E wie Erfolg (6/11)

Was wollen Sie eigentlich erreichen? Folge 6 des Newsletters zur Anleitung zum Unkreativsein heute mit dem Ziel der ganzen Arbeit: E wie Erfolg 

Ein Wort: Erfolg

Es gibt wahrscheinlich keinen Begriff, um den herum man leichter Poesiealbum-Sprüche bauen kann als um das Wort "Erfolg". Ich versuche mal einen Merksatz zum Markieren: "Erfolg findest du nur in der Antwort auf die Frage "Was will ich errreichen?"

Das klingt zu banal?  Dann nehme ich mal in umgekehrter Reihenfolge die drei gar nicht so leicht umsetzbaren Komponenten des Satzes heraus: 

3. Erfolg ist kein Punkt oder gar eine Destination, die man erreichen kann. Erfolg ist ein Prozess, ein kontinuierlicher Ablauf in der kreativen Reise.

2. Was erfolgreich ist, hängt an Ihrer Perspektive! Es gibt keine objektiven, äußeren Kriterien dafür, Erfolg hängt stets an der subjektiven Zieldefinition, am Erwartungsmanagement, an dem, was Sie als Erfolg ansehen wollen.

1. Erfolg beginnt also immer mit der Frage "Was will ich erreichen?"

Im Buch widme ich deshalb einen sehr großen Teil der kreativen Reise den Fragetechniken, weil Sie nur dann erfolgreich sein können, wenn Sie das Ziel möglich genau erfragt haben. Das gilt für konkrete kreative Projekte genauso wie für Ihre persönliche kreative Reise. Von der Psychologin Miriam Junge ("Micro Habits - Kleine Schritte mit großer Wirkung")  gibt es die sehr schöne Merksatz-Definition für Erfolg: 

»Erfolgreich bist du, wenn du dich im Augenblick so verhalten hast, dass es zu deinem Ziel passt.«

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Eine Übung:  Finde dein Ziel

Die Fragen, die ich für sehr hilfreich auf dem Weg zum eigenen Ziel ansehe, stammen aus dem, was man im Japanischen Iki (Leben) und gai (Wert) nennt: Ikigai ist eine in "New Work"-Zusammenhängen äußerst beliebte Methode, persönliche Motivation zu ermitteln - und eigene Passion, Mission, Berufung und Beruf zu definieren. Details zum Ikigai-Prinzip finden Sie im Buch und beim Magazin Neue Narrative, das gerade ein Clarity-Canvas vorgestellt hat, das mit anderen Methoden vergleichbare Fragen angeht.

Hier das von Mai Loan Nguyen Duy illustrierte Venn-Diagram mit den vier zentralen Fragen: 

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Eine Frage: Wie finde ich den Kern?

Johannes schreibt mir äußerst passend zur aktuellen Folge diese Mail hier: "Ich bin neben meinem Beruf als Trompeter im Orchester auch als  Zauberkünstler unterwegs. Seit Jahren plane ich an einem Soloprogramm,  in das ich viele Ideen packen möchte und meistens zu viele, weshalb die  Schubladen sich füllen, aber noch kein wirkliches Konzept fertiggestellt  ist. Nun ist es so, dass ich durch Deine Anregungen endlich mal ohne  Druck losschreibe und wirklich in einen tollen Ideenfluss gekommen bin.  Allerdings ist es auch nun wieder so, dass ich, sobald ich mir eine Idee  herauspicke, zu viele Verzweigungen entdecke und wieder vor einem Berg  an Ideen stehe. Meine Frage, die dann eher ein Luxusproblem ist: Wie schaffe ich es, aus all meinen Ideen das Wichtige und für mich Beste  herauszufiltern? Ich selbst neige einfach dazu, alles und meistens dann zu viel, reinpacken zu wollen."

Danke Johannes für die Frage! Ich habe mir erlaubt, den zentralen Nebensatz in der Frage zu markieren. Du möchtest viele Ideen in ein Programm packen, schreibst du. Warum? Sind viele Ideen besser als wenige? Welcher Antrieb steckt hinter dem Wunsch nach Quantität? 

Ich teile die Ansicht, dass viele Ideen auf dem Weg zur guten Lösung unbedingt wichtig sind. Aber auf der Bühne, im Text und in jedem Ergebnis braucht es Reduktion und Konzentration auf das, was man erreichen möchte. Aber worauf kann man sich reduzieren, wenn man sich vorgenommen hat, viele Ideen reinpacken zu wollen? 

Mein Tipp wäre dieser: Begrenze dich noch weiter. Stell dir vor, dass du aus welchem Grund auch immer für dein Soloprogramm nur fünf Minuten hast, oder nur zwei. Was ist wichtig genug für diese sehr kurze Zeitspanne? Und warum sind es genau diese Ideen, die du auswählst?

Ein Wort, eine Übung, eine Frage - drei Gedanken zum Thema Kreativität erscheint jeden Montag. Wenn Sie nicht bis zur nächsten Folge warten wollen: Die Anleitung zum Unkreativsein ist jetzt im Handel.

Wenn Sie eine Frage haben: Schreiben Sie mir!

Gestatten Sie mir zudem in dieser Woche noch einen persönlichen Hinweis: am Freitag endet die Einreichungsfrist für das Steady-Fellowship. Ich finde, Sie sollten das wissen ;-)