„Being Negative in the Age of AIDS“
Geschah es 1988? Vermutlich. Im Herbst, wenn ich mich recht entsinne. Wir trafen uns im „Dschungel“, einer Post-Punk-Kneipe an der Schanzenstraße, hier in Hamburg. Die gibt es meines Wissens heute noch, allerdings in anderen, größeren Räumlichkeiten auf der anderen Straßenseite. In den späten 80er befand sie sich im ehemaligen Hell’s Angels Vereinslokal, dort, wo heute ein Klamottenladen, Jacques’ Weindepot und andere Geschäfte sich eine Ladenzeile teilen. Eine Tankstelle befand sich direkt daneben. Eines Abends, ich lag schon im Bett, fanden es ein paar der Kneipengänger lustig, in diese Tankstelle einzubrechen. Am nächsten Tag bekam man so von Wildfremden Zigarettenpakete in Kneipen geschenkt.
Der Raum hatte die Form eines Schukartons, links ein langer Tresen, rechts Sitzplätze. Über die wenigen Fenster zur Straße hin dübelten die Besitzer Holzpaletten, die mit Grafittis verziert wurden. Zu hören waren die üblichen Tracks zwischen Düsternis und Pop - von Bauhaus bis Sisters of Mercy, von The Stooges bis zu The The. Meine gute Freundin D., mit der ich mich dort traf, hatte einen Interimsmitbewohner mit Spitznamen Panther an ihrer Seite; mit zurückgekämmten und doch leicht verfilzten, schwarz gefärbten Haaren und roten Strähnen darin stand er da und sah aus melancholisch dunklen Augen in die Welt hinaus. Ich fand ihn sexy. Wir plauderten bei - wahrscheinlich - Weizenbier oder Flens über das, was uns gerade bewegte; vermutlich befand ich mich gerade im Übergang vom Zivildienst zum Studium und versuchte mit Panther zu flirten. Ich scheiterte kläglich.
D. kannte ich über Freunde aus Hannover. Wir hatten in jener Zeit sehr viel miteinander zu tun. Sie wohnte schräg gegenüber, wir teilten Interessen und irgendwann auch gemeinsame Freunde. Mitten im Gespräch erzählte sie uns, ihre Lymphknoten am Hals seien seltsam geschwollen. Sie müsse wohl mal zum Arzt. Panther schaltete sofort. D. müsse nun aufpassen. Lieber nicht mehr mit anderen Leuten aus einem Glas trinken, so einer seiner Tipps. Alles vermeiden, was über Schmier- oder Tröpfcheninfektion ihr auch leichtere Erkrankungen verpassen könne. D. schaute konsterniert. Doch alle drumherum wussten, wovon er sprach - was er meinte.
1993 arbeiteten D. und ich im selben Behindertenwohnhaus, um das Studium zu finanzieren. Eine schöne Arbeit. Hier konnten Rollstuhlfahrer ihre eigenen Wohnungen anmieten, im 4. Stock gab es eine WG. Wir putzten dort, halfen P. dabei, ihre Abitur nachzuholen, cremten W. die Hornhäute an den Füßen ein oder gingen zusammen mit den Bewohnern einkaufen. Eines Tages rief D. an, ob ich ihre Schicht übernehmen könne. Sie bekäme ihre Hautprobleme nicht mehr in den Griff und würde sich so nicht mehr auf die Straße trauen.
Kurz darauf erlitt sie die erste Lungenentzündung. Ein Jahr später verstarb sie. Sie hatte sich immer geweigert, den AIDS-Test zu machen. Erst bei der Lungenentzündung nötigten sie die Ärzte beinahe dazu. Angesichts der geschwollenen Lymphknoten Jahre zuvor waren wir nicht überrascht. Dies war bekannt als erstes Symptom. Ihr Freund, der sie bis zum Schluß betreute, hatte sich nicht infiziert.
In den frühen 90ern, meine ich mich zu erinnern, waren die Infektionsraten bei heterosexuellen Frauen besonders hoch. Während die Safer Sex-Kampagnen in schwulen Subkulturen durchaus Wirkung zeigten, versorgte ich Freundinnen regelmäßig mit Kondomen. Sie sahen sich häufig als nicht gefährdet an. Das beträfe doch eher Schwule, Fixer und Bluter. Von wegen.
D. war einfach eine außerordentlich lebenslustige, sexpositive Frau. Es hat sie erwischt.
Der Grund, das zu berichten? Das hier:
https://edition.cnn.com/2025/03/25/health/hiv-research-funding-cut/index.html (Öffnet in neuem Fenster)Als 1996 die Kombi-Therapien mit Medikamentencocktails entdeckt wurden, bildete dieses eine ungeheure Befreiung. Es haben auch Menschen mit HIV überlebt, aber sehr, sehr viele auch nicht.
Ich erinnere mich sehr gut, wie ich die bei manchen berühmte SPIEGEL-Ausgabe Mai 1982 (Öffnet in neuem Fenster) in die Hände bekam und sie mit Schrecken las. Ich befand mich mitten in meinem inneren „Coming Out“-Prozess, wusste allmählich, wohin die Reise gehen würde. Der Titel mit „Die rätselhafte Krankheit“ erschien als einer der ersten zum Thema AIDS in großen deutschen Zeitungen. Ich meine mich an Großaufnahmen vom Kaposi-Sarkom (Öffnet in neuem Fenster) zu erinnern und dass erläutert wurde, dass diese Krankheit vor allem „Homosexuelle“ träfe.
In weniger eleganten Formulierungen galt AIDS zunächst als „Schwulenkrebs“ - weil vor allem in New York, San Francisco und Los Angeles die Gay Communities erbarmungslos dezimiert wurden und keiner wusste, was das für eine Erkrankung war. Ich lese gerade „Sexrebellen“ (bzw. „Tim and Pete“ im Original) von James Robert Baker. Ein recht unbekannter und doch grandioser Roman, der die Stufen der Ausbreitung der Seuche literarisch rekonstruiert. Die Hauptfigur Tim beschreibt, wie angesichts dessen, dass immer mehr Menschen starben und keiner wusste, was hinter dem fürchterlichen Symptombündel sich verbarg, sie erst einmal zolibatär lebte. Hervè Guibert, ein Pariser Fotograf, der selbst an den Folgen von AIDS starb und im selben Haus wie Michel Foucault lebte, beschreibt verschlüsselt in dem Roman „Der Freund, der mir das Leben nicht gerettet hat“, wie der Philosoph erstmal von AIDS erfuhr: er bekam einen Lachanfall. „Ein Krebs, der nur Schwule trifft? Das hätten sie wohl gerne!“ Foucault erlag selbst der Krankheit, eines der ersten prominenten Opfer - auch wenn seine Familie zunächst versuchte, diese „Schande“ zu vertuschen.
Als 1985 der Test entwickelt wurde, hatte ich, eh gebeutelt von einer Scheißangst, die das Sammeln erster Erfahrungen zugleich mit Todesängsten garnierte, die ehrenvolle Aufgabe, als juveniler Praktikant den „großen AIDS-Report“ für Hannover zu verfassen - mein erster längerer journalistischer Text für das Stadtmagazin „Schädelspalter“. Das schob man dem Jung-Schwulen rüber, die älteren Heteros in der Redaktion hatten wohl selbst zu viel „Angst vor dem Test“ - denn das wählten sie als Headline für den Artikel.
Diese Recherche minderte die Furcht nicht. Ich interviewte unter anderem die AIDS-Hilfe, ich glaube, die hießen da schon so, und die Drobs, die hannöversche Drogenberatungsstelle - und traf auf hillfose und verzweifelte Menschen, die sich aufrieben im Engagement für Andere, die keinerlei Hoffnung mehr kannten.
In meinen Umfeldern ging es mit ein paar Toten und einigen „Positiven“, von denen man das wusste, noch recht harmlos zu - so schrecklich sich das liest, es waren ja Menschen, mit denen ich viel zu tun hatte, die ich mochte, an denen mir etwas lag. Ein Freund wünschte sich z.B. eine Hildegard Knef-Cassette für seine eigene Beerdigung.
Denen, die nur etwas älter waren als ich, raffte es binnen Kurzem ganze Freundeskreise dahin. In Deutschland verlief es, im Vergleich mit anderen Ländern, dennoch dank sich aufopfernder Aktivisten, Journalisten wie Matthias Frings und vor allem auch Rita Süssmuth den Verhältnissen entsprechend etwas weniger schlimm. Peter Gauweiler forderte zwar lautstark die Internierung von Infizierten; Süssmuth setzte sich durch mit Aufklärungskampagnen pro Safer Sex, ganz ohne Schwule oder HIV-Positive zu diskreditieren. Wir wussten prinzipiell, wie man sich schützen konnte.
In Frankreich galt manchen Aktivisten diese Art der Kampagne dennoch als gegen Schwule gerichtet - man wolle den promisken Lifestyle als solchen diskreditieren. AIDS, dort SIDA genannt, bzw. HIV verbreitete sich erheblich stärker als in Deutschland, wenn ich mich recht entsinne.
Ein wenig korrespondierten diese Sichtweisen mit den Theoremen jener, die behaupteten, den Virus gäbe es gar nicht - die Symptome seien das Resultat exzessiven Drogenkonsums incl. Poppers (Öffnet in neuem Fenster)und zügellosen Sexes. Diese abstrusen Thesen kann man heute wieder in sozialen Medien lesen - weil Robert Kennedy Jr., neuer US-Gesundheitsminister, an so etwas glaubt. Poppers sind schuld! Auf gruselige Art drangen solche Sichtweisen auch in Spielfilm „Dallas Buyers Club“ ein - der setzte ganz auf gesunde Ernährung und Vitaminpräparate. Frühes „Querdenkertum“.
In „Sexrebellen“ bzw. „Pete and Tom“, dem Roman, den ich gerade lese, macht sich die Hauptfigur über jene lustig, die nun Weizenkeimsäfte tranken, um dem Unheil zu entgehen. Es ist voller fiktiver Geschichten über vermutlich in realen Vorbildern gründenden Figuren, die an den Folgen von AIDS starben. Es skizziert die wilde Welt des allseits verfügbaren schwulen Sexes nach der Liberalisierung und vor der Seuche, ohne diese „heroische Phase“ der Befreiung nach der Legalisierung 1969 zu romantisieren. Die Anti-Helden, Pete und Tim halt, suchen z.B. in einem stillgelegten Badehaus, das vor allem aus verschiedenen Räumlichkeiten für Praktiken vom „Glory Hole“ bis zum Gruppensex in Schwimmbädern bestand, einen Freund, der trotz Besuche der Anonymen Alkoholiker wieder auf Droge gelandet ist. Tim regt sich lautstark darüber auf, dass das Etablissement noch geöffnet war, als schon klar war, wohin die Reise ginge, der Virus bekannt war. Wie eine anonyme, beinahe maschinelle, in Routinen vollzogene Abfertigung sei man dort mit Menschen wie mit Objekten beim Sex umgegangen. Ohne nun die Promiskuität als solche zu geißeln. Der „Blow Job“ beim Cruisen am Strand habe durchaus Momente der Intimität ermöglicht.
Das Buch lebt von einer ungeheuren Wut auf die Politiker der Republikaner zu jener Zeit; Pete spielt in einer Band und schreibt sie offen angreifende Texte — diese Energie reicht bis hin zu Attentatsplänen. Als reine Fantasie (!) sind diese aus der Zeit heraus verständlich. Das Buch erinnert an „The Living End“, einem Film von Gregg Araki aus Zeiten des New Queer Cinema, in dem zwei mit HIV Infizierte zu Outlaws und Copkillern werden. Ihre Dialoge sind durchsetzt von der Annahme eines geplanten Genozids an Schwulen und offenen Nazi-Vergleichen.
Es drang bis zu uns in Deutschland durch, dass Ronald Reagan und seine Frau Nancy die Krankheit zunächst völlig ignorierten und wohl davon auszugehen war, dass sie es okay fanden, wenn möglichst viele Schwule starben. Auch viele Schwarze und Latinos: im Chicago-House der 80er Jahre kann man das bis heute hören, die Erlösungshoffnung beim Tanzen im Warehouse, wo Frankie Knuckles auflegte - in einem Land, da es keine funktionierende Krankenversicherung gab. Nicht zufällig ist „Tears“ einer seiner bekanntesten Tracks. Christliche Fundamentalisten predigten von AIDS als Strafe Gottes - „Pete and Tim“ ist proppevoll mit Besipielen für die Alltagshomophobie im L.A. der frühen 90er, da schon die Rückgabe von Kleingeld beim Zigarettenkauf ängstlich jede Berührung des als schwul Identifizierten vermied, aus Angst, von der Seuche attackiert zu werden und gepaart mit Blicken voller Verachtung. Teilweise spielen die Szenen vor den Trümmern der LA-Riots von 1992 (Öffnet in neuem Fenster).
Walt Odets, ein in San Francisco praktizierender, schwuler Therapeut, unterscheidet in seinem lesenswerten Werk „Out of the Shadows“ zu psychologischen Prägungen von Schwulen in den USA anhand der Timeline von AIDS verschiedene Generationen in der Community. Da gab es die Älteren, die direkte Zeugen der frühen Epidemie wurden - am schlimmsten traumatisiert jene, die vor Entwicklung des Tests 1985 im Ungewissen lebten, ob sie denn nun infiziert seien oder nicht. Die Übertragungswege waren zunächst noch unbekannt. Diese Gefühle rund um Schuld und Sühne, Wut und Verzweiflung erlebten auch spätere Generationen nach Einführung des Tests, jedoch nicht in dieser Schärfe; all die Gedankenkarusselle vor dem Test prägten die Leben dennoch, das Misstrauen angesichts möglicher Untreue des Partners, die Fantasien (auch ein Bespiel aus „Tim and Pete“, auf die aus meinem eigenen Leben verzichte ich hier) darüber, ob ein Sperma-Tropfen, in den Augapfel des Anderen geraten, nunmehr sein Leben beendet habe - für den Fall, dass man selbst, usw. , die begleiteten Biografien.
Werdende Eltern, heterosexuell, erlebten diese „Angst vor dem Test“ punktuell, wenn im Falle von Schwangerschaften erkundet wurde, was der Fall sein könnte. Odets zufolge sind noch die nach 1996, nach Einführung der lebensrettenden Medikamentencocktails, Aktiven zutiefst geprägt von all den medialen Veröffentlichungen aus der Zeit davor, die „homosexuelle” Männer mit dem Virus, der Erkrankung selbst und fürchterlichen Todesqualen assoziierten. Was bereits in ihrer Kindheit Ängste nährte, eventuell schwul zu sein. Die Jüngeren wuchsen bereits in einer Zeit auf, in der diese Assoziationen, mal ab von manchen Demo-Projekten z.B. in Süddeutschland und AfD-Rhetorik auch hier in Deutschland, nicht mehr so massiv griffen - und doch erlebten auch sie alltägliche Queerfeindlichkeit in Schule und oft auch der Familie, die in den letzten Jahren massiv zugenommen hat.
In jedem dieser Fälle ist der Zugang zu Sexualität, Intimität und Beziehungen ein völlig anderer als bei heterosexuell Aufwachsenden. Eben das zeigt Odets auf. Es sind andere Hürden zu nehmen; bei den Älteren waren es die schlimmstmöglichen und viele starben, kurz nachdem sie sich der Welt und den Körpern öffneten.
„Out of the Shadows“ beschreibt die psychologischen Folgen auch für negativ Getestete. Odets veröffentlichte ein ganzes Buch darüber: „Being Negative in the Age of AIDS“. Das Trauma erwischte, wenn auch weniger schlimm, tatsächlich alle der älteren und mittleren Altersgruppe und wurde, z.B. von mir, groteskerweise als ein individualpsychologisches Problem wahrgenommen - wobei (ich nicht) viele HIV-Negative dazu neigten, Infizierte zu meiden und selbst in Schuldbehauptungen rund um die Seuche abzudriften.
Manche derer überbetonten die eigene Sittlichkeit, die demonstrative Abwehr gegen den „Sündenpfuhl“ und alles „Tuntige“ gleich mit. Man spürt das Jens Spahn und Co an, wie sie durch Verbürgerlichung und Ultrakonservatismus alles dafür tun, bloß nicht mit „Blow Jobs“ nachts am Strand von L.A. und ähnlich Verlottertem identifiziert zu werden - von Peter Thiel mag ich hier gar nicht schreiben. Spahn ist Jahrgang 1980, gehört also zu der nach Odets zweiten Gruppe - es gab irgendwann Kombitherapien, aber die ersten medialen Diskurse waren vermutlich die Morddrohungen nach dem ersten schwulen Kuss in der Lindenstraße und das Zwangsouting Bioleks durch Rosa von Praunheim; vielleicht auch der Sterbende, mit HIV Infizierte in der Benetton-Werbung. Das rechtfertigt keine rechte oder rassistische Politik, aber die Verdrängungsleistung in solchen Biographien ist vermutlich enorm. Odets schildert auch, wie in US-Communities AIDS „rassifiziert“, also als Problem auf BPoC projiziert wurde.
„For younger-group men who have lived only in the late epidemic, the stigmatizing social consequences of HIV infection often make seroconversion—or just the fear of it—traumatic. HIV still carries a long-standing legacy and is still too often experienced as the consequence of forbidden and “dirty” sex, and the fate of fags.“
Odets, Walt. Out of the Shadows: The Psychology of Gay Men's Lives, S. 231
Als die radikalsten Aktivisten (Pete in „Tim and Pete“ waren sie nicht radikal genug) gegen AIDS agierten Act Up. Man kann deren Aktionen in dem Zusammenschnitt von Archivmaterial in „How to survive a plague (Öffnet in neuem Fenster)“ ebenso betrachten wie auch die des französischen Ablegers im Kinofilm „120 BPM (Öffnet in neuem Fenster)“; ein großartiger Film. Dieser Aktivismus zeichnete sich dadurch aus, dass er nicht nur auf die Politik, sondern direkt auf die Pharmaindustrie zielte. Die Mitglieder ketteten sich in Medikamente produzierenden Unternehmen an, spritzten mit Kunstblut um sich, drängten darauf, das neue Präparate auch direkt an ihnen getestet würden. Sie trugen so maßgeblich dazu bei, dass all die Schritte, die folgten, Kombi-Präparate, die den Virus bis unter die Nachweisbarkeitsgrenze drückten und so auch dessen Weitergabe verhinderten, Prep (also eine Pille, die man schluckt, um nicht angesteckt werden zu können) bis hin zu ersten Ansätzen von Impfstoffen möglich wurden. Eine zentrale Rolle bei der Forschung wie auch der Etablierung staatlicher Hilfsprogramme - auch für das Desaster in afrikanischen Ländern, das ich hier nicht aus eigenen Erfahrungen heraus rekonstruieren kann, das aber eigene Texte verdient - spielte der seit Corona global berühmte Anthony Fauci (Öffnet in neuem Fenster) eine zentrale Rolle.
Und nun? Siehe oben.
https://edition.cnn.com/2025/03/25/health/hiv-research-funding-cut/index.html (Öffnet in neuem Fenster)‘People will die based on these decisions’: Trump administration cuts funding for dozens of HIV studies“
Das retraumatisierte mich schon, als ich es nur las. Ich mag mir gar nicht vorstellen, was das für Communities in den USA bedeutet; zudem auch das US-Krankenversicherungssystem, eh schon eher an Versicherern als Versicherten orientiert, durch Ineffezienz und potenziell immense Folgekosten bestimmt ist. Nun wird auch dieses System Ziel der Attacke des Trump-Regimes und das Ende der AIDS-Forschung eingeleitet.
Das Ende von US-AID, also der Hilfe für afrikanische Regionen, fand auch hier zu recht breiten Eingang in Publikationen und News-Feeds. Dass die Forschung durch das Trump-Regime angegriffen wird - das gleicht on top beinahe schon der Tötung durch Unterlassen im Falle großer US-Bevölkerungsteile. Als solle der potenzielle Traum von Reagan, dass die Queers einfach alle wegsterben, auf diesem Wege wahr werden. Das wurde hier wenig reizipiert. Die US-Forschung ist weltweit führend. Der Virus könnte mutieren.
Meine Biographie IST wie die vieler anderer Menschen von diesem Trauma durch und durch geprägt, obwohl ich nie den Mut hatte, mich in den Aktivismus zu begeben oder für Hamburg Leuchtfeuer zu engagieren. Das Thema ist halt eines, das unwiderruflich Intimität formte und früh mit Todesängsten verknüpfte.
Die weitgehende Ignoranz dieser Nachrichten - in meiner Wahrnehmung zumindest - auch in sozialen Medien zeigt allerdings, dass es weiterhin als „schwules Thema“ gehandhabt wird. Wir können uns der Solidarität auch hierzulande wohl nicht mehr sicher sein.