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Ich gebe es zu, manchmal prokrastiniere ich die Aussendung an euch ein wenig, weil ich einfach nicht weiß, ob ich final die Woche, die hinter mir liegt, schon für euch aufbereiten konnte.

Aktuell liege ich in einem Hotelzimmer in Leipzig und über mir wir Boule gespielt, zumindest hört es sich so an.

Je mehr Lesungen ich halte, desto enger wird mir der Hals und das Herz. Da sind so viele Fakten, so viel Wissen und so viel Lösungen, dass ich einfach nicht verstehe, was uns daran hindert, endlich Weltmeisterin in der Mobilitätswende zu werden.

Und dann gibt es da noch so Tage, wo Bundesverkehrsminister Wissing eine Lesung mit mir auf der Klimabuchmesse in Leipzig lapidar absagt, ohne eine Vertretung zu benennen, und ich an demselben Tag auf Seite 1 der BILD lande, weil ich die Amokfahrt von Berlin angeblich missbrauche, um darauf hinzuweisen, wie toxisch das gesamte System ist, das rund um das Auto und gegen den Menschen gebaut wurde.

Der Vorwurf?

Es sei pietätlos, diesen Amoktod gleichzusetzen mit den täglichen Verkehrstoten. Acht an der Zahl übrigens. 882 Menschen werden zudem täglich bis zu schwerstverletzt im Straßenverkehr. Jeder Verkehrstod traumatisiert 113 Menschen.

https://www.verkehrsrundschau.de/nachrichten/transport-logistik/jeder-unfalltod-betrifft-113-menschen-2989135

Und jeden und jeden und jeden Tag erneut sterben Menschen durch diese Straßengewalt, ohne dass Deutschland auch nur annäherungsweise etwas unternimmt, Straßenverkehrstode aktiv zu mindern. Und dann gelte ich als pietätlos, weil ich das thematisiere. Ich frage euch ganz offen: Gibt es eine Hierarchie von Verkehrstod? Ist es "schlimmer", wenn es eine Amokfahrt ist? Wann ist es pietätvoll, über Autogewalt zu sprechen und zu schreiben, wenn doch alle drei Stunden ein Mensch stirbt, aber eben nicht die Aufmerksamkeit erhält wie alltägliche Tode auf der Straße?

achja, BILDTV fand das natürlich super.

Sehr geehrte Frau Diehl,

mein Name ist Etienne Fruchtmann und ich arbeite in der Redaktion des BILD-Talkformats "VIERTEL NACH ACHT".

Sehr gerne hätten wir Sie am 15.06.2022 bei uns im Talk zu Gast. Gerne würden wir in unserer Sendung das Thema Mobilität(swende) thematisieren, insbesondere mit Hinblick auf die Abschaffung von Verbrennungsmotoren. Ihr Buch "Autokorrektur" würden wir selbstverständlich auch in unserer Sendung erwähnen.

DAS KONZEPT „VIERTEL NACH ACHT“

Jeden Dienstag, Mittwoch und Donnerstag trifft sich Gastgeberin Nena Schink, im Wechsel mit BILD-Vize Paul Ronzheimer, um 20:15 Uhr zu einer illustren Gesprächsrunde mit Prominenten aus Politik, Wirtschaft und Kultur. Bei diesem sechzigminütigen Schlagabtausch kommt jeder zu Wort, der auch etwas zu sagen hat.

Die Themen unserer Gäste und ihre Meinungen stehen bei VIERTEL NACH ACHT im Vordergrund.

Anders als bei anderen Talk-Formaten, gibt es keine klassische Frage-Antwort-Runde mit einem redaktionell festgesetzten Thema.

Stattdessen diskutieren bei „VIERTEL NACH ACHT“ fünf meinungsstarke Teilnehmer Themen, die sie umtreiben, aufregen oder erfreuen. Jeder Gast nimmt ein tagesaktuelles Thema, das ihn bewegt oder berührt, mit in die Sendung und stellt dieses vor. Das kann ein Statement aus der Politik, ein Tweet oder ein Zeitungsartikel sein. Vielleicht auch ein gesellschaftlich relevantes Thema aus Wirtschaft, Kultur, Wissenschaft, Umwelt oder Sport.

Es gilt die gedankliche Freiheit. Anschließend wird in der Runde über die These diskutiert, zugestimmt, gestritten oder auch mal gelacht – gefolgt vom nächsten Thema eines anderen Gastes.

Die Sendung lebt von ihrer Kurzweiligkeit und der Themenvielfalt, aber auch von der Gedanken- und Meinungsfreiheit unserer wortstarken Gästerunden. Eine Mischung, die in der heutigen Fernsehlandschaft ein Alleinstellungsmerkmal ist.

VIERTEL NACH ACHT ist das „Reich der Freiheit“ im deutschen Fernsehen.

Ich bin ratlos, ihr merkt das vielleicht auch.

Und dann die Absage von Wissing. Hier die Pressemitteilung dazu. 

https://www.klimabuchmesse.de/pm-22-06-10-absage-wissing/

Ich finde es völlig ok, wenn Minister keine Lust auf so eine Veranstaltung haben. Ich finde es ok, wenn sie Ausreden erfinden und Ersatz schicken. Aber sich diese Mühe nicht zu machen, irritiert mich.

Und dann noch solche Details in einem Spiegelartikel. 

Gefreut habe ich mich aber über diesen Artikel in der taz.

Der Artikel greift so viele Aspekte auf, die mich umtreiben. Privilegien, bezahlbare und sichere Mobilität - lest mal rein!

https://taz.de/Soziale-Gerechtigkeit-und-Bahnfahren/!5856589&s=Frau+und+M%C3%A4dchen+haben+ein+Recht+darauf/

Ich bin zufrieden mit meinem Vortrag. Ich habe diesen komplett freestyle gehalten, weil die Tage zuvor einfach so überwältigend waren.

Volker war auch da. Er sprach aber erstmal eher über Digitalisierung.

Urteilt selbst :) Ich glaube, ich habe slightly weniger abgelesen?

https://www.youtube.com/watch?v=X98W6zrUek0

Oder schaut wichtigere Beiträge.

Wie Alice Hasters.

"In Anbetracht der Weltlage wird immer klarer: Die Gesellschaft kommt an einem radikalen Wandel nicht vorbei. Wir brauchen dringend eine Revolution! Das Problem ist nur: Niemand hat die Energie dafür. Vielleicht ist es Zeit für einen Perspektivenwechsel: Was ist, wenn die Revolution zunächst nicht in Aktivierung, sondern in der Erschöpfung liegt?"

https://www.youtube.com/watch?v=9hIVuGAqntw

Oder Maja Göpel.

"Unser Fenster zur Zukunft steht offen wie nie. Mit dieser Haltung ist Strukturwandel keine Zumutung, sondern eine Chance. Es ist Zeit, dass wir – jeder Einzelne von uns, aber auch die Gesellschaft als Ganzes – uns erlauben, neu zu denken, zu träumen und eine radikale Frage stellen: Wer wollen wir sein?"

https://www.youtube.com/watch?v=Ylql_4epV-Y

Und ich frage mich: Wie traurig ist es eigentlich, dass wir unsere Städte so gefährlich und  hässlich durch Autoverkehr gemacht haben, dass wir sie nur noch mit dem  Auto durchqueren wollen.

2007:

Und es gab noch einen Text zu Wut im FR-Magazin.

Und ansonsten schaut mir hier rein:

https://www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/sind-frauen-bei-der-mobilitaet-benachteiligt,T7QU7ZW

Klimawandel ist ein Problem, das wissen wir. Aber wir fühlen es nicht -  weil es uns in Europa erst irgendwann in der Zukunft so richtig treffen  wird. Es ist also ein Luxusproblem. Um Klimaschutz kümmern wir uns, wenn  alle wichtigen Probleme gelöst sind ... Dass Fridays for future in  ärmeren Ländern aber eher "for present" gilt, löst bei den meisten hier  nicht ausreichend Betroffenheit aus, um sich wirklich einzuschränken  oder Veränderungen einzufordern. Wie wäre es, wenn wir also nicht auf  persönliche Betroffenheit, sondern auf Altruismus und ein globales  Verantwortungsgefühl setzen? Wie kann das klappen?

https://www.hr-inforadio.de/podcast/studio-komplex/klimawandel-ist-ein-luxusproblem,podcast-episode-103590.html

Ich wünsche euch einen guten Wochenstart morgen!

Eure Katja

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