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MCP – Der Newsletter #16  Januar 2023

Liebe Leser*innen,

ich melde mich nun auch mit dem Newsletter aus der kleinen Winterpause zurück. 

Auf Instagram gab es bereits die monatliche Literatursprechstunde (Öffnet in neuem Fenster)

Und auch die erste Freitagsstunde (Öffnet in neuem Fenster) hat dort schon stattgefunden, diesmal mit meiner Freundin Kati Hertzsch (Öffnet in neuem Fenster), die absolut mitreißend von ihrer Arbeit als Lektorin und ihrem neuen Projekt gretaschreibt.com (Öffnet in neuem Fenster) erzählt hat. 

Auch moderiert habe ich schon mit größter Freude in diesem jungen Jahr: Und zwar die Buchpremiere von "Zu zweit" (Öffnet in neuem Fenster) von Simon Strauß im idyllischen Kulturhaus Insel (Öffnet in neuem Fenster) in Treptow. 

Der liebste Ludwig Lohmann (Öffnet in neuem Fenster) und ich haben in der vergangenen Woche auch schon die Folge 48 (hört, hört) unseres blauschwarzberlin Literaturpodcasts (Öffnet in neuem Fenster) aufgenommen. Ihr könnt sie hier nachhören, auch wenn ich einen kleinen literarischen Liebeskummer verarbeiten musste. Das speichern dieses Instagram-Livestreams hat diesmal leider nicht geklappt, aber bereits am 16.2. treffen wir uns hier (Öffnet in neuem Fenster) zu Folge 49 und ihr könnt wieder online live bei unserem Gespräch dabei sein, bevor es den Podcast später zum Nachhören (Öffnet in neuem Fenster) gibt. 

Vor allem anderen war ich aber natürlich schon längst wieder im Laden zurück und verbrachte den Januar mit der intensiven Begutachtung von Verlagsvorschauen. Ich sichte, schwärme und kaufe neue Bücher ein und sortiere voller Neugier, welche Geschichten meine Kolleg*innen und mich in den kommenden Monaten dort umgeben werden. In der Literatursprechstunde auf Instagram war eine der häufigsten Fragen, auf welche literarischen Neuerscheinungen ich mich in diesem Frühling am allermeisten freue. Deshalb widme diese Ausgabe des Newsletters nun besonders gern der Vorfreude auf die vielversprechenden neuen Bücher im Frühjahrsprogramm der Verlage 2023.

Heroinnen 

Meine Lebensliebe Tove Ditlevsen strahlt in Ursel Allensteins Übersetzung weiter direkt in mein Herz. Diesmal gibt es einen Band ausgewählter Kurzgeschichten. Böses Glück (Öffnet in neuem Fenster) erscheint am 17. Mai im Aufbau Verlag und ich würde mich sehr freuen, wenn mein Lieblingshashtag #tovelesen wieder reichlich Verwendung fände.

Von Toni Morrison erscheint in der Übersetzung von Tanja Handels am 14. März bei Rowohlt erstmals auf deutsch die Erzählung Rezitativ (Öffnet in neuem Fenster). Die knapp hundert Seiten erzählen von zwei schicksalhaft verbundenen Frauen, von denen eine Schwarz ist und eine weiß. Aber welche ist welche? Toni Morrisons Geschichte gilt als beispielhaft für ihr Werk und erschien im Original bereits vor über vierzig Jahren. 

Seit ich im Herbst 2021 Verena von Koskulls Übersetzung von Das verbotene Notizbuch von Alba de Céspedes gelesen habe, freue ich mich darauf, mehr von dieser italienischen Ikone zu lesen. Quasi jetzt gleich, am 13. Februar, erscheint übersetzt von Karin Krieger Aus ihrer Sicht (Öffnet in neuem Fenster), eine Geschichte aus Rom im Jahr 1939 im Insel Verlag.


Körperliches

Am 15.5. erscheint bei Hanser Hässlichkeit (Öffnet in neuem Fenster) von Moshtari Hilal. Natürlich interessiert mich dieses Buch vom Sehen und Gesehenwerden des immer auch feministischen Themas wegen, aber vor allem bin ich gespannt, auf ein Buch, das sich an kein Genre hält und gleichzeitig persönlich und politisch zu werden verspricht.

Saralisa Volm schreibt mit Das ewige Ungenügend (Öffnet in neuem Fenster) eine Bestandsaufnahme des weiblichen Körpers. Das Buch erscheint am 27.4. bei Ullstein und wirklich: Kaum einer der deutschsprachigen Publikumsverlage weckt gerade so eine Neugier mit seinem unglaublich vielversprechenden Programm.

Und nicht nur zur Entspannung freue ich mich auf Kristine Bilkaus . Wasserzeiten (Öffnet in neuem Fenster). Ihre persönliche Liebeserklärung an das Schwimmen erscheint am 16. März bei Arche und steht bei mir von der Erwartung her schon jetzt in bester Tradition neben Leane Shapton, Jessica J. Lee und Robert Deakin.


Zum Neudenken

Gesellschaftlich relevante Themen, die sich über den Buchtitel selbst schon mal eindeutig verorten: Diese drei Sachbücher stehen bei mir ganz vorn auf der Leseliste für diesen Frühling:

Sophie Lewis Die Familie abschaffen (Öffnet in neuem Fenster) übersetzt von Lucy Duggan will zeigen: Wie wir Care-Arbeit und Verwandschaft neu erfinden und erscheint am 22. Februar bei S. Fischer.

Geld spielt keine Rolle (Öffnet in neuem Fenster) von Anna Mayr erscheint am 20.3. bei Hanser Berlin und ist eine offene Erzählung ihrer eigenen Bürgerlichwerdung.

Und Emilia Roig startet mit Das Ende der Ehe (Öffnet in neuem Fenster) am 30.3. bei Ullstein eine Revolution der Liebe.


Der Sprache verfallen

Matthias Kniep gibt  das diesjährige Jahrbuch der Lyrik (Öffnet in neuem Fenster) gemeinsam mit Sonja vom Brockeheraus. Ab dem 23. März ist es im Schöffling Verlag lieferbar, wo es seit 2017 ein Zuhause hat. (Seit 1979 erschien es bei Claassen, Luchterhand, C.H. Beck, S. Fischer, und der DVA, bis 2021 immer von Christoph Buchwald und einem wechselnden Autor oder einer wechselnden Autorin herausgegeben.) Wer zeitgenössische Lyrik lesen will, braucht diese Anthologie!

Von Ann Cotten erscheint am 13.3. etwas Neues in der Edition Suhrkamp. Die Anleitungen der Vorfahren (Öffnet in neuem Fenster) vermitteln mir wie so oft bei Ann Cotten eine vage Befürchtung, dass ein einmaliges Lesen nicht ausreichen wird, um diesen Text zu fassen. Ich freue mich trotzdem oder gerade deshalb unbändig darauf, wieder in diese Sprache einzutauchen.

Von Jo Frank erscheint am 15.3. bei der edition atelier (nach Snacks 2017 nun) Gewalt (Öffnet in neuem Fenster). Ich habe erst wenige Seiten gelesen, weil mir noch die Ruhe für diesen unfassbar intensiven Text gefehlt hat, aber meine Güte (!), es hat mich bereits auf den ersten Zeilen völlig hinweggefegt. Und ich bin heilfroh und werde nach der beendeten Lektüre noch viel froher sein, dass er (wie auch bei Snacks damals) seine Buchpremiere bei uns im ocelot feiern wird. Am 30.3. um 20 Uhr. Kommt!


Bildhaftes

Ich mag Christian Kracht ja am meisten, wenn auch Frauke Finsterwalder auf dem Cover steht. Bitteschön: Das Drehbuch der beiden zu Sisi & ich (Öffnet in neuem Fenster) erscheint zeitgleich zum Filmstart am 30.3.bei Kiepenheuer & Witsch.

Die wunderbare Kat Menschik gibt in ihrer Bibliothek der Lieblingsbücher bei Galiani bereits den 15. Band heraus. Am 5.4. erscheinen mit Im Paradies (Öffnet in neuem Fenster)von Kat illustrierte Erzählungen von Asta Nielsen. Ein bibliophiles Fest!

Ab 23.3. gibt es endlich wieder was zu lachen. Übersetzt von Katharina Erben erscheintAstrologie (Öffnet in neuem Fenster) von Liv Strömquist im Berliner Avant Verlag.

Themenbezogen

Drei Romane, die Mutterschaft auf ganz besondere Weise beleuchten erscheinen in diesem Frühjahr und wecken mein größtes Interesse:

Verena Kesslers Eva (Öffnet in neuem Fenster) erscheint am 20.3. bei Hanser Berlin und vereint die überraschend verschiedenen Stimmen von vier Frauen übers Kinderhabenwollen und das Nichtwollen.

Ab 10.2. können wir bei Droschl Lebenslektionen meiner Mutter (Öffnet in neuem Fenster) von Fen Verstappen lesen. Aus dem Niederländischen übersetzt hat den Roman Janine Malz.

Und ebenfalls aus dem Niederländischen übersetzt, allerdings von Ulrich Faure, erscheint bereits in diesen Tagen Ende Januar Das Lamm (Öffnet in neuem Fenster)von Jannie Regnerus im wunderbaren Weidle Verlag. (Ich glaube da haben wir demnächst auch ein Freitagsstunden-Date. Stay tuned.)

Liebesdinge

Mona Chollet (wir erinnern die Hexen bei der Edition Nautilus) erzählt uns in Wir müssen die Liebe neu erfinden (Öffnet in neuem Fenster) ab dem 18.4. bei DuMont, wie das Patriarchat heterosexuelle Beziehungen sabotiert. Das Buch wurde übersetzt von Lucie Walter und Nadine Lipp.

Und weil ich viel mehr über Sex lernen, sprechen und nachdenken will: Am 28.2. erscheint im mutigen März Verlag Power Bottom (Öffnet in neuem Fenster) von Eva Tepest: Essays über Sprache, Sex und Community.

in Geschichten versinken

Zwei Romane versprechen mir jetzt schon, dass ich in ihren Geschichten versinken darf und ich kann es jetzt schon kaum erwarten:

Ayanna Lloyd Banwo Als wir Vögel waren (Öffnet in neuem Fenster), aus dem trinidad-kreolischen Englisch von Michaela Grabinger erscheint am 26. April bei Diogenes.

Ein Geist in der Kehle (Öffnet in neuem Fenster) von Doireann Ní Ghríofa,übersetzt von Cornelius Reiber und Jens Friebe, erscheint am 29. März bei btb.

Neues von vertrauten Stimmen

Jetzt liste ich ganz unkompliziert einfach Autorinnen auf, die ich sehr schätze und von denen im Frühjahr weitere Bücher erscheinen, auf die ich freudig warte und die ihr euch vielleicht auch vormerken solltet. Die Links führen immer direkt zum Verlag, dort findet ihr weitere Informationen zu den jeweiligen Büchern, bitte habt Verständnis, ich muss mich hier mal kürzer fassen:

NoViolet Bulawayo Glory (Öffnet in neuem Fenster) aus dem Englischen von Jan Schönherr, 13.2. Suhrkamp.

Sheila Heti Reine Farbe (Öffnet in neuem Fenster), übersetzt von Thomas Überhoff, 14.3. Rowohlt.

Merethe Lindstrøm Nord (Öffnet in neuem Fenster), übersetzt aus dem Norwegischen von Elke Ranzinger, 2.2. Matthes & Seitz.

Ulrike Draesner Die Verwandelten (Öffnet in neuem Fenster), 8. Februar, Penguin Verlag.

Katharina Höftmann Ciobotaru Frei (Öffnet in neuem Fenster), 21.3. Ecco Verlag.

Judith Poznan (die Tolle!) Aufrappeln (Öffnet in neuem Fenster), 17.5. DuMont.

Olivia Laing Die einsame Stadt (Öffnet in neuem Fenster), übersetzt von Thomas Mohr, 14.6., btb. (endlich!)

Claire-Louise Bennett Kasse 19 (Öffnet in neuem Fenster), übersezt von Eva Bonné, 15.3., Luchterhand.

Anna Hope Der weiße Fels (Öffnet in neuem Fenster), übersetzt von Eva Bonné, 20.3. Hanser. (Yeah!)

Helga Schubert Der heutige Tag (Öffnet in neuem Fenster), 16.3. dtv. (Die grande Dame über Liebe.)

Julia Schoch Das Liebespaar des Jahrhunderts (Öffnet in neuem Fenster), 16.2. dtv. (Teil 2 der Biografie einer Frau)

Antonia Baum Siegfried (Öffnet in neuem Fenster), 23.2. Claassen Verlag. (Buchpremiere im ocelot am 2.3.! Daran seht ihr, wie übergroß meine Vorfreude ist! Antonia!!!)

Und sonst noch

Glückwunsch (Öffnet in neuem Fenster) 15 Erzählungen über Abtreibung. mit Texten von Theresia Enzensberger, Sophia Fritz, Charlotte Gneuß, Lena Gorelik, Annett Gröschner, Monika Helfer, Yael Inokai, Tilman Rammstedt, Raphaëlle Red, Jayrôme C. Robinet, Emilia Roig, Daniel Schreiber, Karosh Taha, Stefanie de Velasco und Katharina Volckmer, erscheint am 20.2. bei Hanser Berlin.

Sheena Patel I'm Fan (Öffnet in neuem Fenster), übersetzt von der grandiosen Anabelle Assaf, erscheint am 15.5.bei Hanser Blau.

Und von A.L. Kennedy erscheint in der Übersetzung von Ingo Herzke und Susanne Höbel am 20.3. Als lebten wir in einem barmherzigen Land (Öffnet in neuem Fenster) im Hanser Verlag.


Seelendinge

Vom Mythos des Normalen (Öffnet in neuem Fenster) von Gabor Maté mit Daniel Maté, übersetzt von Annegret Hunke-Wormser und Elisabeth Möller-Giesen, erscheint am 24.5. bei Kösel.

Im allerliebsten Aki Verlag, der jährlich ja nur ein Programm macht, erscheint am 23. Februarquasi der Nachzügler vom letzten Herbst: Lina Meruane Nervensystem (Öffnet in neuem Fenster) aus dem Spanischen von Susanne Lange.

Und der Klassiker zum Thema erscheint jetzt in einer erweiterten Taschenbuchausgabe endlich in hübsch: Bessel van der Kolk, übersetzt von Theo Kierdorf und Hildegard Höhr, Das Trauma in dir (Öffnet in neuem Fenster), am 23.2. bei Ullstein.

Schon längst begeistert

Diese Bücher durfte ich schon vorab lesen, hier verrate ich euch, was ich den Verlagen dazu in quasi offizieller Blurb-Mission gesagt habe:

Szilvia Molnar Milchbar (Öffnet in neuem Fenster), übersetzt von Julia Wolf, erscheint am 18.4. bei Blumenbar. Und auch hier ist die Buchpremiere im ocelot am 21.4. aus reiner Begeisterung entstanden: »Szilvia Molnar erzählt vom offenen Körper und der offenen Seele einer Frau, die gerade ein Kind geboren hat. Für all das Wunde und das Wunderbare, das Zärtliche und das Erschreckende, für das es noch viel zu wenig Worte gibt, findet sie genau die richtigen.«

Eva Tind Die Frau, die die Welt zusammenfügte (Öffnet in neuem Fenster)übersetzt von Ursel Allenstein, erscheint am 14.3. bei Rowohlt: «In wunderbar klarer Sprache und mit poetisch starken Bildern wird beim Lesen eine mutige und entschlossene Frau lebendig, die wir nie hätten vergessen dürfen.»

Lisa Weeda Aleksandra (Öffnet in neuem Fenster) übersetzt von Birgit Erdmann am 24.2. (diesem traurig historischen Datum) im Kanon Verlag: »Ein wichtiges Buch, um diesen geschundenen Landstrich und seine Geschichte besser zu verstehen.«

Und mit Annika Reich feiern wir bereits am 23.2.die Buchpremiere im ocelot, denn zu ihrem Roman Männer sterben bei uns nicht (Öffnet in neuem Fenster), der am 20.2. bei Hanser Berlin erscheint fiel mir nur ein: »Annika Reich erzählt auf unvergleichliche Weise von den komplexen Bindungen unter den Frauen einer Familie. Ihr Roman kennt die Mechanismen der Macht, die Generationen überdauert und die Kraft, die entsteht, wenn wir uns auf die Seite der Frauen stellen, mit denen wir die Gegenwart teilen.«

Vielen Dank fürs Lesen bis hierhin, ihr Lieben.

Das sind viel zu viele Bücher. Und viel zu wenige! Ihr kennt die Herausforderung sicherlich. Bitte verzeiht, wenn ich ganz pragmatisch nicht überall umfassende Begründungen schreiben konnte, es hat auch so lang genug gedauert. Die Bücher, die darüber hinaus haften bleiben, von denen werdet ihr noch ausführlich hier oder auf Instagram lesen, mich im Laden oder im Podcast oder im Radio darüber schwärmen hören.

Schreibt mir gern auf Instagram, wenn Fragen bleiben, ich mache am Sonntagabend einen kleinen Post dazu, da könnt ihr nachhaken, euch auch gern untereinander über weiterführende Gedanken zu den Programmen austauschen, uns erzählen, auf welches Buch ihr euch besonders freut.

Wir lesen uns dort in den Kommentaren, wenn ihr mögt und an dieser Stelle wieder am letzten Sonntag im Februar.

Bis dahin habt ein gutes Lesen.

Eure Maria

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