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Für immer unpünktlich?

Wir alle haben problematische Eigenschaften, sei es Unpünktlichkeit oder Aggressivität, Eifersucht oder Unsicherheit. Die eine ist ordentlich, wird aber schnell wütend. Der andere kann keine Ordnung halten, aber bewahrt auch in schwierigen Situationen stets die Ruhe.

Nicht wenige von uns würden sich selbst gerne verändern. Noch lieber würden wir unsere Partner oder Partnerinnen ändern. Oft sind diese Bestrebungen aber nicht so erfolgreich, wie wir uns das wünschen.

Und so fragen wir uns immer weniger: woher kommen eigentlich unsere individuellen charakterlichen Unterschiede? Welchen Einfluss hat unsere genetische Veranlagung und welche Rolle spielt die Umwelt, in der wir aufwachsen?

Diese Frage ist ein uralter Streit. Die Debatte gibt es schon seit 150 Jahren und sie war niemals frei von Ideologie. Heute sind sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Biologie, Soziologie und Psychologie zwar darin einig, dass sowohl Vererbung als auch Umwelt einen Einfluss auf unsere Persönlichkeit haben. Aber es wird weiterhin darüber gestritten, welcher Einfluss größer ist.

Wenigstens eine Übereinstimmung gibt es unter den Fachleuten: das Alter beeinflusst die Möglichkeit, sich zu verändern. Sowohl junge (unter 30) als auch ältere Menschen (über 60) haben diesbezüglich deutlich mehr Potential als Menschen mittleren Alters.

Zu der Frage, ob man seinen Partner oder seine Partnerin verändern kann, sagt der Psychologe und Paartherapeut Arnold Retzer folgendes: „Veränderung an sich ist weder positiv noch negativ. Lebendige Menschen verändern sich automatisch.“ Was das Zusammenleben von Männern und Frauen betrifft, stellt er fest: „Männer haben häufiger das Problem, dass ihre Frau nicht mehr so ist, wie sie mal war. Frauen beschweren sich darüber, dass ihr Mann immer noch so ist, wie er mal war.“

Retzer macht seinen Klienten und Klientinnen keine große Hoffnung darauf, den Partner verändern zu können und er hält die meisten Probleme in Paar·beziehungen für „unlösbare“ Probleme. Auch Rainer Riemann, Psychologie·professor in Bielefeld, hat mit Hilfe einer Zwillings·studie herausgefunden, dass Veränderung zwar möglich, aber meist nur kurzfristig ist.

Die Psycho·analytikerin Almuth Bruder-Bezzel weiß, dass es möglich ist, sich zu verändern. Therapeutische Begleitung könne helfen, problematische Eigenschaften zumindest zu reduzieren. Allerdings solle man damit rechnen, dass die professionelle Hilfe über lange Zeit notwendig sei.

Sich selbst zu verändern, kann also lange dauern. Und es kann weh tun.

Einen anderen Menschen zu verändern ist allerdings umso aussichtsloser, je mehr man es versucht. Retzel sagt dazu: „Wenn man erreichen will, dass der Partner auf jeden Fall so bleibt, wie er ist, sollte man versuchen, ihn zu ändern. Denn Menschen reagieren vernünftig auf Angriffe: mit Verteidigung.“

Textquelle: 

https://sz-magazin.sueddeutsche.de/leben-und-gesellschaft/menschen-aendern-geht-das-91670

Foto von  Wedding Dreamz auf Unsplash

Fragen zum Text

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