R wie Ritual (3/11)

Ab der dritten Folge ist der Workshop-Newsletter zum Buch "Anleitung zum Unkreativsein" nicht nur selbst ein Ritual - er handelt auch davon: R wie Ritual

Ein Wort: Ritual 

Ich mag die unpeinliche Lösung. Sie ist die kleine Schwester dessen, was viele nur als Mythos kennen: der perfekte Einfall. Die unpeinliche Lösung ist nicht genial, nicht herausragend oder ausgezeichnet - sie ist vor allem dies: eine Lösung und dabei unpeinlich. 

Der Weg zum genialen Einfall führt nur über die unpeinliche Lösung. Verstanden habe ich das als ich diesen sehr inspirierenden Podcast mit Christoph Niemann gehört habe (der übrigens auch im Buch auftaucht). 

Darin stellt er sein Konzept von der unpeinlichen Lösung vor und sagt, dass diese "ganz viel mit wahnsinnig viel Wiederholung zu tun hat, aber es ist eine Sache, die man lernen kann. Wie man wahrscheinlich auch lernen kann, beim Basketball mit 70 Prozent Quote einen Freiwurf zu schießen." 

Der beste Weg zur erfolgreichen Wiederholung ist das Ritual. Denn obwohl es bei Kreativität scheinbar immer um einzigartige Ideen geht, ist der wichtigste Trick die ritualisierte Wiederholung. Die unpeinliche Lösung bildet dabei den handwerklichen Teil deiner Kreativität ab, sie hilft dir ins Handeln zu kommen - denn viele Ideen finden uns erst dann wenn wir aktiv werden.  

Der zweite Aspekt der ritualisierten Wiederholung zielt aufs Beobachten - und dazu gibt es in dieser Woche eine Übung.

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Eine Übung: Schreib es dir auf - täglich!

Die Anleitung zum Unkreativsein wird von einem Teil abgeschlossen, den ich Ideentagebuch nenne. Darin wirst du eingeladen, jeden Tag einen Einfall, eine Beobachtung oder eine Frage zu notieren, die dir auf dem Weg zur Kreativität hilft. Inspiriert ist dieses Ideentagebuch von der Witz-Kette von Jerry Steinfeld. Austin Kleon schreibt davon in seinem Buch "Alles nur geklaut" (auf Englisch Steal like an Artist) und nennt sie die Kalendermethode des Komikers Jerry Seinfeld, "die ihm hilft, jeden Tag einen Witz zu schreiben. Jeden Tag, wenn man seine Arbeit erledigt hat, markiert man den Tag mit einem dicken, fetten X. Man hat also jeden Tag das Ziel, ein dickes, fettes X zu machen – und nicht nur seine Arbeit zu erledigen. ›Nach ein paar Tagen hat man eine Kette‹, sagt Seinfeld. ›Bleib am Ball, und die Kette wird jeden Tag ein Stückchen länger. Du wirst es mögen, diese Kette anzusehen, vor allem, wenn sie bald ein paar Wochen lang ist. Du musst nur darauf achten, dass die Kette nicht abreißt.‹"

Diese Prinzip der Kette kennt man von täglichen Läufen (dazu empfehle ich aktuell den Minutenmarathon-Streak) aus dem Sport - und dieser Vergleich zur körperlichen Fitness ist ganz hilfreich. Denn ich glaube, dass Kreatvitität wie ein Muskel funktioniert: sie wird nur besser, wenn man sie trainiert. Am besten täglich und ritualisiert.

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Eine Frage: Womit fange ich an?

Der Newsletter-Leser Lukas steht vor einem Projekt. Er schreibt: "Wir sind eine kleine Agentur und fahren nächste Woche zum Kickoff zum Kunden. Was ist dein Tipp, wie starten wir das erste Treffen?"

Fragen - lautet meine einfache Antwort. Denn meiner Erfahrung nach ist das Fragen der wichtigste Startpunkt für neue Ideen. Gerade nach den Dingen sollte man fragen, die vermeintlich schon geklärt sind. Die zentralen Begriffe zu besprechen, führt häufig dazu, unerkannte Prägungen offenzulegen. Die wichtigste Frage lautet aber: Warum? Was ist das Ziel des Projekts? Welches Problem soll gelöst werden? Wann sind wir erfolgreich?

Meiner Erfahrung nach sollte man sich für die Besprechung dieser Fragen viel Zeit nehmen. Das hilft, das Projekt im weiteren Verlauf konzentrierter und vor allem kreativer zu gestalten.

Ein Wort, eine Übung, eine Frage - drei Gedanken zum Thema Kreativität erscheint jeden Montag. Wenn Sie nicht bis zur nächsten Folge warten wollen: Die Anleitung zum Unkreativsein ist jetzt im Handel.

Wenn Sie eine Frage haben: Schreiben Sie mir!