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#wirerinnern

Hallo Welt, liebe Unterstützer:innen und liebe Freund:innen von EIN STÜCK DEUTSCHLAND, liebe Community!

Wir sind mit unserem Erinnerungsprojekt seit einer ganzen Weile bereits auf dem nächsten Level angelangt. Der Arbeitstitel lautet EIN STÜCK DEUTSCHLAND Teil II. Dazu gehört natürlich unser Podcast, in dem Carsten Janz und ich über die Interviews der Protagonist:innen hinaus gehen. Wir liefern zu den Berichten der Zeitzeug:innen die historischen Hintergründe und die Daten rund um die Familiengeschichte, die sich heute noch recherchieren lassen.

Damals, 2004, fehlte die Zeit für ausführliche Interviewas mit allen Daten und Fakten. Deshalb bin ich heute umso glücklicher, dass wir das im Podcast nun nachholen können. Zuletzt im Fall von Ruth Goldschmidt, der wir drei Folgen gewidmet haben. Hier könnt ihr die aktuellste Folge anhören.

https://einstueckdeutschland.podigee.io/32-neue-episode

Neben unserem Podcast gehört auch dazu, dass der ESD-Fotograf Tim Hoppe  und ich auf den Spuren unserer Protagonis:innen durch Deutschland reisen und Menschen besuchen, die sich in den unterschiedlichsten Formen mit ihnen beschäftigen. Zuletzt waren wir in Silixen und Lemgo in Ostwestfalen-Lippe auf den Spuren von Edith Weinberg, geborene Katz. 

Der Wohnungsunternehmer Marc Wietoska aus Silixen hat vor Kurzem ihr Geburtshaus ersteigert und will nun mit einer Gedenktafel daran erinnern, dass in diesem Haus die jüdische Familie Katz gelebt hat. Seit der Nazizeit gibt es keine Juden mehr in diesem Dorf. Das ehemalige jüdische Leben will er so sichbar machen. 

Marc Wietoska engagiert sich seit Jahren gegen Nazis, auch, indem er den Punkmusiker Manu Hillwig und seine Band Champagner Punx finanziell unterstützt. 

Manu Hillwig und seine Band spenden das Geld aus Plattenverkäufen an das Austeigerprogramm Exit oder jetzt ganz aktuell für ukrainische Flüchtlingskinder.

Am Nachmittag des gleichen Tages waren wir in Lemgo.  Eine wunderhübsche Stadt. Hier hat Familie Katz in den 1920ern und 1930er Jahren gelebt. Alle Details rund um das Schicksal von Ediths Schwester und den Eltern wissen wir von Sara Elkmann. Sie ist noch bis Juli Volontärin im Hexenbürgermeisterhaus und hat sich zwei Jahre lang intensiv mit der Geschichte der jüdischen Familien Lemgos befasst. Sara Elkmann hat uns auf den Spuren der Familie Katz eine Stadtführung gegeben und noch einmal viel Wissenswertes erzählt.

So waren wir zum Beispiel am Haus der Familie und an der Synagoge, die in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 durch die Lemgoer Nazis zerstört wurde. 

Auch wenn wir bereits eine Podcastfolge zu Edith Weinberg gemacht haben, wird es nun natürlich eine Fortsetzung geben.

Im Frenkel-Haus haben wir Jürgen Scheffler und Lars Kreye getroffen. Beide waren an der Erforschung der Geschichte der Familie Katz Ende der 1980er Jahre beteiligt, der eine als damaliger Museums- und Gedenkstättenleiter und der andere als Schüler. Mich hat interessiert, wie wichtig diese Forschung für die Erinnerungsarbeit der Stadt war und ist und welche Spuren diese Recherche beim Schüler Lars Kreye hinterlassen hat. Dazu werden wir in Edith-Weinberg-Fortsetzungs-Podcastfolge ausführlich erzählen.

Am Montag, den 13. Juni, sind Tim und ich dann in Lünen gewesen. Ein bewegender Tag. Unsere Protagonistin Edith Nassau (geborene Gumbert) hat zusammen mit ihren Eltern Siegmund und Helena Gumbert und weiteren jüdischen Nachbar:innen Stolpersteine bekommen.

Der Initiator der Stolperstein-Initiative Gunter Demnis erzählte mir im Anschluss, dass mittlerweile 90.000 Steine europaweit verlegt wurden. Zuletzt sogar in London. "Alles erschütternde Geschichten", so Demnig. Seine Stiftung habe wegen der anhaltend hohen Nachfrage durch die Städte und Gemeinden mittlerweile 11 Mitarbeitende. Und in Amsterdam hätten sie gerade ein Büro eröffnet, um den Stau abarbeiten zu können. In Amsterdam habe die Wartezeit für einen Stolperstein zuletzt bei 4 Jahren gelegen.

Ich bewundere seine Arbeit sehr! So simpel und so wirksam. Das größte dezentrale Denkmal der Welt. Großartig ist auch, dass so viele Ehrenamtliche sich in den Stolpersteininitiativen engagieren.

Leider konnte die Tochter von Edith Gumbert des Nassau, Marianna Nassau, Enklein von Siegmundund Helena Gumbert nicht bei der Verlegung dabei sein. Für sie wurde die Zeremonie gefilmt. Mir erzählte sie später, sie habe sich den Film schon zigmal angeschaut und jedes Mal geweint. Sie ist der Stadt Lünen und der Initiative für die Erinnerung an ihre Familie sehr dankbar.

Nun arbeite ich auf Hochtouren an der Vorbereitung zu den nächsten Podcastfolgen. Sie werden Edith Gumbert de Nassau oder umgekehrt: Edith Nassau, geborene Gumbert gewidmet sein. Habt bitte noch ein bisschen Geduld! Bleibt gesund und dem Projekt gewogen.   Herzliche Grüße Corinna & Carsten

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