Bergfest 04 | Ich hasse Spotify.

Was man noch schreiben darf

Unseren Radiorebell Podcast kann man nicht mehr über Spotify hören. Spotify wird diesen Verlust verkraften. Wir auch. Das wird auch keine Moralpredigt, aber Spotify stellt unseres Erachtens nach eine Gefahr für das sehr offene Podcast-Ökosystem dar. Ein System, von dem wir über alle Maßen profitierten.

Das Fell des Audiomarktbären ist vermutlich schon verteilt, aber je mehr Podcasts nicht über Spotify erreichbar sind, desto schwieriger wird es Podcastkonsumenten dauerhaft an Spotify zu binden. Bei all den Exklusiv-Podcasts, die es mittlerweile auf Spotify gibt, hielten wir es für das höhere Maß an Exklusivität auf eine Einlistung auf Spotify zu verzichten. Ganz wochenendrebellisch eben.

Unser Podcast hat nie herausragende Reichweiten erzielt und trotzdem reichte ein nicht angeschlossenes Mikro und ein Laptop um die erste Folge aufzuzeichnen und zum Download und via RSS-Feed anzubieten. Wir benötigten keinen Account, unsere Hörer ebenfalls nicht und niemand sammelte des anderen Daten um diese höchstbietend auf dem Werbemarkt zu verscherbeln. Wir sind der lebende Beweis, dass egal wie scheisse deine Tonqualität ist und egal wie belanglos dir dein Inhalt erscheint, nur ein offenes System wird langfristig so nischige und liebevoll prouzierte Podcasts wie unsere heutige Empfehlung, den Hörfehler-Podcast, einem breiteren Publikum zuführen. Das System ist so niedrigschwellig, offen und angenehm algorithmusarm, dass selbst wir unsere Qualitätsreichweite, wie ich sie Jason immer beruhigend erkläre, in vollem Umfang genießen können.

Spotify hat in den letzten Jahren viel Geld in Datenanalysetools, Programme zur Automatisierung von Audiowerbung und ganze Podcast-Netzwerke gepumpt und ist auf dem Weg zum Audio-Youtube oder Podcast-Google. Ein Podcast, den ich nur über ein proprietäre App wie Spotify hören kann, höre ich nicht. 

Wasser predigend und Wein saufend bin ich selbst natürlich trotzdem Spotify-Nutzer, um Musik zu hören und zu entdecken. Ich verzweifele oftmals am Algorithmus, insbesondere wenn meine Tochter meinen Account unter ihre Fittiche bekam, aber ich bin beim musikalischen Konsum ein wirklich bequemer Mensch, auch wenn mir bewusst ist, dass Musikkünstler*innen ihren Lebensinhalt vom per Flatrate angeboteten Inhalt verdienen müssen. Erfolgreich auf Spotify sind nicht mehr die Künstler*innen, die ihren Ideen und Gedanken den ihrer Meinung nach notwendigen Raum und Klang geben, sondern massiv gekürzte 2-Minuten Songs, die die Abrechnung per Track optimieren und Musik mit Einheitsbreitexten, die von einem Dutzend Produzent*innen mundgerecht vorbereitet werden, damit die Max Försters der Musikbranche ihnen das Gefühl der Authentizität in einem hippen Musikvideo einimpft.

Ich hasse Spotify. Ich höre zu selten Musik und dann zumeist nur nebenbei. Ich kann mich nicht erinnern wann ich zuletzt das Gesamtwerk eines Albums bewusst von vorne bis hinten durchgehört habe. Zumeist liegt das daran, dass es einfach zu viel zu hören gibt und Spotify es allgegenwärtig und immer verfügbar macht. Musik ist großartig, aber ich vermisse die Zeiten, in denen ich mich mit meinem besten Freund morgens mit viel zu viel Alkohol bewaffnet getroffen habe, um der Veröffentlichung des neuen Albums der Lieblingsband einen würdigen Rahmen zu verschaffen. Meine Güte, was haben wir gefeiert. Song für Song, manchmal Zeile für Zeile. Das war sehr schön.

Passt auf euch auf.

Was man noch sagen darf

Gedöns

Was man noch hören darf

Der Hörfehler von Nick Kaßner überrascht mit spannenden Gäst*innen und Perspektiven auf die Fußball-Zeitgeschichte. Ganz gleich ob Yuval Rubovitch, Autor von "Mit Sportgeist gegen die Entrechtung." den Raum erhält über das jüdische Leben vor der NS-Zeit und von seiner Spurensuche nach der SK Bar Kochbar zu erzählen oder ob Nick Kaßner mit Politikwissenschaftler Mahir Tokatli über tükischen Fußball und Fankultur spricht; der Hörfehler ist einer dieser Podcast, bei dem du jede Stunde Liebe, die dort in Recherche, Vorbereitung aber auch in die Post-Produktion gesteckt wird raushörst. Themen und Gästeauswahl überraschen von Folge zu Folge und besonders angenehm: Die Folgen haben kein Ablaufdatum. Das Stöbern in den alten Folgen macht keinen Deut weniger Spaß als das gierige Reinhören in jede neueste Folge.  Reinhören, verbreiten, rezensieren. 

Was man noch lesen darf

"Platz da, die Großen kommen." Warum das Ökosystem Podcast kippt.

"Der Hype ums gesprochene Wort".

"Spotify gewinnt an Bedeutung, Apple verliert".

"Spotifys Kampf umd den Podcastthron".

"Spotify führt Podcast-Abo ein" .

"Musikschaffende kritisieren Spotify".

"Welche Wörter am häufigsten in Rap-Songs vorkommen".

Was man noch wissen darf

Bergfestmails erscheinen nach kostenloser Anmeldung jeden Montag in deinem Posteingang. Bergfestmails dienen mir als Überdrussventil und machen als Blogbeitrag zumeist keinen Sinn. Was man in der Post der Wochenendrebellen findet, folgt keinem festem Muster, ist manchmal lang und manchmal kurz, manchmal rantig, manchmal grau. Gleichzeitig nutzen wir die Wochenendrebellenpost um über unser Treiben auf dem Laufenden zu halten und am Schluss der Post ein Wochenendrebellen-Update zu geben.

Nach wochenendrebellischer Manier machen wir vieles, aber vieles eben auch nicht richtig, weil wir dem Chaos noch immer nicht Herr geworden sind. Aber wir arbeiten daran. Chaos ist Markenkern der Wochenendrebellen. Aus dem Chaos heraus können sehr sinnvolle Ideen entstehen. Unsere Idee ist, die Welt zu verbessern und daran arbeiten wir ebenfalls. Magst du uns helfen?

Wochenendrebellenpostarchiv

Bergfest 01  | Wie ich eine Mauer baute | Podcastempfehlung: Hotel Matze von Matze Hielscher

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