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Der 30. Juni in der Geschichte

296 – Marcellinus tritt seine Arbeit als Papst an. Er ist auch der erste Bischof von Rom, für den die Bezeichnung »Papst« nachweisbar ist. Außerdem fing der damalige römische Kaiser dann an, doch mal wieder die Christen zu verfolgen, weswegen er wahrscheinlich irgendwann sagte »Nee, ich bin gar kein Christ mehr!«, um nicht von Löwen gefressen zu werden. Nachdem ihn andere Christen dann aber von oben bis unten musterten, gab er schließlich zu, dass er doch Christ war und starb dann doch noch eines unschönen Todes. Also eigentlich eher einer von den »Na ja, ging so«-Päpsten.

1520 – Um die aufständische aztekische Bevölkerung zu beruhigen, schleifen die Spanier den aztekischen Herrscher Moctezuma II. aus dem Gefängnis. Dummerweise bewerfen ihn die Azteken allerdings so sehr mit Steinen, dass er am Kopf getroffen wird und am Ende daran stirbt. Allerdings vermuten die Azteken hinterher auch, dass die Spanier ihn umgebracht haben, was sie nur noch ungehaltener macht. Die Spanier, denen die Situation langsam zu heikel wird, beladen sich und ein paar Pferde noch ordentlich mit Gold und versuchen in der Nacht zu fliehen. Ein paar von ihnen ertrinken dann, zu schwer beladen und recht symbolisch, im Wasser. Am nächsten Morgen sind von 1300 spanischen Soldaten nur noch 425 übrig, fast 2000 tlaxcaltekischen Krieger, die auf Seiten der Spanier kämpften, tot und der größte Teil des Goldes im Texcoco-See versunken.

Am Ende lachen doch die Spanier: Einer der spanischen Soldaten hatte die Pocken mitgeschleppt, die in den darauffolgenden Jahren die Azteken dahinraffen. Als die Spanier ein Jahr später zur Rache zurückkommen, braucht man auch nicht lange, um die Stadt zu erobern.

1559 – Heinrich II., König von Frankreich, findet es so super, dass endlich Ruhe ist, nachdem er Friedensverträge mit Spanien und England geschlossen hat. Aus diesem Grund richtet er ein Turnier aus und nimmt selbst daran teil. Beim Tjost – sprich: Zwei Ritter reiten mit Lanzen aufeinander zu und versuchen sich vom Pferd zu stoßen – bricht die Lanze seines Gegenübers ab, dringt durch den Schlitz des Helmvisiers in sein Auge und durchbohrt es bis ins Gehirn. Der König lebt zwar noch, stirbt aber unter schlimmsten Schmerzen zehn Tage später. Hinterher fiel dann der Tjost irgendwie außer Mode. Merkwürdig.

1764 – Der erste behördlich registrierte Angriff der »Bestie von Gévaudan« findet statt. In den folgenden drei Jahren werden in der Gegend in Südfrankreich fast 100 Frauen, Kinder und Jugendliche getötet und zerfleischt, die als Opfer der Bestie gelten. Auf das Tier, das immer wieder Jägern entgeht, wird vom König ein Kopfgeld von 9.000 Livres ausgesetzt, was damals etwa einem Wert von 100 Pferden und einem Hamster entsprach. Schließlich erschießt man etliche Wölfe und behauptet, dass diese die Bestie waren. Wirklich genau weiß man es bis heute nicht. Vermutungen gehen dahin, dass es vielleicht sogar eine aus Afrika eingeführte Tüpfelhyäne war. Oder ein Werwolf. Jedenfalls ist das alles mysteriös genug, dass darüber etliche Bücher geschrieben und Filme gedreht werden, so u.a. der Streifen »Pakt der Wölfe« von 2001.

1905 – Albert Einstein gibt seine dritte von fünf Arbeiten im »Annus mirabilis« (Wunderjahr) der Physik ab. »Zur Elektrodynamik bewegter Körper« begründet die Spezielle Relativitätstheorie. Dazu macht Einstein ein Gedankenexperiment, in dem ein Zug in einen Bahnhof fährt und verschiedene Leute das beobachten und ... sagen wir einfach, dass Einstein auch nicht erklären kann, weswegen die Deutsche Bahn andauernd zu spät kommt.

1908 – Im sibirischen Gouvernement Jenisseisk, der heutigen Region Krasnojarsk, ereignen sich ein oder mehrere Explosionen, deren genaue Umstände bis heute nicht geklärt sind. Noch in über 500 Kilometern Entfernung wurden ein heller Feuerschein, eine starke Erschütterung, eine Druckwelle und ein Donnergeräusch wahrgenommen, unter anderem von Reisenden der Transsibirischen Eisenbahn. Da die Gegend aber spärlich besiedelt ist, wird lediglich von ein paar getöteten Rentieren und zwei menschlichen Opfern geredet. Außerdem hat man deswegen keine verlässlichen Zeugenaussagen. Aus diesem Grund wird wild drauflos spekuliert, was nun der Auslöser für 60 Millionen umgeknickter Bäume war. Wahrscheinlichste Erklärung: Ein Asteroid oder Komet kam in die Erdatmosphäre und explodierte. Unwahrscheinlichste Erklärung: Ein außerirdisches Raumschiff ist explodiert. Natürlich mögen viele Leute die unwahrscheinlichste Erklärung. Nach einem Fluß in der Nähe wird das Ganze bis heute als Tunguska-Ereignis bezeichnet.

1923 – In Kassel wird das weltweit erste Tapetenmuseum eröffnet. Vermutlich auch das Letzte. Die Ausstellung »Die schönsten Raufasertapeten des 20. Jahrhunderts« lockt nicht so viele Leute hinter dem Ofen hervor wie, sagen wir mal, eine Picasso-Ausstellung.

1972 - Erstmals wird eine Schaltsekunde ans Tagesende angefügt, um die offizielle Zeit mit der mittleren Sonnenzeit zu synchronisieren. Am nächsten Tag fühlen sich alle Leute auf der Welt unausgeschlafen, denn so eine Zeitumstellung nimmt einen doch ganz schön mit.

1997 – Großbritannien gibt nach Ablauf der vereinbarten Pachtzeit von 99 Jahren Hongkong an die Volksrepublik China zurück. Die Einwohner von Hongkong sind natürlich total begeistert einem totalitärem Regime beizutreten und es gibt danach überhaupt keine Probleme. Echt nicht. Gar nicht. Da ist von stund an alles tuffig und super gewesen. Wer was anderes behauptet, lügt einfach nur und muss ins Arbeitslager. Oder so.

2017 – Der Deutsche Bundestag beschließt mit deutlicher Mehrheit die Einführung der »Ehe für alle«. Es hat »nur« 17 Jahre im 21. Jahrhundert gebraucht, bis Leute mal auf die Idee kamen, dass auch Homosexuelle heiraten dürften. Selbst das erzkatholische Spanien hatte das auf den Tag genau 12 Jahre vorher schon gesetzlich verankert.

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