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So liedhaft wie staatstragend

Lars-Erik Larsson: “Förklädd gud” (“Gott in Verkleidung”) (1940)

In den Schleichwegen zur Klassik stelle ich regelmäßig nicht so bekannte Musikstücke vor, die ich hörenswert finde – mal sind sie einfach schön, mal schwierig, aber immer sind sie interessant. Da selbst Klassik-Spezis diese Stücke oft nicht kennen, herrscht Chancengleichheit. Hier ist alles für alle neu! Über deine freiwillige Unterstützung auf Steady (Öffnet in neuem Fenster) würde ich mich freuen.

Mit dieser Ausgabe der Schleichwege ändere ich etwas: Statt langer Texte probiere ich jetzt mal kurze aus. Dieser Gedanke kam mir beim Versuch, etwas über Lars-Erik Larssons lyrische Suite “Gott in Verkleidung” zu schreiben.

Ich habe mehrfach von vorne angefangen und immer wieder alles verworfen, weil man wirklich viel über dieses sehr unbekannte Stück schreiben könnte, aber tatsächlich gar nichts darüber schreiben muss. Die Musik kann nämlich sehr gut für sich selber stehen.

Wenn ich euch erzählte, was es mit der griechischen Sage zu tun hat, die das Stück inspiriert hat, dann wäre außer angelesener Bildungshuberei nicht viel dabei herumgekommen, vor allem wäre der Musik damit keinen Dienst getan, eben weil es nicht nötig ist zu wissen, was Apollon, König Admetos und seine Frau Alkestis damit zu tun haben.

Es ist tatsächlich auch nicht von Belang, dass der Komponist seinen Librettisten gebeten hat, dem Werk eine pazifistische Losung voranzustellen, um gegen den gerade ausgebrochenen Zweiten Weltkrieg Position zu beziehen. Das ist alles nobel und gut, aber auch ziemlich unerheblich für den Genuss der Musik.

Warum also diese Musik anhören? Wegen ihrer schlichten Schönheit! Der Schwede Larsson präsentiert zwei musikalische Themen, jedes für sich ist schon choralartig (also kirchenliedähnlich) mitsummbar. Es findet keine irgendwie geartete Verarbeitung oder Variation statt, die beiden Themen werden nach ihrer Vorstellung völlig unbeeindruckt voneinander übereinander gelegt und damit ist es gut. Es ist was es ist und trägt einen mit seinem einfachen, gleichermaßen liedhaften wie staatstragenden Sound sanft wogend davon.

Hör dir den ersten Satz, das Vorspiel, an. Es dauert nur etwas mehr als vier Minuten. Das erste Thema spielen die Hörner gleich zu Beginn (von 0:00 bis 0:40), dann folgt unmittelbar eine Wiederholung in den Streichern (bis 1:21). Das zweite Thema erklingt zum ersten Mal bei 1:22 und dann wieder bei 1:45. Beide Themen greifen dann bei 2:08 erstmals ineinander, so als ob sie nur darauf gewartet hätten.

Lars-Erik Larsson: “Förklädd gud” (“Gott in Verkleidung”)

https://www.youtube.com/watch?v=3OtKlRUqvuk (Öffnet in neuem Fenster)

Hier findest du das Stück im Streaming (Öffnet in neuem Fenster).

Wenn du auf den Geschmack gekommen bist, gibt es hier noch den Schluss des Stücks (mit Gesang):

https://youtu.be/3OtKlRUqvuk?t=1476 (Öffnet in neuem Fenster)

Wie hat es dir gefallen? War etwas besonders auffällig? Wie würdest du die Musik beschreiben? Ich freue mich über Kommentare unter diesen Beitrag (nur möglich für zahlende Mitglieder) und E-Mails (möglich für alle).

Schöne Grüße!
Gabriel

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Kategorie Romantik & Spätromantik

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