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Das 9-Euro-Ticket: (k)eine gute Idee?

Anfang Mai haben die Verkehrs·minister der Bundes·länder dem Projekt zugestimmt: ab 1. Juni soll das 9-Euro-Ticket kommen. Am 18., 19. Und 20. Mai müssen der Bundes·tag und der Bundes·rat noch darüber abstimmen. Erst dann ist das Ticket beschlossene Sache.

Die Idee ist, die Bürgerinnen und Bürger finanziell zu entlasten. Denn die Energie·kosten sind seit Beginn des Ukraine·Krieges sehr stark gestiegen. Außerdem will man die Menschen generell dazu motivieren, Energie zu sparen und die öffentlichen Verkehrs·mittel langfristig attraktiver machen.

Das Ticket soll bundesweit – also überall in Deutschland – im öffentlichen Personen·nah·verkehr (ÖPNV) gelten, das heißt: für Busse, Stadt·bahnen und Regional·züge. Man kann es aber nicht im Fern·verkehr (ICE, IC und EC) benutzen.

Das Ticket kostet 9 Euro pro Monat und soll drei Monate lang angeboten werden. Mann kann es digital oder am Bahnhof kaufen. Es wird personalisiert und man muss es jeden Monat neu kaufen.

Wenn man schon ein Monats·ticket hat, bekommt man automatisch eine Erstattung oder es werden nur 9 Euro vom Konto eingezogen. Allerdings ist die Regelung für das Semester·ticket für Studierende noch unklar.

Die Verkehrs·betriebe der Bundes·länder werden nun weniger Geld einnehmen und technische Umstellungen vornehmen müssen. Dafür bekommen die Bundesländer vom Bund 3,7 Milliarden Euro. Die Länder forden aber 1,5 Milliarden Euro zusätzlich, damit sie Busse und Bahnen besser ausstatten können. Die NRW-Verkehrs·ministerin Ina Brandes sagt, man brauche Geld für mehr Busse und Bahnen, wenn viele Menschen auf die öffentlichen Verkehrs·mittel umsteigen. Sonst wird es zu voll und dann ist das Angebot langfristig nicht mehr attraktiv.

Einige Verkehrs·betriebe und Verkehrs·ministerien sehen das neue Projekt kritisch: Sie hätten z.B. ein 0-Euro-Ticket besser gefunden, weil es organisatorisch einfacher zu realisieren ist. Und sie machen sich Sorgen, dass es mit dem 9-Euro-Ticket zu Überlastung und Stillstand kommt, weil die Infra·struktur der Bahn nicht auf einen Ansturm von neuen Kunden vorbereitet ist. So eine Situation gab es nämlich schon einmal im Jahre 1995, als die Deutsche Bahn mit dem „Schönes Wochenende“ Ticket neue Kunden gewinnen wollte.

Helmut Dedy (Geschäftsführer des Deutschen Städtetags) sagt, man brauche Zeit und sehr große Investitionen, um den ÖPNV langfristig attraktiver zu machen. Eine kurzfristige dreimonatige Rabatt·aktion werde nicht dazu beitragen, dieses Ziel zu erreichen.

Auch Michael Stang (WDR Quarks Team) finden, auf lange Sicht müsse nicht nur der Preis, sondern auch der Service stimmen. Und der lässt bei vielen deutschen Verkehrsbetrieben schon jetzt – vor Beginn des 9 Euro Projekts – schwer zu wünschen übrig.

Text-Quellen:

https://www1.wdr.de/nachrichten/neun-euro-ticket-kritik-100.html

https://www.tagesschau.de/regional/nordrheinwestfalen/wdr-story-47367.html

Foto von Julian Hochgesang auf Unsplash

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