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Die Sache mit dem Neid. High Need und das Leben der anderen

Wofür ist Neid gut? Wofür eher schlecht? Und wie kann ich mit ihm umgehen? Denn wir sind uns wohl einig: Ein schönes Gefühl ist Neid nicht.

Das Neidthema ist eines, was mich schon sehr lange beschäftigt, deutlich länger als es die High Need Thematik in meinem Leben gibt. Vielleicht habe ich deshalb auch ein sowohl sehr emotionales als auch sehr abgeklärtes Verhältnis zu diesem Gefühl. 

Die Audiodatei findest du jetzt immer etwas weiter unten hinter der Paywall.

"Oh, Neid, da ist das Gefühl wieder." Ich seufze innerlich oder tatsächlich und beschließe, das Gefühl zu fühlen, ohne ihm noch mehr Raum zu geben, als unbedingt nötig. Denn seine Botschaft habe ich schon verstanden: Ich möchte Anerkennung. Und zwar nicht die Anerkennung anderer, sondern ich möchte, dass "das Leben" mich für meine Bemühungen anerkennt. Nämlich indem ich auch bekomme, was andere haben, schließlich strecke ich mich so sehr dafür, arbeite so sehr an mir, an einem Thema an einer Beziehung, wie auch immer. 

Ich bin sicher, beim Thema High Need und Neid hattet ihr sofort auch Bilder im Kopf: 

Von schlafenden Babys im Kinderwagen, während die Eltern durch die Stadt bummelten.

Vom Stillen im Stillcafé und danach einem interessiert glucksenden Baby auf dem Schoß, während ihr als Mamas euch unterhalten konntet. 

Von Kindern, die zu Playdates und auf Kindergeburtstage gehen, ganz selbstverständlich, ohne tagelange Vor- und Nachbereitung der damit einhergehenden Aufregung. 

Von Eltern, die abends Paarzeit haben, weil das Kind erstens zu einer so frühen Uhrzeit schläft, dass noch was dran ist am Abend und zweitens auch weiterschläft, wenn man selbst das Bett verlässt. 

The List goes on. 

Mein härtester Neidfaktor war immer, wenn ich Mütter gesehen habe, die Kind und Lohnarbeit vereinen konnten, zumal wenn es kreativ schaffende Mütter waren, mit denen ich mich so identfiziere und bei denen in der Regel dasselbe galt und gilt wie bei mir: Die Arbeit ist weit mehr als Broterwerb, sie ist Identität, Ausdruck und Teil dessen, was ich – was wir – brauchen, um wenn schon nicht sofort erfüllt und glücklich, so doch auf jeden Fall zufriedener zu sein. Und ja, doch, mehr als ab und zu auch glücklich. 

Das Gefühl eines so wesentlichen Teils meiner Identität beraubt worden zu sein, hat mich innerlich zerfressen. So sehr, dass ich die hässlichste Form von Neid gespürt habe: Missgunst. Ich konnte nicht mehr gönnen, weil meine eigene Not so groß war, meine eigene Amputation permanent Phantomschmerzen ausgesendet hat. Das waren Phasen, in denen ich mich bewusst von Social Media Inhalten fernhalten musste, die mir zu bewusst gemacht haben, was ich gern gehabt hätte, was diese Person dort hatte und was für mich unerreichbar war. 

Das war nicht ganz so einfach, denn die Inhalte dieser Mütter waren für mich auf anderer Ebene wertvoll. Sie waren selbst in der Elternschafts- und Feminismus-Bubble aktiv und ich habe viel von ihnen gelernt. Sie haben mir weit mehr gegeben als Einblicke in Bilderbuchurlaube oder schicke Wohnzimmer und Küchen. Sie hatten etwas, was ich herbei gesehent habe, wie nichts anderes: Zeit und Kraft für ihr Schaffen, Raum für ihre Themen. Da wurden Bücher geschrieben und Reden gehalten, Interviews gegeben, Aktionen gestartet... und ich habe nicht mehr auf die Reihe bekommen, als täglich meine geistigen Ergüsse in Instagram zu tippen. Und das, wenn man mal die reinen Zahlen anschaut, war ja lange auch nicht wirklich erfolgreich, wollte man mein Insta als Teil meiner Arbeit bewerten (und das war und ist es). 

Mein Glück war meine Freundin Tinka, die zu mir sagte: 

"Du bist zu ungeduldig. Du vergleichst dich mit Müttern, deren Kinder schon deutlich älter sind als deines."

Somit konnte ich an der Stelle einen Teil meines Neides loslassen. Es war noch nicht unsere – meine – Zeit. Was ganz wichtig ist, wenn wir neiden und unseren Neid einfangen wollen, denn:

Das war's erst mal!

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