Performances, Festivals & Kunst | #6

newsletter no. 6 – May 24, 2021

Was zuletzt geschah: „Vielleicht gebe ich hiermit ein Versprechen an mich selbst (und an meine 90 Mitglieder und Subscriber meines Newsletters): Nach der Köln-Demo am 24. April werde ich besser auf mich achten!“ (Anmerkung der Redaktion aka ich selbst: es sind jetzt sogar 98 Mitglieder, die bezahltes Mitglied sind und/oder meinen Newsletter als kostenlosen Mail-Subscribe abonniert haben – wow! Danke für euren Support, ihr tollen Menschen!)

Ja also… das mit dem besser auf mich achten hat nur so bedingt gut geklappt. :D Den Satz "Wenn dieses Projekt zu Ende ist, dann wird's besser" habe ich mir nach dem letzten Newsletter noch einmal gesagt und danach aufgegeben, weil ich insgeheim wusste, dass das echt nicht so leicht ist einzuhalten. Aber good news: die letzten vier Wochen waren wirklich deutlich besser als noch vor ein paar Monaten. Small steps.

In den letzten Wochen war ich nicht mehr so aktiv auf Social Media (= nicht mehr jeden Tag was gepostet), weil ich merke, dass weniger Social Media Zeit mir grad richtig gut tut. An machen Tagen geht’s mir gut, aber an manchen auch einfach mental sehr schlecht. Deswegen wollte ich mir mehr Zeit für tanzen, nachdenken, schreiben, lesen, Ideen entwickeln und quality time mit friends über Zoom nehmen. Die wenigen Tage, an denen ich meine (long distance) friends in real life treffen konnte, sind goldwert und geben mir sehr viel Kraft zurück.

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Performances

Diesen Donnerstag wird meine Tanztheater Performance mit den anderen Projekten der Künstler*innen der zweiten Edition von APAL (Asian Performing Artists Lab) beim digitalen Performing Arts Festival Berlin (PAF) gezeigt! Ich bin sehr glücklich, dass das möglich ist und freue mich sehr, die anderen Künstler*innen zumindest digital wiederzusehen und auf das anschließende Künstler*innen-Gespräch!

Fotocredit: Asian Performing Artists Lab (danke Ming für das Foto!)

[Bildbeschreibung: Ein Behind-the-Scenes Foto während meines Videodrehs zu meiner Tanztheater Performance auf der APAL Residenz. Es ist ein Ausschnitt in einem sehr großen Raum, die hintere Wand ist dunkelgrün. Rechts ist ein bisschen die goldene Wandseite zu sehen. Rechts auf dem Boden ist ein Musiklautsprecher. An der goldenen Wand ist ein weißer langer Heizkörper. Vor der dunkelgrünen Wand stehe ich in einer tänzerischen Position. Ich hab eine dunkelgraue Hose, schwarze Socken und ein graues T-Shirt an, schwarze schulterlange Haare und eine Brille.]

In meiner Tanztheater Performance „ZUSAMMEN/zerrissen/SEIN“ geht es darum, die eigene queere Identität vor der eigenen Familie verstecken zu müssen und mit den unerfüllbaren Erwartungen der Eltern umzugehen. Es geht darum, mit den quälenden Gedanken der Unehrlichkeit und Geheimhaltung ihnen gegenüber zu leben, mit der Schwierigkeit und Frustration umzugehen, Gefühle und Gedanken in der eigenen Muttersprache zu kommunizieren, gleichzeitig aber auch nicht aussprechen zu wollen. Es geht darum, Hetero- und Mononormativität aufrechtzuerhalten (zu müssen), zwischen innerem Konflikt und Zusammenkommen, zwischen Hilflosigkeit, Widerstand und Widersprüchen.

Ich freu mich sehr, wenn du zu unserem Performance-Abend inkl. Künstler*innen Gespräch kommst! Hier die Eckdaten:

AmnAsia.2 — Asian Performing Artists Lab (APAL)

Wann: Donnerstag, 27. Mai 2021, 19:30-21:30 Uhr

Wo: Zoom

Tickets ab 5€: https://performingarts-festival.de/de/programm/amnasia-amnesia-asia-asian-performing-artists-lab-apal

Projekte und beteiligte Künstler*innen:

„A Writer Goes Fishing for Lost Voice“ von Avrina Prabala-Joslin (India)

„A borrowed field“ von Michiyasu Furutani (Japan)

„Songs From the Second Floor“ von Wang Ping-Hsiang, Tien Yi-Wei & Shen Sum-Sum (Taiwan)

„KIRIKIRI キリキリ“ (AT) von Nine Yamamoto-Masson (Japan-France)

„ZUSAMMEN/zerrissen/SEIN“ von Thủy-Tiên Nguyễn (Germany)

Organisation & Kuration: Ming Poon & Frederika Tsai

Dramaturgie: Dandan Liu

Ko-Produktion / Kooperation: Berliner Ringtheater

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„Ich habe vergessen, dass ich Kunst mache“

Ich erinnere mich noch genau, als Ming mich am letzten Tag der APAL Residenz gefragt hat, warum ich meine künstlerischen Arbeiten nicht auf meiner steady-Homepage als eine Art Portfolio aufgelistet habe. Und in dem Moment habe ich folgendes realisiert:

Ich habe total vergessen, dass das mein Beruf ist! Ich habe vergessen, dass ich – neben all dem Aktivismus, Workshops geben, Vorträge halten, Communityarbeit, Demos organisieren – Kunst mache, Tänze choreografiere und selbst auf der Bühne stehe! Dadurch, dass ich all meine (Tanz-)Theaterprojekte wegen der Pandemie (bis auf ein Projekt) verloren habe und nicht weiter realisieren konnte, seitdem aber auch nicht mehr die Möglichkeit habe, auf einer Theaterbühne zu stehen und zu proben oder mit anderen Leuten Tanztraining zu haben, habe ich es total vergessen, dass das seit Jahren ein so großer und wichtiger Teil von mir war und immer noch ist.

Während der 4-tägigen APAL Residenz auf der Farm habe ich es so deutlich gespürt, wie sehr ich tanzen, choreografieren, neue Kunstformate ausprobieren, spartenübergreifend arbeiten und mich über Kunst und Ideen austauschen vermisst habe und wie gut mir die Zeit dort tat. An dieser Stelle auch noch mal ein großes Danke an Michiyasu Furutani, der für mich meine Performance gefilmt hat, damit ich meine Tanztheater Performance als Videoprojekt realisieren konnte!

Wenn du ein paar kleine Einblicke in die APAL Residenz lesen möchtest, kannst du dir. gerne meine Instagram Posts sowie meine Story Highlights dazu durchlesen und anschauen.

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Festival Season

Ein weiterer Veranstaltungstipp ist das diesjährige kostenlose "Dear White People..." Let's Break the Silence! Festival vom 07.-13. Juni 2021 in Freiburg! Es ist „ein Festival, das marginalisierte Themen wie die Verschränkung von Kolonialismus und Rassismus, den Zusammenhang zwischen ökologischer Krise und Ausbeutung des Globalen Südens sowie die systemische Struktur von (Mehrfach-) Diskriminierungen in unserer Gesellschaft in Workshops, Podiumsdiskussionen, Performances, Vorträgen, Filmen, Ausstellungen oder Podcasts behandelt.“

Im Rahmen dieses Festivals werde ich außerdem am Sonntag, 13.06. von 9-12 Uhr, den Open Space "Let’s Talk Visions – Wie wollen wir miteinander leben?" für (post)migrantische Akteur*innen und Organisationen moderieren!

Ich freue mich sehr auf dieses Festivals, das Stand heute wie geplant in Präsenz / als Open-Air stattfinden kann und darauf, die vielen tollen Referent*innen (wieder) zu sehen! Einige Veranstaltungen sind auch als Stream verfügbar, also checkt unbedingt das Programm ab! Mehr Infos & das Programm gibt’s hier.

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thoughts & feelings

Es ist schon vier Wochen her seit meinem Newsletter. Ich kann mich noch sehr genau daran erinnern, als ich in der Nacht zur #StopAntiAsianRacism-Demo in Köln noch meinen fünften Newsletter geschrieben und veröffentlicht habe. Seitdem ist so viel passiert:

Ich erinnere mich an Loslassen, Weitermachen, Traurigsein, Vorfreude, Frustration, Kreativsein, Angsthaben, Lachen. An die Organisation & Teilnahme an der #StopAntiAsianRacism Demo in Köln, an Picknicks, an Berlin, an meine Asian Performing Artists Lab Residenz auf der Farm, an neue Leute kennenlernen und gute Gespräche, an meine Familie und Freund*innen, ans alleine und gemeinsam Weinen. Ich erinnere mich an Bis-Mittags-nicht-aus-dem-Bett-kommen und an 8-Uhr-aufstehen-und-Energie-haben.

Ich erinnere mich auch an die Veranstaltung „2 Monate nach Atlanta & 5 Jahre nach dem Mord an Li Yangjie – Was nun? Ein Brave Space für asiatisch-diasporische Menschen“, die ich gemeinsam mit Nhu und Hao entwickelt und in Kooperation mit dem Autonomen BIPoC-Referat der Uni Münster und dem Projekt Muslima Empowerment realisieren konnte! Dabei haben wir drei verschiedene Breakout-Räume mit folgenden Themen angeboten: „Träume und Visionen" mit Dieu Hao Do, „Solidarität in Freund*innenschaften – selbstverständlich?!" mit Tú Qùynh-nhu Nguyễn sowie „Körper, Tanz und Bewegung (Healing + Self-Care) mit mir.

Danke euch für diese wertvolle und schöne Zusammenarbeit! <3 Danke an alle Teilnehmenden, die mit uns gemeinsam diesen Brave Space kreiert haben, für den Austausch, das Vertrauen in unsere Arbeit, das gemeinsame Trauern und Wissen teilen.

Dies war die zweite Veranstaltung und eine Fortführung des Community Gatherings am 17. März 2021, die von Cuso (@diasporasia.podcast), Jee-Un Kim (@korientation), Sina Schindler (@korientation), Thị Minh Huyền Nguyễn (@goldtogreen, @ichbinkeinvirus), Thủy-Tiên Nguyễn (@storiesbythuy, @korientation), Tú Qùynh-nhu Nguyễn (@nhumi2050), Dieu Hao Do (@dieuhaodo, @berlinasianfilm) und Deutsche Asiat*innen Make Noise (@damn_berlin) organisiert wurde.

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Anyone looking for a cool flatmate aka me?

Und damit beende ich meinen sechsten Newsletter. Im Juni gebe ich übrigens wieder ein paar Workshops und Vorträge zu anti-asiatischem Rassismus, die für die Teilnehmenden kostenlos ist. Bei Interesse, schau gerne in den nächsten Wochen auf meinem Instagram Account @storiesbythuy vorbei!

Ich suche übrigens immer noch nach einem WG-Zimmer oder einer kleinen Wohnung in Berlin ab 15. Juni oder 01. Juli für max. 500€ warm. Ich bin sehr dankbar für jeden Tipp!

Bis zum nächsten Newsletter! Bis dahin gönne ich mir Bubble Tea, einen besseren Schlafrhythmus, leckeres Essen und mehr me-time in Form von die beiden wunderbaren Bücher "Minor Feelings: An Asian American Reckoning" (2020) von Cathy Park Hong und "On Earth We're Briefly Georgeous" (2019) von Ocean Vuong weiterlesen sowie Yoga und Kunst machen. Mal gucken, wie gut das klappen wird – I'll keep you updated. :D

storiesbythuy aka Thủy-Tiên Nguyễn

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