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Der 11. Mai in der Geschichte

415 v.Chr. – Über Nacht werden in der Stadt Athen fast allen Statuen des Gottes Hermes der Kopf abgeschlagen, ausgerechnet kurz vor dem Auslaufen der Schiffe gegen die verfeindeten Spartaner, die man auf Sizilien stellen will. Ein ganz schlechtes Omen für die Mission. Verdächtigen tut man den Feldherren Alkibiades, weil dieser ein – wie sagt man das möglichst neutral – recht ausschweifendes Leben führte. Er ist zwar verheiratet, schnackselt sich aber durch die Gegend, weil er attraktiv und rhetorisch begabt ist. Und ein Ego vor dem Herrn hat er auch noch. Die Athener lassen ihn zunächst ziehen, wollen ihn dann aber anschließend verklagen. Alkbiades riecht den Braten, dass man ihn ans Messer liefen will, und flüchtet: ausgerechnet zum Gegner Sparta. Dort wird er dann wieder General, der gegen seine alte Heimat kämpft, bis die Spartaner sagen: »Wartet mal, wenn der schon seine Heimat verraten hat, warum dann nicht auch uns? Vielleicht sollten wir den lieber umbringen.« Also flüchtet Alkibiades zum zweiten Mal. Diesmal zum gemeinsamen Feind von Griechenland: Persien.

Ach ja: Wahrscheinlich war er das mit den Köpfen nicht mal.

330 – Nach sechs Jahren wird der Umbau von Byzantion fertig – mehr oder weniger. Zumindest weiht man die neue Hauptstadt des Römischen Reiches ein, die Stadt, die der römische Kaiser Konstantin gerne »Neues Rom« nennt. Bis irgendwer meint: »Ey, nach griechischem Brauch müssten wir die Stadt eigentlich nach dem Gründer bennen. Was haltet ihr denn von Constantinopolis?«

Konstantin darauf: »Schmeicheln und Arschkriechen kommt immer gut an. Konstantinopel dann also.«

Ein paar Jahrhunderte später kommen die Osmaen und wissen nicht, wie man den Namen richtig ausspricht: »Konstanpel? Instanpel? Istanbul?« Bei letzterem Namen bleibt es dann.

1189 – Von Regensburg aus bricht Friedrich I. Barbarossa mit einem mehrtausendköpfigen Heer zum Dritten Kreuzzug auf. Spoiler-Alarm: Es läuft nicht gut.

1812 – Auf dem Weg zum Palace of Westminster wird der britische Premierminister Spencer Perceval erschossen. Der Attentäter, ein Engländer, hatte zuvor in Russland in Haft gesessen und mehrmals appelliert, dass er für die Zeit im Knast doch eine Kompensation bekommen sollte. Nachdem das keinen kümmerte, sagte er sich: »Ach, dann bringe ich halt den Premier um.« Es handelt sich um das bisher einzige erfolgreiche Attentat auf einen britischen Premierminister.

1832 – Weil die Nachfrage nach frischen Leichen, die man dann sezieren konnte, offensichtlich hoch ist, wird in Großbritannien ein Anatomiegesetz verabschiedet, welches vor allem dafür sorgen soll, dass kein Leichendiebstahl mehr stattfindet. Der Bedarf an frischen Leichen war sogar so hoch, dass ein paar Leute extra andere Menschen umbrachten, um die Leichen teuer zu verkaufen. Jetzt einigt man sich darauf, dass die Ärzte einfach die Leichen untersuchen dürfen, bei denen kein Angehöriger sich meldet.

1878 – Der Sozialist Max Hödel versucht, den deutschen Kaiser Wilhelm I. mit einem Revolver zu erschießen. Aber anscheinend ist er kein guter Schütze, denn er trifft weder den in einer offenen Kutsche sitzenden Kaiser noch irgendeinen seiner Begleiter. Dafür wird er umso schneller von Schutzmännern festgenommen, wegen Hochverrats zum Tode verurteilt und drei Monate später hingerichtet. Das Besondere dabei: Das Richtbeil ist eine Kopie eines älteren Richtbeils aus einem Museum und wird hier zum ersten und einzigen Mal benutzt. Nach der Enthauptung kommt das Beil wieder zurück ins Museum.

1949 – Siam ändert seinen Namen endgültig in Thailand, nachdem es sich gerade erst zehn Jahre zuvor von Thailand in Siam umbenannt hatte. Das Volk kratzt sich im Kopf, die Kartenhändler reiben sich die Hände.

1959 – Der weibliche Flachlandgorilla »Fatou« kommt im Berliner Zoo an. Da Fatou aus der freien Wildbahn stammt, kann man das Alter nur schätzen, aber vermutlich ist sie zum damaligen Zeitpunkt zwei Jahre alt. Da sie heute, Stand 2020, immer noch lebt, macht das Fatou mit 63 Jahren zum ältesten dokumentierten Gorilla der Welt. 

1974 – Indien startet seine zweite Welle von unterirdischen Atomversuchen, frei nach dem Motto: »Schaut mal, wie schön wir auch bei uns die Gegend verstrahlen können!«

Der Nachbar Pakistan, der ohnehin nicht gut auf Indien zu sprechen ist, darauf: »Scheiße, jetzt müssen wir ja auch Atomwaffen bauen. Na, schönen Dank auch!«

1981 – Das Musical »Cats« von Andrew Lloyd Webber und Trevor Nunn wird im New London Theatre im Londoner West End uraufgeführt. So richtig versteht zwar niemand, worum es in dem Stück eigentlich geht, aber es wird trotzdem zum längstgespielten Musical aller Zeiten.

1997 – Nach sechs Spielen schlägt der Schachcomputer »Deep Blue« in der letzten Partie den amtierenden Schachweltmeister Garri Kasparow. Es ist das erste Mal in der Geschichte, das ein Computer gegen einen Schachweltmeister unter Turnierregeln gewinnt. Dabei ist das Ganze irgendwie total symbolisch, weil kurz darauf die künstlichen Intelligenzen die Macht übernehmen. Oder so.

2001 – Der britische Schriftsteller Douglas Adams, hauptsächlich bekannt für seine Reihe »Per Anhalter durch die Galaxis« stirbt in Kalifornien. Neben den Anhalter-Büchern schrieb er u.a. mehrere Geschichten für »Doctor Who« und einige Sketche für »Monty Python’s Flying Circus«. Zwei Tage vor seinem Tod wurde dem Wissenschaftsfan und »radikalem Atheisten« eine besondere Ehre zuteil: Ein Asteroid wurde nach seiner Romanfigur Arthur Dent benannt. 2005 dann auch ein Asteroid nach ihm selbst.

2002 – Genau 21 Jahre nach der Uraufführung erfolgt die letzte Aufführung von »Cats«. Leute wissen immer noch nicht, um was es genau geht. »Die wollen da eine Katze umbringen und feiern das? Oder wie jetzt?«

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