Was ist die chinesische Lehman-Krise? 

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Evergrande: Das nächste Kartenhaus fällt zusammen

Die Wirtschaftsschlagzeilen der vergangenen Woche waren gefüllt mit dem "chinesischen Lehman Brothers". Es geht um den drohenden Crash eines Großkonzerns – Evergrande. Der Immobilienentwickler ist ein so großer Bestandteil für den Wirtschaftsstandort China, dass Analysten schwerwiegende Folgen befürchten. 

Das Konglomerat besteht nicht nur aus Immobilien, sondern wurde in den vergangenen Jahren um andere Geschäftsbereiche wie Elektromobilität, Lebensmittel und Fußball erweitert. Der Konzern soll immer wieder finanzielle Schwierigkeiten haben, aber in den vergangenen Tagen sickerte durch, dass diese nun wirklich zu einem massiven Problem werden könnten. Den Berichten zufolge hat Evergrande erfolglos versucht, sich von Projekten und Geschäftsbereichen zu trennen und hat nun Verbindlichkeiten in 300 Milliarden US-Dollar angesammelt. Für fällige Zahlungen hat Evergrande nicht mehr genug liquide Mittel. Ratingagenturen haben deshalb die Kreditwürdigkeit des Konzerns bereits herabgestuft. Die Situation hat sich in den vergangnen Tagen so zugespitzt, dass vor den Büros von Evergrande protestiert wird, Investoren und Arbeiter forden ihr Geld ein.  

Während der Konzern auf Refinanzierung und staatliche Unterstützung hofft, halten die Ratingagenturen Moody's und Fitch eine Pleite für sehr wahrscheinlich. Laut eigenen Angaben schafft Evergrande indirekt mehr als 3,8 Millionen Jobs im Jahr, China könnte also aufgrund der wirtschaftlichen Bedeutung Interesse an einer Rettung haben – oder aber ein Exempel statuieren. 

Ob die Evergrande-Krise tatsächlich so weitreichende Folgen wie die Pleite von Lehman Brothers im Jahr 2008 haben könnte, darüber sind sich Analysten uneinig. Während die Lehman-Vergleicher ähnliche Unruhen auf den globalen Finanzmärkten wie damals befürchten, rechnen die anderen dem chinesischen Konzern weniger globale Bedeutung zu und halten die Vergleiche für überzogen.  Die kommenden Tage werden jedenfalls spannend, da einige Zahlungsfristen anstehen und die Strategie der chinesischen Regierung in dieser Sache auch für andere Konzerne und den Wirtschaftsstandort Implikationen haben wird. 

Auf der Watchlist

Vor einigen Wochen haben wir im Smart Casual Newsletter die Milliardenmarke Roger Federer erwähnt, diese ist seit vergangener Woche noch ein bisschen reicher: Federer war nämlich einer der frühen Investoren der Laufschuhmarke On Running. Das Schweizer Unternehmen erreichte am Mittwoch beim Handelsdebüt an der NYSE ein Plus von 46 Prozent

Heute feiert der Dax Zuwachs: Der Leitindex wird um zehn Unternehmen erweitert, die zuvor im MDax gelistet waren. Zu den Dax-Neulingen zählen unter anderem Zalando, Hellofresh und Airbus. 

Weitere News

Auch den USA droht eine Schuldenkrise, Finanzministerin Yellen befürchtet eine baldige Zahlungsunfähigkeit, die Republikaner waren jedoch bislang gegen eine Erhöhung der Schuldenobergrenze. (New York Times

In Deutschland kam es im August zur höchsten Steigerung der Erzeugerpreise seit 1974: Laut einer Meldung des Statistischen Bundesamts stiegen die Preis im Vergleich zum Vorjahr um 12 Prozent. Der größte Anstieg wurde bei Holz sowie bei Sekundärrohstoffen verzeichnet. (Finanzen.net

Diese Preissteigerungen hängen natürlich mit den Lieferschwierigkeiten und Materialknappheiten der vergangenen Monate zusammen. In Österreich haben die Lieferengpässe der Wirtschaft im zweiten und dritten Quartal 750 Millionen Euro gekostet, informiert die Nationalbank. (Die Presse

Lufthansa beschließt eine Kapitalerhöhung von 2,14 Milliarden US-Dollar, die Airline will damit die Staatshilfen zurückzahlen. (Handelsblatt

Schönen Start in die Woche! Der Newsletter erschien diesmal ausnahmsweise Montag statt Freitag. Welcher Wochentag wäre euch denn lieber? Schreibt mir gern eure Präferenz als Antwort auf diese Email! 

Liebe Grüße, 

Lisa 

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