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"nothing and noone is ever alone" 2021 - mixed media/wood - 89 x 125 cm

Hallo und herzlich Willkommen

Heute möchte ich über ein Bild schreiben, welches ich letztes Jahr gemalt habe, als ich nach all den extremen Erfahrungen im Krankenhaus, der langsamen Rekonvaleszenz und dem gesundheitlichen Rückschlag, endlich wieder im Leben angekommen bin. In der langen Zeit, in der mein Immunsystem so schwach war, dass alles eine Gefahr für mein Über-Leben darstellte – Erde und Laub, ein Kuss oder eine Umarmung meiner Liebsten, eine unsaubere Gabel oder ein Handtuch, an dem sich schon jemand die Hände abgetrocknet hat - habe ich mich danach gesehnt, wieder einfach IN der Welt zu sein. Einfach durch den Wald zu laufen, Familie und Freunden nah sein, unbeschwert zu essen – was für ein Glück. Das Sich-Hüten-Müssen ist wirklich kein schöner Zustand.

Das Bild „nothing and noone is ever alone“ ist für mich das Wieder- Eintauchen in das Leben.

„Nichts und Niemand existiert unabhängig von allem anderen im Universum“. In der Abgeschiedenheit einer Transplantationsstation ist die Einsamkeit und das Außerhalb-des-Lebens- Stehen übermächtig.

Das sterile Weiß, funktionale technische Geräte sind omnipräsent, das Piepen der Fehlermeldung der Infusionsapparate, Gesichter und Mimik und Gefühlsregungen sind hinter Masken verborgen.

In diesem Bild also feiere ich das pralle Leben. Mir bedeuten Farben sehr viel. Dieses Bild strotzt von Eindrücken, Verbindungen, leuchtenden Farben. Alles gehört zusammen.

Ich habe in meinem Atelier neben Farben, Pinseln, Akkuschrauber, Büchern, Stiften, ……auch viele Fundstücke, viele Papiere, Zeichnungen, Fotos, die im Laufe meines Lebens zu mir gekommen sind, die mir etwas bedeuten. Auf Holz habe ich einige dieser „Schätze“ collagiert, dann darauf gemalt, Figuren entstehen lassen, die miteinander in Verbindung stehen.

Natürlich kann der Betrachter nicht „lesen“ was diese Elemente für mich bedeuten. Und doch glaube ich, dass diese Farbenpracht, diese Vielfalt, dieses Gleichzeitige von Verschiedenem und diese Energie, welche die Farben ausdrücken, das Leben ausmachen und sich einem Betrachter vermitteln lässt. Niemals, auch in den schwersten Momenten existieren wir wirklich allein und isoliert – ich glaube, dass diese Verbindungen zu anderen Menschen oder Lebewesen, zu Orten – durch die Zeit – ein großes Geflecht ergeben, das Leben.

Auch „nothing and noone is ever alone“ ist noch bis zum 17.7.2022 in der Ausstellung „Mind the gap“ im Braunschweiger Konsumverein zu sehen. Sollte sich kein kunstliebender Mensch verlieben, kommt es wieder zurück in mein Atelier. Ich glaube ich werde es dann nochmal über unseren Esstisch hängen, es ist eines der Bilder, die mir selbst sehr guttun.

Wie immer freue ich mich über Fragen und Anregungen!

Viele herzliche Grüße

*** Julia von Troschke

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