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Back to normal: Bereit für den Rest von 2022? (The Happy Weekly 32)

So. Da wären wir also zurück im Alltag! Für alle die sich jetzt fragen, wovon ich eigentlich spreche: in NRW endeten in dieser Woche die Sommerferien. Für mich standen die letzten Tage damit auch unter dem Stern eines Neuanfangs, eines meiner liebsten Gefühle. "Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne...", das Zitat von Hermann Hesse kommt mir nach den Sommerferien und zum Jahresanfang immer in den Sinn - und deshalb kriegt das frische Neuanfangsgefühl in diesem Newsletter auch ein bißchen Platz.

Ansonsten empfehle ich Euch heute mein liebstes Lieblingsbuch, singe ein Lob auf die Langsamkeit und zeige euch ein wichtiges Prinzip des produktiven Arbeitens. Alle bereit? Na, dann los!

Gedacht: Auf ein Neues - warum sich "Anfangen" so gut anfühlt

Ich liebe anfangen. In jeder Hinsicht - eine neue Idee umsetzen, die ersten Seiten eines nigelnagelneuen Notizbuchs beschreiben, ein neues Buch aufschlagen, einen neuen Plan machen. Am Anfang ist immer alles möglich, man weiß noch nicht wie es weitergeht und wo fiese Stolperfallen auf einen warten. Anfangen ist voller Hoffnung - und immer auch ein kleines bißchen realitätsfern.

Schritt für Schritt bringt man nach dem Anfang Idee und Realität näher zusammen. Und das wird schnell mühsam. Ich glaube, dass das auch der Grund ist, warum so viele Pläne und Ideen in Schubladen und abgelegten Dateien auf ihren großen Auftritt warten - weil das Umsetzen viel schwieriger ist als der Anfang - das Planen. Und weil die Realität sich leider manchmal von der Vorstellung in unserem Kopf doch immer irgendwie unterscheidet.

Wie nimmt man also den Zauber des Anfangs noch ein Stück mit auf den Weg in die Praxis? Indem man ihn festhält. Ich kann das am besten schriftlich, mit Worten, auf Papier. Ich schreibe die Wünsche auf, die mit dem Anfang verbunden sind - heute also: Was möchte ich vom 2. Halbjahr 2022 haben? Was will ich tun, worauf möchte ich an Weihnachten zurückschauen? Das Aufschreiben macht es für mich greif- und nachlesbar - und bringt mit jedem Lesen den Zauber des Anfangs wieder zurück, zumindest ein bisschen.

Die zweite Hälfte dieses Jahres bringt für mich nämlich - neben der ersehnten Rückkehr zu unseren Vor-Ferien-Routinen - auch etwas Neues mit sich: Ich starte in eine berufliche Weiterbildung zum Business Coach, die mich nun viele Monate begleiten wird. Ich habe bereits vor einigen Wochen begonnen, der Zauber des Anfangs ist also schon dem ersten Fluchen über die freiwillig aufgehalste, zusätzliche Arbeit gewichen 😉,  jetzt gilt es das Lernen und die Seminare in meinen Alltag einzubinden. Das wird bestimmt genauso herausfordernd wie spannend.

Gelesen: Mein Alltime-Favourite...

Leider kann ich mich nicht mehr daran erinnern, wann ich diese Buchempfehlung bekommen habe. Ich denke, es muss irgendwann 2007 gewesen sein, als eine Kollegin aus einem vergangenen Job mir sagte, dass ich "Das verborgene Wort" von Ulla Hahn lesen müsste. Damals hatte ich weder vom Buch noch von der Autorin schonmal gehört. Aber bei Buchempfehlungen muss man mich meistens nicht lange überzeugen. Letzte Woche hatte ich es noch einmal in der Hand - denn es steht in meinem Arbeitszimmer. 

Warum empfehle ich euch das Buch? Weil die Hauptfigur ein besonderes Buch führt - und ich das übernommen habe. Aber lasst mich ganz kurz erst was zum Inhalt und zur Autorin sagen:

Schon auf den ersten Seiten hat das Buch mich gepackt - und das, obwohl es in Köln spielt und ich eigentlich keine Lokalromane oder -krimis mag. Denn es geht um den Zauber von Büchern, Wörtern und Geschichten. Als Leser:in begleitet man Hilla Palm durch das Lesenlernen und beobachtet, wie sie mit den Büchern und Geschichten wächst. Dass Ulla Hahn eigentlich Lyrikerin ist, merkt man sehr deutlich: die eindrücklichen, präzisen, aber wirksamen Beschreibungen ihrer Figuren und der Lebenswelt im Rheinland der 50er Jahre lassen ahnen, dass hier wie in einem Gedicht jedes einzelne Wort sehr sorgfältig ausgewählt wurde. "Wortgewaltig" schrieben viele Rezensenten - und nichts könnte zutreffender sein.

Seit ich das Buch gelesen habe, führe ich auch ein Buch "schöner Wörter und schöner Sätze", wie die Hauptfigur Hilla es in ihrem ersten Schuljahr anlegt. Darin sammle ich zwar keine Wörter, aber schöne Stellen aus Büchern, Zitate, Zeitungsartikel – eben alles, was ich nicht vergessen möchte. Eine kleine literarische Schatzkiste, die mich immer mal wieder an schöne Leseerlebnisse erinnert. 

Eine Highlight-Sammlung für schnöde, inspirationslose Tage, die ein wenig Zauber brauchen können. Vielleicht ist das ja auch eine Idee für dich? Es muss ja nicht (nur) um Bücher gehen: Sammle doch Konzertkarten, Restaurant-Rechnungen, nette Kundenfeedback-Mails, Postkarten von Freunden, gute Gedanken an einem Ort - und schau sie dir an, wenn du es brauchst. 

Gelernt: Langsam, aber bestimmt

Eine Woche Covid, zwei Wochen Urlaub: Und auf einmal war ich raus. Raus aus meinem festen Sportrythmus, und raus aus meiner Kondition. Die erste Morgenrunde nach der Pause war am Anfang toll, und am Ende ernüchternd - alles tat weh, es war anstrengend und ich war vielleicht die Hälfte meiner üblichen Strecke unterwegs. Wie frustrierend! Und dann habe ich mich daran erinnert, wie ich angefangen habe - und es zum ersten Mal geschafft habe, an Sport dranzubleiben. Langsam, in kleinen Schritten. Weil es damals gar nicht anders ging.

Also habe ich auch in den letzten beiden Wochen wieder kleine Schritte gemacht. Die Distanz jeden Tag ein kleines bißchen gesteigert und stur meine Runden gedreht.  Ich habe ja gedacht, nachdem ich das einmal geschafft habe, hätte ich das Prinzip verstanden: Slow, but steady. Aber offensichtlich muss man das immer wieder neu lernen. 

Zu viel zu schnell wollen führt meistens zu gar nichts - das gilt im Sport genauso wie im Job. Trägt uns auf den ersten Metern noch der oben erwähnte Anfangszauber, wird es ziemlich mühsam, sobald er verflogen ist. Und dann ist wichtig, dass man trotzdem weitergeht - aber eben langsam, in kleinen Schritten.Hauptsache, man bewegt sich in die richtige Richtung. Das schreibe ich mir für die nächste Sportpause dann mal in die Laufschuhe, glaube ich.

Gewusst: Mit wenig Aufwand viel erreichen - das Pareto-Prinzip

Mit wenig Aufwand viel erreichen - das klingt zu schön, um wahr zu sein? Ist es aber!  80% der Ergebnisse erreichen wir mit 20% des Aufwandes, das hat Vilfredo Pareto, ein italienischer Soziologe herausgefunden. Eigentlich untersuchte er 1906 die Verteilung des Vermögens in Italien, aber seine Schlussfolgerungen sind für uns heute immer noch aktuell.

Das "Pareto-Prinzip" - oder auch die 80/20-Regel steht für die Erkenntnis, dass Einsatz und Ertrag nicht immer gleichmässig verteilt sind. Im Bereich Produktivität bedeutet das: 80% des angestrebten Ziel lassen sich oft schon mit 20% des Einsatzes/Aufwandes erreichen, wenn man die richtigen Prioritäten setzt. Kein Wunder, dass das Prinzip schnell eine relativ hohe Bekanntheit erreicht hat, oder?

Der Haken liegt im Detail - das mit den richtigen Prioritäten ist nämlich nicht immer ganz so einfach. Vielleicht macht es deshalb Sinn, die Frage etwas anders zu stellen: Oft fragen wir uns ja, was am wichtigsten auf unserer To Do-Liste ist - und gehen das als Erstes an. Nach dem Pareto-Prinzip müsste man sich aber stattdessen fragen, was den größten  Effekt bei der Zielerreichung haben würde - und dort beginnen.

Man könnte das Pareto-Prinzip außerdem eigentlich auch "Anti-Perfektionismus-Prinzip" nennen, denn es zeigt auf, dass für die letzten 20% zur Erreichung einer perfekten 100%-Lösung oft ein unverhältnismäßig großer Aufwand betrieben werden muss. Das ist nicht in allen Situationen gerechtfertigt - vergiss nicht, dass du selbst immer mit Expertenaugen auf dein Ergebnis schaust. Aber sieht deine Zielgruppe den Unterschied zwischen 80% und 100% denn auch? 

In der kommenden Woche erscheint das nächste Happy Worklife Paper zum Thema Routinen & Gewohnheiten - den ersten Teil rund um Morgenroutinen findet ihr hier. Wer vorher noch Mitglied werden möchte: hier entlang!

Ich wünsche Euch eine wunderschönen Start ins Wochenende! 

Viele Grüße,

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