Ein Jahr nach Hanau, Community Love & Release | #1

newsletter no. 1  – February 21, 2021

In Gedenken an die Opfer des rechtsterroristischen Anschlags in Hanau am 19.02.2020

Diesen Monat jährt sich der rechtsterroristische Anschlag in Hanau zum ersten Mal. In Gedenken an

Fatih Saraçoğlu Ferhat Unvar Gökhan Gültekin Hamza Kurtović Kaloyan Velkov Mercedes Kierpacz Said Nesar Hashemi Sedat Gürbüz Vili Viorel Păun.

Ich möchte an dieser Stelle die Forderungen der Angehörigen verbreiten, wichtige Ressourcen zum Unterstützen und Spenden sowie die wichtige Arbeit der Menchen teilen, die den rassistischen Terroranschlag in Hanau aufklären und darüber berichten:

https://www.youtube.com/watch?v=Qu0NM_TYOPM https://open.spotify.com/episode/20biWFXFfndH56tR6CE7pg?si=Qzy1a4kJSCKHB19L18_log
Solidarität heißt Erinnern. Solidarität heißt Zusammenhalt. Solidarität heißt Widerstand!

"Hanau: Kein Vergessen!"

Am Freitagmorgen zum Gedenktag am 19.02. haben sich viele asiatisch-diasporische Menschen und Kollektive zusammengefunden, um Solidarität zu zeigen, um gemeinsam zu trauern, gemeinsam zu erinnern, gemeinsam in Stille und im Austausch da zu sein, u.a. mit korientation, ichbinkeinVirus.org, BAFNET und un.thai.tled. Wir kämpfen gemeinsam weiter!

Danke an DAMN* (Deutsche Asiat*innen, make noise/@damn_berlin) und vor allem an Thị Minh Huyền Nguyễn und Thao Ho für die Orga und dass ihr diesen Raum für uns geschaffen habt.

Außerdem möchte ich gern den Radiobeitrag "Wir Erinnern und Gedenken" von der Initiative Postmigrantisches Radio teilen, die als Power-Sharing Aktion auf dem The Bubbly T's Podcast hochgeladen wurde:

https://open.spotify.com/episode/4575nr69k1yjp5KgSZkioe?si=v1jXgAFiQF6jUZSvMwLWCA
Erinnern heißt Verändern. Erinnern heißt Kämpfen. Hanau war kein Einzelfall. Kein Schlussstrich. Kein Vergeben. Kein Vergessen.

Rechter Terror hat in Deutschland eine lange Tradition. Die ersten dokumentierten rassistischen Morde nach 1945 waren in Hamburg (1980), als Đỗ Anh Lân und Nguyễn Ngọc Châu bei einem rechtsterroristischen Brandanschlag ums Leben gekommen sind. Seitdem hat es in Deutschland nicht aufgehört. Laut der Amadeu Antonio Stiftung gibt es "mindestens 213 Todesopfer rechter Gewalt seit dem Wendejahr 1990 sowie 13 weitere Verdachtsfälle".

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thoughts & feelings

Eigentlich wollte ich einen Text darüber schreiben, wie wütend ich auf ignorante weiße Menschen bin, die vor allem am 19.02. schweigen. Eigentlich wollte ich darüber schreiben, wie verdammt laut deren Schweigen ist, lauter als ich je schreien könnte — vor Wut, vor Trauer, vor Frustration.

Aber ich möchte lieber meine Energie darauf verwenden, hervorzuheben, wie viel Kraft es mir vor allem heute gegeben hat, dass ich mich meinen long distance beloved people, die so weit weg von mir sind, besonders heute so nah gefühlt hab. Wie viel Kraft es mir heute gegeben hat mit jeder kleinen Nachricht wie: „Wie geht es dir?“, „Ich wünsche dir heute viel Kraft beim Trauern und Gedenken“, „Du bist nicht allein“, „Du darfst trauern“, „Ich bin da, wenn was ist“, „Du kannst anrufen, wenn du magst“ — oder auch einfach spontane Anrufe zu bekommen.

Ich war besonders am Freitag (aber auch an so vielen anderen Tagen und Wochen) so wütend und so traurig. Ich hab so viel geweint und fühle mich so leer, aber gleichzeitig verspüre ich auch so viel Dankbarkeit für die Menschen, die innerhalb des letzten Jahres so oft für mich da waren.

Cheesy und eine Überwindung das hier zu veröffentlichen (auch wenn ich – zuminst die alte Version – schon auf meinem Instagram veröffentlicht habe) but here we go. This is for you: M., V., H., M., P. und meine korientation people. <3

to my long distance beloved people (02/2021)

Ich fühl mich sicher bei euch kann ich sein kann ich ich sein Ihr seid wie eine weiche Decke, die mich zart umhüllt wie eine feste Umarmung, die ich nur erahnen kann, wie es sich wohl anfühlt Ich fühl mich wohl Bei euch kann ich ich sein Bei uns können wir wir sein Bei euch kann ich wachsen Bei uns können wir wir sein Wir halten uns fest und fangen uns auf Wir weisen hin und schauen gerade aus Wir kämpfen, wir geben nicht auf Wir kämpfen zusammen Wir kämpfen zusammen Wir können wir sein Zusammen weinen und trauern Wir können wir sein Zusammen lachen und uns aufbauen Wir können wir sein Wir können uns Raum geben und Raum schaffen Wir können wir sein Wir geben uns Hoffnung Wir geben nicht auf

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Podcasttipp:

In unserer aktuellsten The Bubbly T's Podcastfolge sprechen Thea und ich  mit unserem Gast Abilaschan Balamuraley über unsere Feiertage 설날 und Tết (Lunar New Year) sowie பொங்கல் (Pongal), über Traditionen und wie wir diese in der Diaspora gebührend feiern können. Natürlich geht es auch um leckeres Feiertagsessen! Außerdem verraten wir, was wir von Fusionsküchen halten. Viel Spaß beim Zuhören!

https://open.spotify.com/episode/0HZYrYcvytKvYC0lVVgsib?si=mj2dNxNrQnSIEFKFdfqrcg

Abilaschan Balamuraley hostet den Podcast Maangai – ein Podcast, in dem die Vielfalt der queeren Südasiatischen Community gefeiert wird. Popkultur, Politik und Gesellschaft – Abilaschan Balamuraley spricht mit Menschen aus der Community, die ihre Geschichten teilen und erzählen, was sie bewegt und empowert. Folgt der Instagram Seite @maangai_podcast für alle aktuellen News, vor allem zum Release im März 2021!

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Veranstaltungstipp:

Seit dem 13. Februar bis zum 13. März 2021 ist das Southeast Asia Queer Cultural Festival 2021: "Be/Longings"! Es ist ein virtuelles Festival, das zurück fordert, sich neu vorstellt und darauf besteht, dass LGBTIQ in die Region gehört. Das Festival besteht aus über 30 Arbeiten (Film, bildende Künste, Literatur, Visual Arts, Podcasts), Performances (Musik, Tanz, Spoken Word) und Events (u.a. Talks, Comedy Show, Drag Show) von über 40 queeren Aktivist*innen und Künstler*innen aus ganz Südostasien, die auf verschiedenen Online-Plattformen in verschiedenen Sprachen zu sehen/hören/erfahren sind.

Das Festival-Thema ist "Be/Longings", ein Wortspiel aus dem Wort "being", das die Komplexität und Diversität der verschiedenen Identitäten der LGBTIQ Menschen repräsentiert, die in Südostasien leben; aus "longing", das die Sehnsüchte und Träume nach einer Region repräsentiert, die wirklich fürsorglich, inklusiv und respektvoll gegenüber der Vielfalt ist; und schließlich aus dem Wort "belonging", das beteuert, dass LGBTIQ-Personen schon immer Teil der kollektiven Erinnerungen der südostasiatischen Gemeinschaft waren – noch lange vor der Gründung der Vereinigung der südostasiatischen Nationen (ASEAN) und ihrer Mitgliedstaaten.

Lasst euch das digitale "Be/Longings" Festival nicht entgehen!

(Disclaimer: im Original-Text steht "LGBTIQ" statt "LGBTQIAP+". Ich hab den Original-Text auf englisch ins deutsche übersetzt und wollte es so übernehmen, wie es auf der Festival-Homepage steht. Ich finde es allerdings besser und inklusiver, wenn A, P und + nicht ausgeklammert, sondern immer mitbenannt werden.)

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Release

Und damit beende ich meinen ersten Newsletter und feiere gleichzeitig meinen Release! Ich kann es noch gar nicht richtig glauben. Es ist sehr aufregend und ich bin total gespannt, wohin die Newsletter-Reise geht und worüber ich alles schreiben werde!

In meinem nächsten Newsletter, der am Sonntag, den 7. März rauskommt, werde ich über Tết (Lunar New Year) schreiben und was dieser Feiertag vor allem dieses Jahr für meine Familie und mich bedeutet. Weitere Themen im nächsten Newsletter (voraussichtlich): Community-übergreifende Zusammenarbeit, mein erstes selbst gestaltetes Zine – und eine Überraschung als Print!

Habt ihr Fragen, Rückmeldungen, Kritik, Themenwünsche? Ich freue mich sehr über euer Feedback über Instagram (oder über Steady als bezahltes Mitglied meines Newsletters – wohin ich das komplette Geld spende, erfahrt ihr auf meiner "about" Seite)!

Bis in zwei Wochen!

storiesbythuy aka Thủy-Tiên Nguyễn

Bildcredit für das Teaserbild: Parva Zahed

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