Der Weg nach Hause  - Staffel 2

Am Freitag Morgen habe ich einen Brief mit folgendem Wortlaut bekommen: Fahre nach Emmerich und beginne deinen Weg nach Hause entlang des Rheins – aus eigenen Kräften. Du hast zehn Tage Zeit. Die Zehn Tage waren mir klar. Doch warum der Rhein? Warum Emmerich? Ein Erklärungsversuch…

Der Blick vom Nachtlager aus auf die Rheinbrücke von Emmerich

Zwischen eigener Vergangenheit und unbekannter Zukunft

Als Schülerruderer habe ich einige Teile des Rheins und der Seitenarme immer wieder berudert. Sämtliche Schulferien habe ich in dieser Zeit genutzt, um mit den Vereinskameraden Flüsse wie Lahn, Mosel oder Main entlang zu rudern. Und beinahe immer musste am Ende der Wanderfahrten das selbe Stück Rhein überwunden werden: Die Etappe von Neuwied nach Bonn. Noch heute könnte man mich im Schlaf wecken und zwingen Landmarken, gefährliche Strömungen und sichere Pausenorte dieser Etappe aufzuzählen. Ich würde gewinnen. Doch weiter als Bonn habe ich es auf dem Fluss nicht gebracht.

Die Zeit auf dem Wasser hat mich geprägt. Wenn wir Menschen erzählten, dass wir auf dem Rhein rudern, hielt man uns immer für bekloppt oder lebensmüde. Der Strom sei viel zu schnell und gefährlich. So argumentierten vor allem andere Ruderer sowie die meisten unserer Eltern. Das wiederum hat uns als Gruppe noch mehr gestärkt. Wir haben etwas gemacht, was sonst nur wenige machen. Wir waren nicht einfach Schönwetterruderer. Wir waren Rheinruderer.

Nach dem Schulabschluss verblasste meine Präsenz in Bonn zwar zunehmend, nicht jedoch die Liebe zum Rhein. Nach der Ausbildung in Münster, Kiel und New York kam ich zurück an den Fluss, zog nach Köln. Wie jeder weiß, sind es zwei Dinge, auf die sich Kölner:in einigen können: Den Dom und den Rhein.

Die Aufgabe: Weniger banal als sie scheint

Wo auch immer ich den Rhein sehe, ich fühle eine Form der Verbundenheit. Und ihr Wissen um meine Vorgeschichte schien Katha dazu bewogen zu haben, mich den Rhein entlang zu schicken. Mal andersherum. An Land und vor allem: gegen den Strom.

Von Emmerich nach Köln sind es zu Fuß knapp über 170 Kilometer. Auf zehn tage macht das 17 Kilometer pro Tag. Klingt auf den ersten Blick machbar. Doch soll dabei noch etwas sendefähiges herauskommen. Nicht nur Laufen, sondern auch erleben. Und natürlich habe ich auch noch einen Körper, der das Wort „Sport“ seit Corona eher vom Hören-Sagen kennt.

Schon im Zug nach Emmerich wurde mir klar: Die Strecke München-Köln oder Hamburg-Köln wäre deutlich einfacher gewesen. Denn Ich hätte Strecke machen müssen. Trampen, Zugreisen, Städtereisen. Klar definierbare und strukturierbare Ziele, Anfahrts- und Abfahrtszeiten. In der Fläche kenne ich beinahe überall Menschen, vor allem in Ballungszentren. Auf dem Land aber, vor allem am Niederrhein? Da kenne ich keine Seele.

Mein Nachtlager am ersten Abend, etwas außerhalb von Emmerich

Eingeholt von der Realität – ein Hallo aus Xanten

Heute ist Tag 4 von 10. Heute bin ich in Xanten. Ruhetag. Die Füße brauchen Luft und Pause. Und es regnet.

Wenn es einzig um den Reiseplan ginge, dann würde ich bereits hinterher hinken. Hinken leider im wahrsten Sinne. Ich habe sowohl Füße als auch Schuhe überschätzt. Beide Füße sind von Blasen übersäht. Es ist schwierig mit den neuen Blasen Schritt zu halten. Es ist schlichtweg kein Platz für neue Pflaster mehr.

Aber glücklicherweise geht es ja nicht nur um das Meter-Machen. In den vergangenen vier Tagen habe ich bereits viel erlebt: Ungeplante Dinge, Enttäuschungen, aber auch kleine Träume sind in Erfüllung gegangen. Und all das jeden Tag. Dazu haben sich bereits einige Thesen bestätigt, die mich in erster Instanz dazu bewogen haben diese Reise anzutreten.

Doch zu all dem bald mehr im Podcast. Ihr glaubt nicht, wie sehr ich brenne, euch mehr von meinen Erlebnissen zu erzählen.

Macht mit: Aufgaben und Unterstützung

Eine Lektion dieser Reise: Man muss den Deich schon hoch laufen, um runter zu schauen

1. Aufgaben

Wenn ihr möchtet, dann könnt ihr mir kleine Aufgaben schicken, die ich auf der Reise erfüllen kann. Es gibt bereits ein, zwei Dinge, die ich erledigen muss, von denen ich jedoch noch nichts weiß. Das wird wohl in den nächsten Tagen kommen.

2. Unterstützung

Jetzt wo ich weiß wo ich hin muss, kann ich konkret fragen:

Seid ihr in der Nähe? Könnt ihr mir Obdach geben? Könnt ihr eventuell bei der Reise behilflich sein?

Die schwierigste Aufgabe ist die tägliche Unterkunft. Am Morgen weiß ich in der Regel nicht wo ich abends ankomme. Daher kann ich zumeist kein Hotel oder Campingplatz buchen. Hintergrund ist ein Umstand, den wir aufgrund unseres regulären Reiseverhaltens nicht mehr auf dem Schirm haben: Die Entfernung. 

Unterkünfte liegen nicht immer am Rhein. Und wenn doch, sind sie häufig kurzfristig ausgebucht. Einfach mal zwei, drei oder auch fünf Kilometer landeinwärts laufen, nur um zu übernachten? Mit dem Auto oder dem Rad kein Problem. Aber zu Fuß? Das ist einfach zu weit. Das wären im schlimmsten Fall 10km extra, nur fürs Schlafen, ein halber Tagesmarsch.

Wüsste ich aber um einen Menschen, der oder die z.B. in Duisburg oder Moers, Krefeld oder Meerbusch wohnt und mir für eine Nacht Obdach anbietet, dann würde ich alles daran setzen die Füße bis zum Ort zu triezen. Kennt ihr jemanden, wohnt ihr vielleicht selbst vor Ort oder möchtet ihr einen Teil mitgehen? Dann meldet euch!

Mein Problem des Tages 😉

Ich benötige ein Fahrrad, um von Xanten nach Wesel oder direkt nach Duisburg zu fahren. Meine Füße wollen heute einfach nicht mehr, sodass ich einen Pausentag in Xanten mache. Besser wäre es, wenn ich auch morgen nicht laufen würde, um den Füßen einen weiteren Tag Regeneration zu ermöglichen. Hat jemand von euch eine Idee, vielleicht sogar ein Fahrrad, das ich mir leihen könnte?

Auch hier: Meldet euch! Seid euch sicher um meinen Dank und einen Platz im Podcast. Und wer den nicht möchte, wenigstens in den Credits ;-)

Auf bald, bei der zweiten Staffel viel schoenes dabei.

Euer Bastian 

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