr mit 9-Euro-Ticket ab und schauen dann noch mal. Und nennt mir auch gerne mal einen anderen Faktor außer Kraftstoffpreise oder autofreier Sonntag, der unmittelbar dazu führt, dass drei Prozent der Deutschen ihr Auto seltener nutzen. Der größte und wichtigste Kritikpunkt ist vielleicht, dass die Bahn noch nicht für einen solchen Ansturm bereit ist. Was natürlich eine leicht paradoxe Kritik ist, denn mit dem Verweis auf eine mögliche Überlastung der Bahn gibt man ja zu, dass das Ticket fleißig genutzt wird.

Davon abgesehen möchte ich hier noch mal auf die 100 Milliarden für die Bundeswehr hinweisen. Nahezu jeder Experte, den ich zu diesem Thema gehört habe, hat Folgendes betont: Wenn man die Beschaffungsstrukturen und die Bürokratie der Bundeswehr jetzt nicht ganz schnell von Grund auf ändert und reformiert, ist das hinausgeworfenes Geld.

Versuchen wir es beim 9-Euro-Ticket also ähnlich: Erst mal machen und dabei schnell die Strukturen der Bahn verbessern. Und dann schauen wir uns mal an, wie sich die das Mobilitätsverhalten der Deutschen in ein oder zwei Jahren verändert hat.

Vielleicht wird der ein oder andere Politiker dann auch merken, dass es für sehr viele Bürger schon einen sehr großen Unterschied macht, ob ein Ticket für den Nahverkehr in der eigenen Stadt 9 Euro oder 86 Euro (aktueller Preis Berlin) kostet. Und wenn man mit diesem Ticket einmal im Monat auch mal an die Ostsee fährt, wird das vermutlich nicht den direkten Zusammenbruch der Deutschen Bahn bedeuten.

Also: Versuchen wir es!

Die Wälder brennen, die Flüsse trocknen aus. Es ist wirklich Zeit zu handeln! Ich kann nur noch einmal wiederholen:

Im Vergleich zu dem, was sich in den nächsten 50 Jahren massiv ändern muss, ist das 9-Euro-Ticket wirklich eine der einfachsten Aufgaben.

Mobile Grüße

Peter

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