NFT: Wie virtuelle Sneakers für 3 Millionen Dollar verkauft werden

Der NFT-Hype erklärt

Neue Woche, neuer Krypto-Hype: Sogenannte NFTs haben in den vergangenen Wochen wegen Transaktionen in Millionenhöhe für Schlagzeilen gesorgt. Und üblicherweise ignoriere ich Hypes, sobald hinterfragenswürdige Internetgestalten wie Gary Vaynerchuk und Logan Paul auf einen Geldzug aufspringen, doch dann habe ich einen interessanten Aspekt in dieser Sache gefunden.

Aber von vorne: NFT steht für Non-Fungible Tokens, was kurz zusammengefasst einzigartige Zertifikate für nicht ersetzbare Güter sind, etwa Sammelstücke und Kunst. Diese NFTs sind blockchain-basiert und werden seit einigen Jahren für den Kauf von digitaler Kunst und ihren Rechten darauf eingesetzt. Große Aufmerksamkeit erreichte der Handel mit Krypto-Kunst, weil ein Kunstsammler vergangene Woche einen zehnsekündigen Videoclip des Künstlers Beeple für 6,6 Millionen US-Dollar verkauft hat. Gekauft hatte er das Stück im Oktober für 67.000 Dollar.

Deshalb kommt gerade die Goldgräber-Stimmung am NFT-Markt auf. Gehandelt werden die digitalen Kunststücke in der Krypto-Währung Ether auf diversen Plattformen, die Tobias van Schneider in seinem lesenswerten Artikel dazu mit Kunstgalerien vergleicht. Hier wäre normalerweise der Punkt, wo ich die Augen verdrehe und das Ende des Hypes herbeisehe. Aber als namhafte Vertreter der kalifornischen Popkultur wie Bobby Hundreds und Mike Shinoda – also Menschen außerhalb der Trading- und Krypto-Szene – begannen, über NFT zu sprechen, wurde ich doch neugierig.

https://www.youtube.com/watch?v=MfwYXfWnZ4c&feature=emb_title

Blendet man die Lust auf die schnelle Geldmache, die die NFT-Berichterstattung aktuell antreibt, aus, so erkennt man einen kulturellen Trend. Kleinere, noch unbekannte Künstler nutzen diesen Hype um Krypto-Kunst nämlich für sich und machen auf ihre Werke aufmerksam. Außerdem sind NFTs ein neuer Weg, um Urheberrechte zu kaufen und verkaufen. Die Zertifikate können nicht nur für visuelle Kunst eingesetzt werden, sondern auch für andere digitale, einzigartige Werke.

Designer van Schneider fasst die Situation so zusammen:

The beauty of this new cryptoart movement is that artists (especially digital nature) are seeing an increase in appreciation of their work, in particular, monetary appreciation which has been rather non-existent in the digital space.

Und noch ein Trend, der in Europa noch knapp unter der Wahrnehmungsgrenze schlummert, wird dadurch sichtbarer: Der Handel mit Sammlerstücken aus Sport und Popkultur. Das Sneaker-Resale-Business etwa könnte bis 2030 ein 30-Milliarden-Dollar-Markt werden, und mit NFTs digitalisiert sich die Szene der Sneakerheads und Streetwear-Kenner, die auch eng mit Basketball verbunden ist: Zu den größten NFT-Plattformen zählt NBA Topshots, auf der Clips von Spiel-Highlights gehandelt werden. 230 Millionen US-Dollar flossen bereits über diesen Tauschmarkt. Mit dem Verkauf von 600 virtuellen Schuhen nahm ein Hersteller von virtuellen Sneakers (!) 3,1 Millionen US-Dollar über NFT ein (der Sneaker im Bild oben wurde für 10.000 US-Dollar verkauft).

Wenn der NFT-Boom abflacht, werden viele Menschen Geld verloren haben, manche Menschen viel Geld verdient haben, was aber bleibt, sind hoffentlich die neuen Art-Communities und ein sinnvoller Einsatz einer Blockchain-Technologie.

Wer tiefer in die Welt der NFTs einsteigen will und auch kaufen will, findet hier weitere Ressourcen:

Platformer: How NFTs could force social networks to compete for talent Non-Fungible: Datenbank mit den umsatzstärksten NFT-Plattformen Coindesk: What are NFTs and how do they work? Unchained Podcast: Why NFTs Are Attracting Everyday People to Crypto

Und wer mehr darüber erfahren will, was der Handel mit Sport-Sammelkarten über die Zukunft des Retails aussagt, kann das bei CRV Insights im Detail nachlesen.

Ich trage meine neuen Air Jordans jedenfalls nur in der Wohnung (eigentlich sollte ich sie sogar vakuumieren, wenn ich sie als Anlageobjekt sehe ;) )

Auf der Watchlist

Mir fällt gerade auf, dass ich die freitägliche Watchlist lange nicht mehr gebracht habe. Heute ist dieses Segment in erster Linie dazu da, um euch auf die fallenden Kurse im Tech-Sektor aufmerksam zu machen. Grund für die Nervosität an den Märkten dürfte sowohl in den USA als auch in Deutschland (ja, ich frage mich bei dem Artikelbild auch, was David Bowie in Frankfurt macht) die Angst vor steigender Inflation und höheren Zinsen sein (dazu mehr nächste Woche). Also: Buy the dip und/oder ein paar Tage nicht ins Depot schauen, sondern einfach mal Tee trinken :)

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Fürs Wochenende

Zum Lesen: Pünktlich zum Frauentag fällt den Wirtschaftsmedien wieder ein, dass ein anderes Geschlecht existiert: Handelsblatt und Trend veröffentlichen ihre Listen der 100 wichtigsten Frauen in der Wirtschaft.

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Für Sportwirtschaftler: Wer wissen will, wer der neue Sponsor des Fußballklubs Austria Wien wirklich ist, erhält im heutigen Falter-Newsletter einen Einblick dazu.