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Risiko für russische Kriegs·gegner

Auch in Russland sind viele Menschen gegen den Krieg. Sie gehen auf die Straße, obwohl das sehr gefährlich für sie ist. Bisher wurden 13.000 Kriegs·gegner in 140 Städten festgenommen, seitdem der Krieg begonnen hat.

Die russische Illustratorin Swetlana (Name geändert) aus Sankt Petersburg hat auf Demonstrationen Gewalt von Seiten der National·garde beobachtet. Sie sagt, es gebe in Russland kein Verständnis für Massen·proteste. Man müsse die ganze Zeit vor der Polizei weglaufen, wenn man auf die Straße geht. Es sei wie eine Jagd.

Wenn Swetlana auf eine Demo geht, hält sie sich an bestimmte Regeln, um nicht festgenommen zu werden. Zum Beispiel bleibt sie in der Mitte der Menschen·kolonne und manchmal versteckt sie sich in Gassen oder Cafés.

Die Demonstranten, die „erwischt“ werden, werden gewalttätig behandelt. Für sie gibt es hohe Strafen. Sogar für Proteste von einzelnen Personen, die alleine an einem öffentlichen Ort ein Plakat hochhalten. Außerdem werden Menschen bestraft, die angeblich falsche Informationen über die Aktivitäten der russischen Truppen verbreiten.

Es gibt Geld·strafen über bis zu 10.000 Euro und es gibt Haft·strafen von bis zu drei Jahren oder länger.

Der russische Soziologe Grigorij Judin hat am 24. Februar an einer Anti·kriegs·demo teilgenommen und ist im Krankenhaus gelandet. Er hatte eine Gehirn·erschütterung, verursacht durch Schläge der Polizei.

Judin glaubt, dass Russlands militärische Aggression die russische Gesellschaft spaltet. Es gibt viele Menschen, die gegen diesen Angriffs·krieg sind, aber es sind nicht genug, um etwas zu verändern. Schon in der Vergangenheit haben ähnliche Bürger·proteste keine Ergebnisse gebracht. Deshalb glauben viele Menschen nicht mehr an ihre eigene Kraft.

Die Moskauer Bürger·rechtlerin Anastasia (Name geändert) hat schon oft an Kundgebungen teilgenommen und war enttäuscht von der letzten Demo gegen den Krieg in Moskau. Sie sagt, dieser Protest sei sehr schwach gewesen. Die Polizei habe alle Demonstranten verhaftet oder verjagt.

Anastasia versteht aber die Menschen, die Angst haben, zu protestieren. Viele Menschen haben Angst um ihren Job und um ihre Kinder. Dann kann man nicht so einfach auf die Straße gehen. Sie selbst könne das Risiko aber eingehen, weil sie schon alles verloren habe, sagt sie.

Anastasia ist sich sicher, dass Putin nicht als Sieger aus dieser Situation hervorgehen wird. Sie will in Moskau bleiben, obwohl sie die Möglichkeit hat, ins Ausland zu gehen.

Swetlana jedoch will Russland so bald wie möglich verlassen. Bevor es nicht mehr geht.

Original·artikel

https://www.dw.com/de/was-kriegsgegner-in-russland-bei-protesten-riskieren/a-61069091

Fragen zum Text

1. Was bedeutet es, auf die Straße zu gehen?

2. Warum ist es in Russland gefährlich, das zu tun?

3. Welches Verb ist ein Synonym zu festnehmen?

4. Wie lautet die Abkürzung für Demonstration?

5. Eine Gasse ist

a) ein Fahrzeug

b) eine kleine schmale Straße

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