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Dein She Drives Mobility Update vom 22. Mai 2022

Hallo liebe steady-Flauschis!

Ich möchte einfach mal danke sagen, dass ihr diesen wöchentlichen Newsletter abonniert, mir eure Zeit beim Lesen und den Support auch mit Eurem Obolus schenkt. Ab dem 1. Juni "springe" ich - in die komplette Selbstständigkeit. Und das seid ihr aktuell mein Grundeinkommen, das planbar im Monat auf mein Konto kommt. Ihr nehmt mir damit sehr viel Unsicherheit, denn mir ist der Anfang der Pandemie noch enorm deutlich vor Augen, wo innerhalb von drei Tagen alle Aufträge für 2020 abgesagt worden sind. Das war ein ziemlich beängstigendes Gefühl.

Ich möchte aber auch danke an door2door sagen, die mir dreieinhalb Jahre lang gezeigt haben, dass es dort draußen gute Unternehmen gibt, die New Work leben, eine tolle Unternehmenskultur haben und die verschiedensten Arbeitsmodelle anbieten, damit es einen guten Fit sowohl für Arbeitnehmer:in als auch Arbeitgeber:in gibt. "Leider" haben die Gründer sich jahrelang umsonst bemüht, für die notwendige Wachstumsphase Geld in Deutschland oder zumindest Europa zu finden. Verkauft wurde door2door nun an Swvl, ein tolles Unternehmen, das mit der Idee von mehr Sicherheit für marginalisierten Gruppen im ÖPNV begann und mittlerweile in vielen Regionen der Welt Nah- und Fernverkehrssysteme auf ein neues Level hebt. Mit dem frischen Geld kann auch door2door endlich wieder richtig wachsen, schaut mal vorbei, falls ihr nach einer neuen Herausforderung sucht!

https://door2door.io/de/ueber-uns/jobs/

Nun aber zum Wochenrückblick - und der hat es in sich. Und wenn ich das sage, ahnt ihr, dass diese Woche ziemlich besonders war. Denn ich bin ja einiges gewohnt :) Ich habe mir aber auch ein Interrailticket gegönnt und von Mitte Juli bis Mitte August URLAUB im Kalender stehen, das erste Mal seit vier Jahren.

Tino Pfaff und ich waren im Bundestag und haben eine Stunde lange Rede und Antwort gestanden zu unserer von 65.094 Menschen unterzeichneten Petition #FreiVonÖl, die die Mobilität raus aus der fossilen Abhängigkeit führen will. Wir haben dazu heute auch eine Folge She Drives Mobility veröffentlicht.

Hört gern mal rein, empfehlt den Podcast weiter - tatsächlich habe ich da mittlerweile ein richtig umfassendes Archiv zu tollen Menschen, Ideen und Projekten in der Mobilitätswende.

https://katja-diehl.de/ungehoert-im-petitionsauschuss-etwas-licht-viel-schatten-und-ein-breites-buendnis/

Auf der Wiese vor dem Bundestag warteten viele Initiativen und NGO-Vertreter:innen auf uns. Zehn Redebeiträge gab es auf der Kundgebung, die parallel zu Kundgebung stattfand. Wind unter den Flügeln von Tino und mir, aber auch ein wichtiges Zeichen, endlich zusammen gegen die toxische Fossilllobby zu arbeiten. Dass das immer noch nicht gelingt, zeigte die Tatsache, dass schon Sekunden, nachdem ich meinen Namen bei Twitter geändert hatte, der alte okkupiert und Diffamierung meiner Person eröffnet wurde. Immer wieder entkräften wir uns lieber gegenseitig, anstatt dasselbe gemeinsam mit unseren Gegner:innen zu machen. Bitte.

Dienstag dann Lesung beim Bündnis Berlin autofrei. Natürlich ging es erstmal darum, dass der Berliner Senat das Gesetz des Bündnisses als unzulässig und verfassungswidrig eingeschätzt hat. Es ist für mich immer etwas schmerzhaft, wenn solche Entscheidungen so kategorisch gefällt werden, da sich das Verkehrssystem, so wie es jetzt aufgebaut ist, für mich überhaupt nicht verfassungskonform anfühlt. Weder bleibt die Würde des Menschen in diesem unangetastet, viele müssen um Mobilität bitten oder werden gezwungen, ein Auto zu fahren, noch ist das Recht auf Unversehrtheit für Jene ohne Auto gewährleistet.

https://m.tagesspiegel.de/berlin/volksbegehren-unzulaessig-berliner-senat-haelt-ziel-einer-autofreien-innenstadt-fuer-verfassungswidrig/28320244.html

Zusammen mit einem Herrn vom Behindertenverband und einer Lady, die durch die Bikegeeks das Radfahren erlernt hat, diskutierten wir über die Begriffe Freiheit und Inklusion und was diese für eine echte Verkehrswende bedeuten. Es war sehr inspirierend, der Lady aus Kenia zuzuhören, die, als sie nach Deutschland kam, noch nie Rad gefahren war und nun nie wieder anders mobil sein möchte. Für sie ist es Freiheit, mit dem Rad unterwegs zu sein. 

Am nächsten Tag hieß es für meinen Biorhythmus: Zurück in alte Zeiten, aufstehen, bevor ich wach werde. Das ist wirklich ein großer Luxus für mich, der mich viel gesünder in den Tag starten lässt: Nicht vor acht wach werden zu müssen. Für die Public Climate School habe ich das dennoch getan und eine Unterrichtseinheit zur Mobilität gehalten. Und siehe da: Ich führte dieselben Debatten mit Männern, die ich auch sonst führe, nur dass die Männer 14 Jahre im Schnitt waren. Warum hassen Sie Männer? Warum hassen Sie Autos? Wenn Frauen Autos fahren, machen die doch auch Abgase? Das war gewohnt kraftraubend, es gab aber auch Feedback, sehr viel Neues gelernt und neue Perspektiven kennengelernt zu haben.

Ich finde die Arbeit der dort tätigen Lehrkräfte enorm wichtig, Klimakrise und viele andere gesellschaftlich relevanten Themen sollten sehr viel präsenter im Unterricht werden.

https://publicclimateschool.de/

Die Stimmen mehrten sich diese Woche, dass ich die radikalste und emotionalste Person auf Bühnen gewesen sei. Im Anschluss meiner Parts auf der Bühnen kamen stets gleich mehrere Menschen auf mich zu und  dankten mit, dass ich so klar kommuniziere und „nicht so  stromlinienförmig“ sei. Danke! Doch was bedeutet das für den Austausch auf solchen Konferenzen? Gehen wir 2022 immer noch nicht dahin, wo es wehtut: Raus aus der Komfortzone? Stellen wir uns immer noch nicht den immer drängenderen Fragen der Transformation im Anblick der Klimakatastrophe? Denn das, was ich kommuniziere, ist nicht neu, nicht überraschend, sondern lange bekannt.

Etwas ernüchtert war ich z. B. auch vom mittäglichen Panel auf der TÜV Mobility Conference. Nicht nur der VDA redet die Leistungen unserer Autoindustrie klein, auch Sprecher und Zulieferer glauben  nicht daran, dass vollelektrische Antriebe 2022 schon leistungsfähig genug sind. Ich fasse es nicht! Die Verunsicherung gegenüber den eigenen Produkten zu schüren, nur weil sich mit dem Verbrenner mehr Geld bei Wartung und Reparatur verdienen lässt? Oder was steckt hinter diesem fatalen und zudem auch komplett falschen Verhalten? Vollelektrische Antriebe sind längst praxistauglich. Länder wie Norwegen machen es uns vor. Und dann sitze ich auf einem Panel und "glaube" mehr an die Antriebswende als Jene, die in dieser Industrie arbeiten. Gut, dass ich kein eigenes Mikro hatte - war vielleicht auch Absicht :)

Denn auch beim Thema "wir haben doch noch Zeit" ist mir der Kragen geplatzt. Dieses verständnisvolle Nicken, wenn betont wird, dass die Industrie sich nicht sofort ändern kann. Mag sein, aber wenn das noch nicht mal versucht wird, dreht sich ein Perpetuum Mobile.

Während sich viele über Escooter, Leihräder und andere Sharingsysteme in  der Stadt ärgern, weil hiesige Verwaltungen davor zurückschrecken,  diese zu regulieren und Aufstellflächen von Autoflächen zu nehmen, kann  die letzte Meile auf dem Land mit eben solchen Systemen sehr gut, sehr  schnell und sehr klimagerecht geschlossen und Autofahrten obsolet  werden. Denn auf dem Land gibt es – politisch gewollt – aktuell  zu viele Mobilitätslücken, die wir nicht schnell genug mit Infrastruktur  lösen können. Letztlich gehören hier auch On-Demand-Kleinbussysteme in das System, dass zumindest Zweit- und Drittwagen obsolet machen kann. Aber  auch in der Stadt sollte die Mikromobilität endlich flächendeckend  systemisch gedacht werden. Aktuell stehen hier viele kleine Inseln  nebeneinander, sie zu einer Lösung zu verbinden, wir zu oft noch den  Kund:innen überlassen. Plattformen wie Jelbi und HVV-Switch gehen hier  schon integrativer vor, sind aber regional auf ein Gebiet begrenzt.  Gleiches gilt für die Stadt- und Landlogistik.

Dazu habe ich am Donnerstag auf der micromobility in Hannover die Keynote gehalten. Leider waren auch hier die nachfolgenden Panels sehr "angepasst". Aber die Ausstellung dafür umso regen. Echtes Netzwerken und gemeinsames Evaluieren von Chancen der Zusammenarbeit, gefiel mir sehr! Dennoch war es an dem Tag einfach zu heiß. Schon morgens über 25 Grad, in der Spitze 32 Grad. Nicht schön.

Abends dann Lesung in Ahrensburg bei Gewitter, so schnell kann es gehen :)

Und dieses Wochenende ein komplett freier Samstag. Herrlich. Freitags war ich morgens um 7.10 Uhr noch im rbb und nachmittags bei der Aktuellen Stunde im WDR - eines steht jetzt schon fest: Das 9-Euro-Ticket bewegt die Gemüter. 100.000 Exemplare wurden heute schon bis 16 Uhr in Hamburg verkauft. All das schreibe ich im ICE nach München sitzend, wo morgen viel Programm auf mich wartet. Die Menschen von MCube haben mich eingeladen, ihre Arbeit näher kennenzulernen, beschlossen wird der Tag mit einer Lesung und Diskussion.

Das hier sind die Termine der nächsten Tage. Große Vorfreude, tolle Mischung!

23. Mai Lesung in München, Salon Luitpold

24. Mai Osnabrück, Buchhandlung Wenner

25. Mai Essen Universität Duisburg-Essen

26. Mai Mahnwache Lützerath

28. Mai Stuttgart Katholikentag, 16.30–18.00 „Zukunftsfähig unterwegs in Stadt und Land“

29. Mai Wuppertal, Literaturspaziergänge_Flanieren|Flexen.22_Katja Diehl

30. Mai Schöpflin-Stiftung Lörrach

31. Mai Vortrag zur Sicherheit von marginalisierten Gruppen im ÖPNV beim AK Sicherheit im VRR

Ich wünsche euch einen schönen Restsonntag!

Eure Katja

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