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Es läuft. Leider in die falsche Richtung...  (The Happy Weekly 42)

Anything that can go wrong, will go wrong. Anscheinend hatte sich das Universum das als Leitspruch für meine letzte Woche ausgesucht - zumindest für den zweiten Teil. Denn die Woche startete eigentlich super: Ich, gut erholt aus den Herbstferien, viele neue Ideen im Kopf und im Kalender am Dienstag einen wunderbaren Workshop zum Thema Konzeption. Montags habe ich noch fleißig geübt und vorbereitet, Dienstag hochmotiviert beim Kunden, und alles lief prima. 

Leider lief es währenddessen auch zu Hause, aber leider nicht prima - sondern aus der Heizung in den Keller. Der Mann rief die Heizungsfirma, die kamen und werkelten als ich nachmittags zurückkam. Während wir zum Elternsprechtag flitzten, wurschtelten die immer noch und versprachen Abhilfe. Als wir zurückkamen, lief das Wasser immer noch. Nur dass die Heizung jetzt auch noch ausgestellt war: kein warmes Wasser. Tschüss heiße Dusche nach einem vollen Tag...

Das Gerät hat wirklich ein sensationelles Gespür für Timing und Dramatik: Nicht nur hat es sich zum kaputtgehen das Jahr ausgesucht, in dem Heizungsmonteure so gefragt sind wie die Backstreet Boys in den 90ern. Nein, es hat auch noch die Woche erwischt, in der mein Mann vier Tage auf Dienstreise ist und das Kind am Mittwoch einen Magen-Darm-Virus aus der Schule mit nach Hause brachte. Und NATÜRLICH ist nicht irgendein 08/15-Teil kaputt gegangen: Nein, nein - das gesuchte Ersatzteil ist was ganz seltenes und muss beim Hersteller EIGENS produziert werden. Lieferzeit: mindestens drei Wochen. Warum simpel, wenn es auch kompliziert geht...

Was macht man, wenn alles schief läuft? Weil das ja gar nicht so selten vorkommt, habe ich gedacht, ich schreibe heute mal darüber.

"You can't unfuck, what's been fucked"

Das schrieb mir eine Followerin auf Instagram, und ich habe so sehr gelacht. Recht hat sie! Meinen Impftermin habe ich noch geschafft, alle anderen Termine dieser Woche mussten ausfallen. Berufliches, Musikunterricht des Kindes, eine schöne Verabredung, mein Einsatz in der Schulbibliothek, Sportverein-Training, der Fensterputzer, ich habe einmal alles vom Tisch gefegt, als das Kind krank wurde. Und dann ging es mir auch schon etwas besser. Regel Nummer 1: Wenn alles schief läuft, darf man es sich so leicht wie irgend möglich machen. Also habe ich das Kind und mich verwöhnt, wir haben die Fernsehregeln aufgehoben und uns die Tage auf der Couch so gemütlich gemacht, wie es ging. Den Wocheneinkauf habe ich bestellt und liefern lassen - denn die Großeltern, die sonst gerne eingesprungen wären, hatten Mittwoch einen positiven Corona-Test. (Diese Woche, ey....)

Ich würde jetzt gerne schreiben, dass ich die ganze Zeit supercool und total entspannt war. Aber als mich der Inhaber der Heizungsfirma anrief und im "Ich laufe über rohe Eier"-Tonfall andeutete, dass die Beschaffung des Heizungsteils mindestens drei Wochen dauert, bin ich kurz ein wenig hysterisch geworden. Die Aussicht, drei Wochen ohne Heizung und warmes Wasser alle paar Stunden in den Keller zu tigern, um die Wanne auszukippen, die das immer noch stetig herauslaufende Wasser auffängt: not so funny. Aber, Regel Nummer 2: Gefühle zulassen. Einfach kurz schreien hilft - und hinterher fühlt man sich besser. (Nur zur Klärung, ich habe natürlich NICHT den armen Menschen am Telefon angeschrieben. Nur die Heizung.) 

Glücklicherweise hatte die Heizungsfirma nicht nur Mitleid, sondern auch eine kreative Idee: sie haben das Gerät mit einer abenteuerlichen Konstruktion vorübergehend wieder ans Laufen gebracht. So halbwegs. Aber hey: lauwarmes Wasser ist besser als kaltes! Regel Nummer 3: Sich auch über kleine Schritte in die richtige Richtung freuen. Könnte schlimmer laufen.

Regel Nummer 4: Radikaler Minimalismus - was das für mich heißt? Ich war diese Woche an den meisten Tagen ungeschminkt & in Jogginghose & Kuschelpulli (war ja auch schweinekalt hier!), habe gegessen was der Kühlschrank (vorgeschnittene Salat-Zutaten und bereits gekochte Suppe – danke Vergangenheits-Tina!) und das TK-Fach hergaben. Das Kind hat sich eh an Zwieback, Salzstangen und Tee gehalten. Es darf einfach sein. Und anspruchslos. 

Was mir ansonsten in solchen Situationen hilft, ist der Gedanke, dass das alles vorbeigeht und sich ja doch immer für alles irgendeine Lösung findet. Nicht immer die, die man gerne hätte, aber eben eine Lösung. Regel Nummer 5: Et hätt noch immer jot jejange - ist ein kölsches Grundgesetz. ;-) Also habe ich geatmet, Kaffee getrunken und mich gefreut, als es dem Kind gestern wieder besser ging.

Mir persönlich hilft es immer sehr, mir dann abends noch ein bißchen Zeit zu nehmen, um umzuplanen und mir zu überlegen, wie ich meine To Do's am besten verschiebe und verteile. Regel Nummer 6: Dem Plan A nicht zu lange hinterhertrauern. Frustriert sein ist ok, aber mir tut es gut, sich dann zügig dem Plan B zuzuwenden. Oder dem Plan C. 

So war meine letzte Woche:

Gelesen | Mein Buch liegt noch unangetastet neben meinem Bett. Aber: Ich habe am Donnerstag die aktuelle Zeit gelesen - und das Interview mit Herrn Lindner, über das gefühlt alle sprechen. Mir widerstrebt es ja zutiefst, weil ich ihn echt unsympatisch finde: Aber das, was darüber geschrieben und gepostet wird, finde ich tatsächlich ein bißchen unfair. Ist seine Vorstellung von Elternzeit (er möchte promovieren, ein Buch schreiben, jagen und imkern) naiv? Ja, klar. Aber er hat noch keine Kinder. Und ganz ehrlich - bevor ich Mutter geworden bin, habe ich auch gedacht, dass ich meine Elternzeit nutze, um eine neue Sprache zu lernen, mit dem Kind in einem schicken, perfekt gebundenen Tragetuch regelmäßig in Museen und ins Café gehe, oder entspannt während ich Freunde treffe, den Kinderwagen ein wenig schuckele, in dem ein zufrieden glucksendes Baby liegt. Man kann sich Elternschaft vorher nicht vorstellen. Muss man sich darüber so aufregen? Über eine hypothetische Aussage zur Gestaltung einer hypothetischen Elternzeit mit einem Kind, das noch nicht mal gezeugt wurde? Bei allem Feminismus, und allen berechtigen Forderungen nach einer faireren Verteilung von Care-Arbeit: das verstehe ich nicht.

Gehört | Zählt auch Telefon-Warteschleifen-Musik? Und warum macht die 78. Wiederholung der Moldau einen eigentlich so aggro?

Getan | Gewaschen, gewischt und ziemlich viel geflucht. Oh, und beim Workshop mit Flipchart-Marker aufs Whiteboard geschrieben (ahhhh....) - ging aber glücklicherweise wieder weg. Puh.

Gegessen | Manchmal habe ich anscheinend eine Vorahnung. In jedem Fall habe ich am Dienstag abend noch einen riesigen Endivien-Salat geputzt und schon einmal Tomaten, Gurken, Paprika & Möhren kleingeschnippelt und eingetuppert. Da habe ich mich in den nächsten Tagen sehr drüber gefreut. Jetzt ist dann auch gut mit Salat...

Gelernt | Heizungen sind teure, kleine, fiese Mistdinger. 

Gelacht | Öhm, das ist diese Woche irgendwie zu kurz gekommen, fürchte ich. Aber ich hoffe doch mal, dass sich das auf den letzten Metern heute und morgen noch ändert! 

Gekauft| Ein Ringlicht. Nach acht Jahren Social Media bin ich eingeknickt... Ich hoffe, dass es mir ein bißchen zeitlich Flexibilität in den dunklen Wintermonaten gibt - ich habe nämlich ein paar coole Videoideen. :-)

So, und jetzt hätte ich gerne ein mega langweilige und ereignislose nächste Woche, liebes Universum! Können wir uns darauf einigen? Bitte?!

Viele Grüße & bis nächste Woche,

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