April. Der calming effect durchrödelnder Filterkaffeemaschinen.

Ich habe im April kaum Tagebuch geschrieben, nur sechs Mal. Etwas ist aus dem Rhythmus geraten und wenn das passiert, stolpert auch der Rest der Big Band: Die Sportroutine bricht in sich zusammen, die Stimmung schwankt, es gibt Netflix statt Masterclass und Spaghetti mit Soße aus dem Glas. Dafür habe ich nur 11 Zigaretten geraucht diesen Monat. Und ich habe meine geimpften Eltern auf dem Lande besucht. So war es.

Schon seltsam: Obwohl es hier die krassere Natur gibt, hat man potenziell weniger Bock rauszugehen, weil, naja, man täte es nur für einen Spaziergang oder eine Wanderung und das ist eben schon ein bisschen lame; man kann ja nicht rund um die Uhr spazieren oder wandern gehen. In Berlin geht man raus für Erledigungen, auch mal Spaßige. Ein Getränk. Einen Leckerbissen. Leute gucken. Hier guckt man Acker.

Ich kann wirklich nicht verstehen, warum man hierher zieht. Ich kann mich nicht hinein versetzen, der Preis wäre zu hoch. 

Was nützt ein Garten, wenn man darin nicht nackt liegen, knutschen, Yoga machen kann? 

Man kann ja, aber eben nur unter den aufmerksamen Blicken eines Dutzends Nachbarn, dessen Gesprächsthema man dann für die nächsten Tage bleiben wird. Es könnte mich nicht kümmern, aber es kümmert mich. Vielleicht hasse ich wenig so sehr wie unter Beobachtung zu stehen. Vielleicht liebe ich es deshalb so sehr, in der Stadt zu wohnen, wo ich abtauchen kann und nur dann eine Bühne habe, wenn ich mich dafür entscheide. Ich würde sofort alle Gliedmaßen von mir strecken, halbnackt für eine Yogarunde im Volkspark Friedrichshain, zur Rush Hour, denn wen kümmern 100 fremde Augenpaare gegen das eine, das dich mit Namen kennt?

Der calming effect durchrödelnder Filterkaffeemaschinen wird unterschätzt.
Ich lebe in großer Erwartung an den Sommer. Wie besessen richte ich diesen Balkon ein, als stünde und fiele alles mit ihm, als wäre Sommer nur echt mit selbstgezogenem Rittersporn, mit Rankhilfen und Relax-Liege mit Getränkehalter.

Das war schon: der Lockdown-April 2021.