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Mehr als schöne Worte kann ich heute nicht auf eure Waffel schmieren, die ihr mir begierig hinhaltet. Welches Topping?, fragst du. Schweiß und Tränen, sag ich. Ich mache halt an diesem PC, unterbreche die Fahrt für diese Zeilen Existenz. Ich komme bisweilen an die Grenzen der Güte. Habe mich in Jahren Psychotherapie vor- und nachbereitet auf diese Biografie. Und dennoch.

Verantwortung für eigene Gefühle zu übernehmen, davon bin ich Fan. Und ich bin sogar gut darin. Ich habe wenig Lust auf lange dunkle Tage (doch ich betone: ich bin psychisch gesund! Das alles gilt nicht für Menschen, die krank sind und das schlicht und einfach nicht aus dem Ärmel schütteln können). Jedenfalls: Es gibt sie, diese Mantren, diese Slogans für mehr Seelenheil, wir beschwören mit Abrakadabra alles in uns, um diese, für uns erdachte Losung, diese höhere Gewalt irgendwie für uns nutzbar zu machen. Das Gute, ich rieche es. Es steht da hinten auf dem Tresen, die Waffel, sie dampft und wartet auf einen schauer feiner, süßer Fügung - wir alle werden ab und an beschenkt mit diesem Almosen. Glück, Zufriedenheist, Freude. So lose, so streitbar wie jedes andere Gefühl auf dieser Welt. No feeling is final - diesen klugen Satz kennen wir. Er hilft uns, sowohl die schlechten Momente zu überstehen als auch die euphorischen Dates mit unserer Psyche zu feiern. Dabei möglichst unabhängig von anderen zu sein, das ist das Ziel. Doch dass niemand sonst für mein Glück zuständig ist, außer mir - ich habe es genauso verinnerlicht wie noch nie gehört. Diese fludie Scheiße ist so anstrengend. Und trotzdem hilft sie, wenigstens ein bisschen. Ein bisschen bisschen.

Doch just heute, da muss ich etwas feststellen. Etwas, das mich niedergeschlagen zurücklässt: Ich habe zu viel an der Schraube gedreht. Ich habe in zu vielen Argmageddon-Momenten Verantwortung für mich übernommen und es geschafft, schnell wieder gut drauf zu sein. Das war zu keiner Zeit unecht, aber das Tempo, in dem aus Verwundung wieder Verzückung wurde, frisierte den Zusammenbruch im Handumdrehen auf die Sonnenseite zurück und gab, so sehe ich das heute, den anderen nicht zu verstehen, wie schlecht es mir eigentlich geht und wie verletztend das eigentlich war.  Meine eigene durch-therapierte Dauer-Powersendung zu besten Sendezeit verfehlte ganz offensichtlich das Ziel. Wer verloren nett lächelt, hat dieses Game der Eigenverantwortung schlicht und einfach übertrieben. Und meine Psyche antwortet mir völlig zurecht mit einem richtig angepissten Sticker auf diese ganz persönliche seelische Mutprobe. Tante, halblang jetzt. Wenn du stehen bleibst, gehen andere weiter, sag ich zu mir, auch das kann Abschied sein. Bleib doch bei dir. Dennoch.

Die Idee des Happy-Quickies ist schon auch sexy für die Hauptgeschäftsstelle meines Innersten. Aber gleichzeitig hat es sich ausgelacht. Fragt sich natürlich für wie lange. Oder wie kurz. Ne Waffel ist schnell gebacken, für mich heute ohne Topping.

Deine Tante.

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