Ahoi Seefrauen!

"Auf allen sieben Meeren und auch in Hamburg machen sich in den vergangenen Jahren Künstlerinnen, Aktivistinnen und Forscherinnen aufs Wasser auf. Sie setzen sich für ein Recht auf Hafen ein, für die Wiedergewinnung des Wassers als öffentlichen Raum, für Seenotrettung, fairen Handel, für die Aufarbeitung kolonialer Strukturen und gegen die Zerstörung maritimer Lebensräume. Die patriarchale Geschichte der See ist kein maritimes Abenteuer, sondern von Krieg, Kolonialismus und Ausbeutung geprägt. Auch der Hamburger Hafen steht in dieser patriarchalen Tradition, und weiterhin sind HPA, Eurogate, Hapag Lloyd und so mancher Bootsverein männlich dominiert. Doch langsam kommt Bewegung in die martiminen Geschlechterverhältnisse: Gibt es eine alternative, feministische Perspektive auf Meer und Hafen?"

Mit dieser Frage luden die Geheimagentur und das Netzwerk "Women of the Seven Seas" zur ersten Seefrauenparade in Hamburg ein. 

An dem nassen, grauen Sonntag machte ich mich auf den Weg zur Schiffbegrüßungsanlage am Strandhafen in Grasbrook. Dort gab es unglaublich lecker aussehende Kuchen und frischen Kräutertee oder Kaffee zur Auswahl. 

Die Regentropfen prasselten auf die dreieckigen blauen Schirme, die zum Schutz aufgebaut wurden. Das Geräusch vermischte sich mit der unverwechselbaren Stimme von Nina Simone, die den Song der Dreigroschenoper "Seeräuber-Jenny" interpretierte:

And the ship The Black Freighter Disappears out to sea And On It Is Me

(Such mal nach "Nina Simone: Pirate Jenny" – ein Liveauftritt, großartig!)

Um mich herum standen, liefen und saßen Zuschauer:innen und liefen Journalist:innen mit Kameras herum.

Bei mir im Kopf entstand ein kleiner Reim

Grau grau grau sind 

Alle eure Fotos

Dafür meine 

Skizzen alle bunt

Als die Schiffe aus dem Baakenhafen zu uns rüber kamen, wurden sie einzeln begrüßt und vorgestellt. Mit dabei waren unter Anderem die Initiative Kunstbagger, Seawatch und die Initiative gegen deutsche Rüstungsexporte. Danach ging es zum Binnenhafen für die erste Kundgebung, bei der ich dann auch in eine Barkasse stieg und vom Wasser weiter zeichnete. 

An dieser Stelle möchte ich nicht mehr viel schreiben, denn ich habe viele Zeichnungen gemacht, die ich lieber mit Dir teilen möchte. 

Über Womenofthesevenseas-Radio konnte man die Parade auch zuhause live verfolgen. Auf allen Schiffen, an Land und sogar aus dem Ausland haben sich Frauen mit Beiträgen gemeldet, in denen sie ihre Geschichten erzählten oder ihre Forderungen und Wünsche äußerten.

Es war recht wackelig auf der Elbe. Vor allem für die kleinen Boote. Aber auch auf der relativ stabilen Familienbarkasse gab es ein ganz schönes Gewackel. Die Kinder freuten sich darüber und bastelten Flaschenpost mit Flaschengeistern, die für Gerechtigkeit stehen sollten. Wenn Du so eine Flasche aus der Elbe oder vielleicht sogar der Nordsee rausfischen solltest, sag bescheid ;)

Wasser. Überall Wasser und Wellen. Mein inneres Zeichnekind jubelte … meiner inneren Oma war schwindlich.

Am Hansahafen angelangt, begrüßte uns die Peking, mit den Fahnen der Seefrauenparade geschmückt. Ein alter Segler, der vor 100 Jahren Salpeter von Chile mach Hamburg für Waffenbau transportiert hatte. Auch diese Story wurde durch die Lautsprecher erzählt. Das Schiff wird momentan zum Museum umgebaut, in dem genau solche Kapitel unserer Geschichte verarbeitet und erzählt werden. 

Dann baute sich ein bunter Kraken auf dem Wasser auf. Eine Kunstaktion der Geheimagentur, die im Vorfelde in einem Workshop vorbereitet wurde.

Als ich nach Hause durch die Landungsbrücken marschierte, dachte ich über die Frage nach "Was wünsche ich mir für den hamburger Hafen?". Ein "Rastaman" tanzte vor einer Anlage aus der rau "Kein Mensch ist illegal" klang. Aus den Fenstern vom Hardrockcafe lallte ein langweiliger Rockklassiker. Der Regen hat aufgehört.

Ich wünsche mir mehr Freiheit und Frieden und weniger Unterhaltung und Konsum. Mehr Denken und Machen und weniger Vergessen und Betäuben. Mehr Bootshäuser und Theaterschiffe. Weniger Kreuzfahrtschiffe und Kontainer. Mehr Zeit und Raum für Eigeninitiative …

Was denkst Du?

Tschüß

Julia Zeichnekind

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