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Mensch, ärgere dich nicht

Es macht extrem Spaß, Zuckerbergs Metaverse zu hassen. Da simmer dabei, dat is prima. Aber es bleibt zu befürchten, dass es gar nicht so scheise ist. 

Da war sie wieder, die News, die runtergeht wie Öl: Die meisten User kehren nach ihrem ersten Monat nicht mehr in Zuckerbergs Horizon World zurück. Mein Herz lachte, die Fantasie sprang sofort an. Ich stellte es mir ein bisschen vor, als wandele man in einem sehr großen digitalen Lost Place. Alle paar Minuten schwebt eine faltenlose Mensch-ärgere-dich-nicht-Figur mit toten Augen vorbei. Hilarious!

Kein Arsch will, dass das Konzept aufgeht

Es geht eine gewisse Gehässigkeit durch die internationalen Medien, wenn es aufs Metaverse und entsprechend auf Horizon Worlds kommt. Man könnte meinen, die Presse wolle nicht, dass das Konzept aufgeht. Kann man ihr nicht verübeln. Grundsätzlich will ja auch niemand, dass das Konzept aufgeht.

Aber ich stockte in Wahrheit schon vergangene Woche, als ich mich in der letzten Ausgabe diebisch darüber freute, dass nur 58% der Meta-Mitarbeitenden sagten, sie verstünden die Strategie des Konzerns. Es war einfach so schön gemein, so eine herrliche News, ich musste es genau so stehen lassen. Aber Hand aufs Herz: In jedem Unternehmen, in dem ich bisher gearbeitet habe, hätten 58% der Mitarbeitenden genau dasselbe gesagt. Mindestens in schwierigen Phasen, wo Leute rausgeschmissen werden und nur noch kaqq Presse kommt (wie bei Meta). 

Bin ich der Schulhof-Bully aus dem Internet? Hasse ich einfach aus Prinzip? Für den Reality Check habe ich mir die User-Bewertungen für Horizon Worlds angesehen. Die drei gleichen Dinge werden durchweg beanstandet: 1. Alles ist geflutet mit trollenden Kids. Die Altersbeschränkung von 18 Jahren funktioniert nicht und wird nicht ordentlich verfolgt. Es wurden sogar schon 5-Jährige gesichtet. Wow. 2. Es ist noch nicht fertig. Wer nicht zum Bauen kommt, sondern einfach nur mal zum Spaß haben, findet noch nicht wirklich viel Programm und Leute vor. Die Möglichkeiten sind schon da, aber noch nicht ganz ausgereift. 3. Es ist buggy.

Da war sie, die schreckliche Erkenntnis: Das sind ja alles lösbare Probleme! Eines (2. und ein bisschen 3.) sogar verständlich! Na klar muss erstmal gebaut und erst dann mit Leben gefülllt werden! Der Rest der Bewertungen hörte sich, honestly, ziemlich euphorisch und tief beeindruckt an. Ich war erschüttert.

Vielleicht kommt das für dich jetzt wenig überraschend. Vielleicht sagst du jetzt gelangweilt: Ja, naja, Katrin, aber wenn man als Game-Dev die Probleme nicht innerhalb von X Wochen bereinigt, dann kommen halt statistisch keine User mehr, die dir eine zweite Chance... bla bla bla. Hast ja Recht, LEAVE BRITNEY ALONE ;____; Aber guck mal, schlauer Internetboy, es hat doch auch noch lange nicht jede:r so ein Oculus-Ding zu Hause. Und ist es nicht schlau, das Metaverse jetzt schon bei den 3 Hanseln zu vertesten, die sowas besitzen – und dann schlägt man richtig zu mit obergeilem Produkt, dann nämlich, wenn jeder 2. Haushalt so einen Balken zu Hause liegen hat?

Ich weiß auch nicht. Ich hatte tief in meinem Innern gehofft, dass Menschen einfach grundsätzlich... sowas doof finden. Es aus Prinzip boykottieren. Weil Zuck ein Wichser und echte Nähe halt nicht imitierbar ist und noch mehr Weltflucht einfach das Falschste ist, was wir der aus dem letzten Loch pfeifenden Erde gerade antun können. Aber jetzt ist das Ding auf einmal vielleicht gar nicht so scheise und vielleicht hassen die Mitarbeitenden von Meta ihr Produkt ja gar nicht, sondern sie hassen einfach wie alle anderen Menschen auf dieser Welt ihre doofen Manager, die Leute rausschmeißen und niemanden mehr einstellen und mega Druck machen, sodass sie nur Scheise zusammencoden und davon frustriert sind. Und dann kommt noch der Oberboss, der ihnen sagt, sie müssten die Arschbacken zusammenkneifen und noch mehr arbeiten, obwohl gerade Roners irgendwie halbwegs rum ist AND THE WORLD IS GOING CRAZY!!!!111 Toll. Ich hege Empathie für Meta-Mitarbeitende. Bis nächste Woche, mit kühlem Kopf? Eure Katrin 🤡🤡🤡