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Wir können andere Menschen nicht verändern, nur uns selbst

Lore geht seit einiger Zeit wieder auf Dates. Irgendwann gerät sie dabei immer in eine Sackgasse. Macht sie etwas falsch? Erwartet sie zu viel?

Dear Daniel,

ich bin nun seit zwei Jahren Single, nachdem mein Ehemann mich betrogen und verlassen hat. Ich habe in der Zeit sehr viel über mich selbst und Beziehungen gelernt. Seit einer Weile gehe ich wieder auf Dates. Ich habe leider immer wieder folgende Erfahrung gemacht: Sobald sich ein Kennenlernen intensiviert und man anfängt über die gegenseitigen Charaktereigenschaften zu sprechen und darüber, was man sich vom anderen wünschen würde, wird es kritisch. Die meisten Männer fühlen sich dann sehr schnell angegriffen. Sie werfen mir vor „das magst du also alles nicht an mir“ oder ich wolle sie „verändern“. Doch ist eine Beziehung nicht nur möglich, wenn man sich aufeinander einlässt und beide Seiten gewisse Veränderungen vornehmen? Kann eine Beziehung funktionieren, wenn zwei Menschen mit all ihren Erfahrungen, Wunden und Wünschen ganz starr bei sich verharren? Oder wäre das genau der richtige Weg und ich verbiege mich für andere zu sehr? Erwarte ich zu viel?

Ich bin traurig und orientierungslos und würde mich über deine Meinung freuen.

Danke, Deine Lore

Liebe Lore,

danke für deinen Brief, der mich sehr beschäftigt hat. Erst einmal möchte ich dir sagen, dass ich mit dir fühle. Trennungen nach langen Beziehungen gehören zu den schmerzhaftesten und herausforderndsten Dingen, die man durchleben muss. Mit ihnen geht eine eigene Form von Stress, Trauma und Trauer einher. Man kann mitunter sehr lange das Gefühl haben, dass man nicht mehr man selbst ist. Dieses Gefühl lernt man irgendwann vielleicht auch positiv für sich nutzen. Trotzdem bleibt es schmerzhaft.

Ich erkenne mich sehr in deinem Brief wieder oder besser gesagt, erkenne ich eine Person wieder, die ich mal war, nach der Trennung, die eine langjährige Beziehung beendete. Die Trennung hat mich nachhaltig verändert und meinem Leben eine neue Richtung gegeben. Es ist so beeindruckend, dass du wieder auf Dates gehst, an der Welt teilnimmst, dich zeigst und versuchst, dich romantisch zu öffnen. Das fällt vielen Menschen in ähnlichen Situationen sehr schwer. Es ist an sich schon etwas, worauf du stolz sein solltest. Du wünschst dir eine bestimmte Form von Nähe und begibst dich aktiv auf die Suche danach. Das ist toll. Allerdings bin ich mir, um ehrlich zu sein, nicht ganz sicher, ob das, wonach du suchst, sich überhaupt finden lässt. Ganz zu schweigen davon, dass es, solltest du es wider Erwarten doch finden, kaum das Potenzial hätte, dich glücklich zu machen.

In gewissem Sinne stellst du ein Ultimatum: Wenn du meine Nähe willst, muss du ein anderer Mensch werden. So wie du bist, kann ich dich nicht akzeptieren, nicht lieben.

Für mich sticht in deinem Brief unter anderem die Überlegung heraus, dass es gewissermaßen eine Phase des Datings sei, sich gegenseitig danach zu überprüfen, was geändert werden muss, damit es funktioniert. Diese Phase – und ich hoffe, ich lese das nicht falsch - scheint für dich darin zu bestehen, den Männern, die du kennenlernst, zu erklären, was sie an sich ändern müssten, damit du dich traust, mit ihnen zusammenzukommen. Das erscheint mir in mehrerer Hinsicht problematisch.

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