Gut gemäääht

Golfclubs und ihre vierbeinigen Rasenmäher - ein gutes Geschäft

Gegen so viel Biss sieht jeder Rasenmäher alt aus. Wo einmal eine Herde hungriger Schafe durchgezogen ist, bleibt kein Grashalm stehen. Genau darauf haben es manche Greenkeeper in Deutschlands Golfclubs abgesehen. Josef Ehrensperger zum Beispiel. Der 56-Jährige ist vor zwanzig Jahren auf das Schaf gekommen und schwört darauf, dass die vierbeinigen Rasenmäher ihm und seinen Kollegen im oberpfälzischen Golfclub Lauterhofen manche Arbeit abnehmen. Einen Golfplatz ordentlich zu pflegen, ist nicht ohne. Da ist jeder helfende Huf willkommen.

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Josef Ehrensperger ist, wenn man so will, so etwas wie Mutter und Vater in einem für die etwa 50-köpfige Schafherde. Er füttert, umsorgt, entwurmt sie, und wenn es sein muss, zieht er die Lämmchen mit der Flasche groß. Gerade jetzt zum Beispiel. Ein Mutterschaf hat eine Euterentzündung und lässt das Lämmchen nicht an sich heran. Josef Ehrensperger springt in die Bresche, bis das Lamm groß ist und mit seinen Altersgenossen auf den Golfplatz und ins hohe Rough marschieren kann. Diese hohen Wiesen grenzen nicht nur die kurzgemähten grünen Golfbahnen voneinander ab, sondern fungieren auch als natürlicher Schutzwall gegen verschlagene Golfbälle.

Die Schafe fressen die Büsche, das Gras und die jungen Triebe der Hecken im Rough zurück. Und sie grasen auf den Ausgleichsflächen und machen dort sauber“, erklärt Josef Ehrensperger. „Insgesamt haben sie etwa vier Hektar Fläche zur Verfügung, das reicht denen über den ganzen Sommer. Je nach Größe der Fläche bleiben sie zwei bis drei Wochen auf einem Stück, dann werden sie umgestellt.“

Die Idee, Vierbeinige statt rollender Rasenmäher einzusetzen, ist – natürlich – nicht made in Germany. In Großbritannien, dem Mutterland des Golfsports, kommen Tiere schon lange auf Golfplätzen zum Einsatz. Das ist nicht nur umweltfreundlich, sondern auch eine Arbeitsentlastung für die vielbeschäftigten Greenkeeper. Greenkeeper sein muss man nämlich mögen: lange Arbeitszeiten, körperlich anstrengende Tätigkeiten, bei Wind und Wetter draußen – und die Arbeit fällt oft in Tages- und Uhrzeiten, in denen andere frei haben oder noch schlafen. Die Branche klagt über Nachwuchsmangel. Die Schafe nicht. Bis zu 30 Lämmer zählt Greenkeeper Ehrensperger pro Jahr.

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Ein kleiner Teil der an die 800 Golfclubs in Deutschland beschäftigt deshalb Schafe. Lohne sich, findet Greenkeeper Ehrensperger. Der Golfclub Lauterhofen war vor mehr als zwanzig Jahren einer der Vorreiter. Mit Greenkeeper Ehrensperger hatten die Lauterhofener aber auch Glück. „Ich hatte bis vor circa 15 Jahren eine Landwirtschaft mit Kühen und Schweinen, die ich zusätzlich zu meinem Job als Greenkeeper betrieben habe. Eines Tages kam ein Kollege aus dem Golfclub auf die Idee, Schafe auf dem Golfplatz zu halten. Ich fand das super. Ich hatte zwar keine Erfahrung mit Schafen, habe mir das Wissen aber mit Hilfe eines Schäfers angeeignet. Ich bin sozusagen in die Schafe hineingeboren worden.

Alle Arbeiten rund ums Schaf erledigt der Greenkeeper selbst, mit gelegentlicher Unterstützung seines Vaters und Sohnes. Nur für die Schur holt er sich Unterstützung. Neben den Lämmern hält er 25 Mutterschafe und einen Bock. „Wir haben zu 90 Prozent Heidschnucken, dazu einige Waliser Schwarznasenschafe, Rhönschafe und Bergschafe. Die Lämmchen werden nach einem halben Jahr geschlachtet, wir lassen nur etwa vier bis fünf laufen, je nachdem, wie es um die älteren Schafe steht. Wir decken unseren Bedarf an Jungtieren also aus unserer Nachzucht.“ Den Lämmchen kann man dann unter Umständen im Clubrestaurant wieder begegnen. Makaber? Vielleicht.

„Vor etwa zwanzig Jahren haben wir mit sieben Schafen angefangen, jetzt haben wir im Frühjahr an die 50. Das ist noch gut machbar. Für mehr Schafe hätte ich den Platz im Winter nicht. Und es würde in Arbeit ausarten, ein bisschen Freizeit möchte ich ja auch haben. Man muss eben jeden Tag nach den Tieren schauen, auch wenn sie auf der Weide sind. Sie brauchen jeden Tag frisches Wasser, immer einen Leckstein mit Salzen.“ In anderen Golfclubs übernehmen Schäfereien diesen Job.

Auch im Golf- und Landclub Bad Salzuflen ist man aufs Schaf gekommen. 43 Nolanas beweiden seit gut einem Jahr auf der 18-Loch-Anlage in Nordrhein-Westfalen ein sechs Hektar großes Areal als Extensivweide. Sogar ein Turnier hat der Club nach den braunen Kurzhaarschafen benannt. Gerade richtete er den 1. Nolana-Cup aus. „Eigentlich putzen die alles weg“, gab Head-Greenkeeper Christian Büker gegenüber dem Deutschen Golfverband unlängst zu Protokoll. In Niedersachsen beweiden stolze 500 Landrassenschafe einen Club, gemeinsam mit Ziegen. Die Mecker-Fritzen futtern auch Disteln und Brennesseln, um die Schafe einen Bogen machen.

Auch in der Kaderschmiede St. Leon-Rot in Baden-Württemberg und im oberbayerischen Golfclub Altötting-Burghausen setzt man mittlerweile auf die Vierbeiner. In Altötting verstärken mehr als ein Dutzend französische Ouessantschafe das Greenkeeper-Team. Clubmanager Markus Löffel sagt dem DGV, die Vierbeiner sparten circa 1000 Euro Personalkosten. „Und für unsere Reputation in der Region ist es großartig.“

Selbst der Bund Naturschutz NABU ist begeistert von dieser Art des Mähens. Eine Beweidung und die damit einhergehende Offenhaltung von Flächen sei sogar vielerorts Voraussetzung dafür, dass sich bestimmte Arten ansiedeln und überleben, heißt es beim Bund Naturschutz NABU. Dies wiederum fördere die Qualität des Grünlandes.

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Plötzlich in Schafköttel zu treten oder gar einem Schaf ins Auge zu schauen müssen Golfer eher kaum befürchten. Elektro-Weidezäune sollen die Tiere im Gehege und in sicherem Abstand von Spielern und fliegenden Bällen halten. „Wenn der Strom zu schwach ist oder die Golfer ihren Ball bei den Schafen suchen, kann es aber schonmal passieren, dass die ausbüchsen“, berichtet Greenkeeper Ehrensperger. „Der Golfclub hat aber meine Handynummer, da bin ich rund um die Uhr erreichbar, auch am Wochenende. Manchmal kriege ich dann einen Anruf, dass ich wieder ein Schaf einfangen muss. Das klappt immer, die Schafe kennen mich, und ich locke sie mit Getreide zurück ins Gehege.“

Wie wird es mit den Schafen weitergehen, wenn Josef Ehrensperger nicht mehr arbeitet? „Ich bin jetzt 56 und denke, ich arbeite noch neun oder zehn Jahre als Greenkeeper. Die Schafe werde ich weiterbetreuen, denn das würde außer mir wohl keiner machen. Bis zur Corona-Pandemie haben wir sogar einen Almauftrieb und Almabtrieb gemacht, ich habe also mit Familien aus dem Club meine Schafe vom Stall zum Golfplatz oder zurückgetrieben. Allerdings ohne Glocke um den Hals, das Gebimmel war den Schafen zu laut, das mochten sie nicht. Der Club hat zum Almauftrieb immer ein Frühlingsfest gefeiert, das war eine große Sache. Die Schafe sind sehr beliebt bei den Golfern.

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