E wie Erwartung (2/11)

Hier kommt die zweite Folge des Workshop-Newsletters zum Buch "Anleitung zum Unkreativsein". Heute geht es darum, was Sie erwarten wenn Sie von Erfolg sprechen - E wie Ewartung

Ein Wort: Erwartung

Was meinen Sie eigentlich, wenn Sie von Kreativität sprechen? Die Antwort auf diese Frage sollte am Beginn aller Überlegungen stehen. Denn nur wenn wir wissen, was wir erwarten, können wir auch herausfinden, ob wir erfolgreich sind.

Ich habe mich deshalb ausführlich mit dem Begriff "Unkreativsein" befasst, weil die Gegenteil-Methode ein sehr hilfreicher Weg sein kann, um zu beschreiben, was man eigentlich will. Denn wenn Sie wissen, was Sie nicht wollen, dann ist das immerhin ein Anfang auf dem Weg, Ihre Erwartungen zu beschreiben.

Die Buchkapitel beginnen mit kurzen Texten, die die Erwartungen umdrehen und bewusst das Ziel der Unkreativität anstreben. Wie schon in der ersten Folge angedeutet, kann diese Positionsbestimmung helfen, den Blick zu schärfen

In Bezug auf Ihr persönliches Erwartungsmanagement möchte ich dies mit einem kurzen Zitat aus dem Einstieg ins Illuminations-Kapitel illustrieren. Als Illumination wird gemeinhin der Moment beschrieben, auf den alle Kreativitätsbemühungen hinaus laufen: der Augenblick der Idee. Wie wird es sein, wenn die Idee Sie findet?

Wenn Sie sich beispielsweise herrlichen Sonnenschein und Tau auf den morgendlichen Blumenwiesen für den Moment der Illumination ausmalen, stellen Sie damit sicher, dass jeder graue Herbstmorgen in einem Büroturm unmöglich der Moment der Illumination werden kann. Das Wetter und weitere externe Faktoren, die von Ihrem Handeln nicht beeinflussbar sind, sollten unbedingt Bestandteil Ihrer Erwartungen sein. Beschäftigen Sie sich ausführlich mit diesen Rahmenbedingungen. Das wirkt geschäftig und ist eine hartnäckige Hilfe gegen die Unplanbarkeit der Kreativität, die aus Zufall und Chaos entsteht.

Der Heureka-Moment, in dem Sie die kreative Lösung finden werden, ist viel näher als Sie denken - und Sie werden zu dem Zeitpunkt keine grundsätzlich andere Person sein. Alle Erwartungen, die Kreativität mit Blümchenduft oder Milch und Honig verbinden, sind nicht nur übertrieben, sie blockieren auch die tatsächliche Lösung.

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Eine Übung: Nach einer kleineren Portion fragen!

Erwartungen zeigen sich vor allem in den Leitfragen, die man für ein kreatives Projekt formuliert. Die meisten Projekte scheitern nämlich genau hier: Wenn keine bzw. keine guten Fragen formuliert werden. In einer der nächsten Folge werden wir deshalb noch ausführlicher auf die vermutlich wichtigste kreative Technik eingehen: das Fragen!

Für diese Woche möchte ich Sie einladen, nach kleineren Portionen zu fragen. Fast immer steckt nämlich im kleiner Denken eine großer Fortschritt. Ich habe das hier anhand eines sehr komprimierten Talks illustriert, der vor allem sagt: Weniger ist mehr.

Kleiner Denken hilft nicht nur dabei, Erwartungen zu senken, sondern vor allem dabei, das Zielfeld zu konkretisieren. Je konkreter die Aufgabe, umso besser kann die kreative Lösung Sie finden. Oder wie es Simon Sinek in seinem Buch "Infinite Game" gesagt hat (ich fasse mit meinen eigenen Worten zusammen): Wenn wir unsere Ziele runterschrauben, können wir sie nicht nur besser erreichen, sondern auch über uns hinauswachsen.

Probieren Sie es aus! 

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Eine Frage: Wie kann ich wenigstens nicht stören?

Stefanie schreibt mir: "Ich bin keine besonders kreative Person. Eine schlagfertige Antwort fällt mir erst ein, wenn das Gespräch vorbei ist und wenn ich im Brainstorming was sagen soll, bin ich häufig zu schüchtern. Nach der Lektüre des ersten Unkreativ-Kapitels habe ich mir aber vorgenommen: ich will wenigstens andere nicht mehr in ihrer Kreativität stören. Haben Sie einen Tipp? Was kann ich tun bzw. was sollte ich nicht mehr tun?"

Wir kennen uns nicht, deshalb werde ich Ihr "Selbstbild" nicht korrigieren wollen. Ich empfehle Ihnen aber das gleichnamige Buch von Carol Dweck, in dem sie beschreibt wie wir uns mit Selbstbeschreibungen wie dem ersten Satz Ihrer Frage blockieren. Weniger kompliziert formuliert: Sie sind kreativer als Sie denken!

Und das werden Sie merken, wenn Sie anderen dabei helfen, kreativ zu sein. Das gelingt durch gutes Feedback (dazu mehr in den nächsten Folgen) und durch ein Prinzip, das ich in dem Buch den kreativen Imperativ nenne. Denn Kreativität ist wie Liebe und Vertrauen eine Sache, die wächst wenn man sie teilt. Und wie bei Liebe und Vertrauen ist das dann besonders schwierig, wenn gefühlt zu wenig vorhanden ist.

Ein Wort, eine Übung, eine Frage - drei Gedanken zum Thema Kreativität erscheint jeden Montag. Wenn Sie nicht bis zur nächsten Folge warten wollen: Die Anleitung zum Unkreativsein ist jetzt im Handel.

Wenn Sie eine Frage haben: Schreiben Sie mir!