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Hallo! Ich freue mich sehr über das Interesse an meinen Bildern und bin gespannt, was sich aus dieser Kommunikation noch entwickelt.

In den letzten Wochen habe ich intensiv an meinem neuen Katalog gearbeitet, der hoffentlich noch rechtzeitig zur Vernissage meiner Ausstellung fertig wird. Seit 11 Jahren konnte ich keinen größeren Einzelkatalog mehr realisieren und ich bin glücklich, endlich wieder eine Dokumentation meiner Arbeit zu haben, die ich nutzen will, um Menschen für meine Kunst zu interessieren und neue Möglichkeiten zu finden, Arbeiten zu verkaufen.

Der Titel von Ausstellung und Katalog lautet "MIND THE GAP".                         In der Zeit des Masterstudiums in London hat sich diese U-Bahn Ansage in meine Erinnerung eingebrannt. "Achten Sie auf den Abstand/ die Kluft/ den Abgrund/ die Leerstelle"!  Die letzten Jahre haben uns alle mit dem Ausnahmezustand der weltweiten Pandemie konfrontiert. Ich habe durch meine Erfahrung der extrem lebensbedrohlichen Erkrankung den Abgrund am eigenen Leib erfahren. Der Krieg in der Ukraine, nicht irgendwo auf der Welt, sondern wenige Kilometer entfernt, verunsichert uns alle und macht Angst.

"MIND THE GAP" - Ronja Räubertochter wird von ihrem Vater vor der gefährlichen Wolfsklamm gewarnt. Und da sie nicht weiß, was es heißt sich zu hüten - springt sie wieder und wieder darüber. Was heißt "sich hüten" ? Auf sich aufpassen? Gefahren vermeiden?

Die Lücke, der Abgrund gehören zum Leben dazu. Auch "sich hüten" schützt nicht vor Unvorhergesehenem, von Un Glück, vor Schicksals Schlägen. Auf meinen drei langen 3-monatigen Reisen in Asien in den 90ern ist mir diese Gleichzeitigkeit von Geburt, Schönheit, Überfluss und Tod, verstöhrender Gewalt, und existentieller Armut zum ersten Mal so deutlich geworden. In unserer wohlhabenden "ersten" Welt kann man sich wohl und sicher fühlen, betroffen auf andere blicken, die Leid erfahren - bis es dich dann doch trifft.

Für den Katalog haben wir (meine Kuratorin Anne Mueller von der Haegen und ich) Arbeiten aus unterschiedlichen Jahren zu diesem Thema ausgewählt.

Parallel dazu habe ich Rahmen (die mir mein Zimmer Mann Nico gebaut hat) geschliffen und lackiert, anschließend die Bilder montiert, beschriftet und katalogisiert werden. Anfang Juni werde ich nach Braunschweig fahren, um die Ausstellung aufzubauen. Auch das wird eine Herausforderung: Der Ausstellungsraum des Konsumvereins Braunschweig hat wenige Wände an denen Bilder hängen können. Das Bespielen eines Raumes ist eigentlich wie das malen eines neuen Bildes - eine schöne Arbeit.

Das Bild „MIND THE GAP“ ist entstanden, nachdem ich meine Blutkrebsdiagnose erhalten hatte. Ich wusste, dass nur eine Stammzelltransplantation mein Leben retten kann und es noch keinen Spender für mich gab. Wie geht man also um, mit dem Abgrund? 

Die Figur ist auf dem Weg durch den Bildraum. Sie ist nackt, und ausgesetzt. Wie ein Zirkusartist mit einem schönen orangenen Hut muss sie die Kluft überwinden. Weg von der Sicherheit des Tapetenmusters, der bekannten Sicherheit eines „Zu Hause Seins“ – nur die Astlöcher des Holzes bieten Händen und Füßen halt. Die Figur lächelt nicht, sie ist konzentriert auf ihre Aufgabe, sie schreit nicht und rebelliert nicht, all das hat keinen Sinn, wäre Kraftverschwendung. Die Aufgabe kann nur gemeistert werden, wenn alle Kraft, alles Können und alles Wollen auf das Ziel gerichtet ist.

Das Bild ist nicht düster und gewalttätig, es ist licht und hell, dekorativ mit dem blauen Tapetenmuster auf dem weißen Holz, und doch ist der Bildgrund zerstört, er trägt nicht, der Betrachter ist mit der Wand dahinter konfrontiert.

Ich möchte mit meinen Bildern auf verschiedenen Ebenen arbeiten.                     Es gibt die ansprechende Komposition, schöne Farben                                        Dann immer wieder „lustige“ Elemente – hier der orangene Hut, das erkennbare Tapetenmuster                                                                                                                    Und darunter ein Thema, welches größer und tiefer ist und einladen möchte Sich selbst Gedanken zu machen.

Hier also mein erster Newsletter.

Ich freue mich auf Anmerkungen, Kritik und Vorschläge. Schreibe ich verständlich? Ist das interessant? Gibt es anderes, was vielleicht spanender wäre?

Große Grüße

*** Julia von Troschke

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