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Ankündigungsakrobat

Den Begriff "Ankündigungsakrobat" finde ich irgendwie so treffend für neurodiverse Mitmenschen. Aber wie ist es, wenn man selber dann darauf angewiesen ist, dass andere Kolleginnen und Kollegen vom Wollen ins Handeln kommen? Akrobatisch sind ja häufig die Verrenkungen und Ausflüchte, die entstehen, wenn mal wieder eine ganz simple Sache nicht gemacht wurde. Die wir jetzt schon etliche Male besprochen haben und wo wir uns alle sicher waren, dass es einfach nervt, weil alle darauf warten müssen und darauf angewiesen sind. 

Wenn ich mich dann mit Heinrich von Kleist in feiner Gesellschaft sehe, ist das ja vielleicht schön und gut. Eigentlich bräuche ich ja eher einen "Aufpasser" bzw. sowas wie eine Auslagerung meiner Exekutivfunktionen. Die / der also für mich an Dinge denkt, die mir entfallen. Schlicht, weil innerhalb kurzer Zeit soviel neue Aufgaben oder Informationen einfliessen und ich nicht immer zur Ausführung komme.

Inzwischen kenne ich meine "Macken" durch das ADHS-Gehirn ja ganz gut - und vermeide es eigentlich, da immer wieder in mir bekannte Fettnäpfchen zu tappen. Aber ich umgebe mich ja nun auch häufig mit anderen neurodiversen Menschen und muss dann damit umgehen, dass sie eben auch nicht vom Wollen ins Tun kommen. Aufpasserfunktion bei eigener gestörter Exekutivfunktion Das finde ich fast noch schlimmer als mein eigenes ADHS-Gehirn. Wenn man als Vater oder Mutter oder aber als "Vorgesetzter" es mit den "Macken" im Bereich der Selbstdisziplin / Handlungsausführung zu tun hat und quasi als "Kameltreiber" immer und immer wieder zum Handeln antreiben soll. Fürchterlich. Einerseits warte ich also auf die Erledigung von Absprachen, auf die ich wirklich angewiesen bin. Weil es nervt und weil eben etliche Mitarbeiter oder Patienten darauf angewiesen sind. 

Andererseits müsste ich aber ja auch Verständnis dafür haben, dass es "natürlich" eben nicht klappt, das so ganz simple Aufgaben nun von der Besprechung zum Abschluss kommen. Weil ich es ja nicht besser kann. Ankündigungsakrobaten nerven und faszinieren also zugleich. Wie gehst du damit um ? Wenn man eigentlich genau weiss, dass ein ADHSler oder neurodiverser Mensch nicht "kann", aber es dennoch notwenig ist, dass die Sache gemacht wird ?

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