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Guten Tag, werte Lesende!

Nach meinem Einsatz bei Maybrit Illner habe ich kurz mit dem Hamburger CDU-Vorsitzenden Christoph Ploss geplaudert. Seitdem halte ich Friedrich Merz für einen Hipster. Diese bezaubernde Jungwählerin hat den Abend präzise zusammengefasst. 

Sonne/Mond, Yin/Yang, Ploss/ich – geht es nicht immer um Balance, Ausgleich, das Integrieren widerstrebender Energien? Wird Christian Lindner also in eine rote Ampel eintreten, um RotGrünRot zu verhindern und Deutschland in Balance zu halten? Lieber schlecht regieren als schlechter? 

Angesichts aktueller Koalitionsvorabanalysen hier das große Sponti-Ratespiel. Es folgen vier Wikipedia-Auszüge, drunter finden sich vier Namen. Wer ist wer? 

1. "Während seines Studiums (1977) war er für die Sozialistische Bündnisliste (SBL), einen Zusammenschluss aus maoistischem (Öffnet in neuem Fenster) Kommunistischem Bund (Öffnet in neuem Fenster) (KB), Mitgliedern der trotzkistischen (Öffnet in neuem Fenster) Gruppe Internationale Marxisten (Öffnet in neuem Fenster) (GIM) und weiteren linksradikalen Studenten, Mitglied im Fachschaftsrat (Öffnet in neuem Fenster) Sozialwissenschaften.)"

2. "Ab 1982 war sie Managerin der Politrockband (Öffnet in neuem Fenster) Ton Steine Scherben (Öffnet in neuem Fenster) um Rio Reiser (Öffnet in neuem Fenster) und lebte während dieser Zeit mit ihrem Freund, dem Keyboarder Martin Paul, und der Band in einem Bauernhaus in Fresenhagen (Öffnet in neuem Fenster) in Nordfriesland). "

3. "Bis 1975 war er Mitglied der linksradikalen (Öffnet in neuem Fenster) und militanten (Öffnet in neuem Fenster) Gruppe Revolutionärer Kampf (Öffnet in neuem Fenster). Er beteiligte sich an mehreren Straßenschlachten mit der Polizei („Putzgruppe (Öffnet in neuem Fenster)“), in denen Dutzende von Polizisten zum Teil schwer verletzt wurden. Ein Foto vom 7. April 1973 zeigt den mit einem schwarzen Motorradhelm Vermummten und Hans-Joachim Klein (Öffnet in neuem Fenster), später Mitglied der Revolutionären Zellen (Öffnet in neuem Fenster) (RZ), wie sie gemeinsam auf einen Polizisten einschlagen. Es gibt von dem Geschehen auch einen Reportagefilm, der an diesem Tag für die Tagesschau (Öffnet in neuem Fenster) gedreht wurde und die Szene in bewegten Bildern zeigt. ) 

4. "Seit dem 3. Juni 1967 leistete er als Rechtsreferendar seine Anwaltsstation im Anwaltsbüro von Horst Mahler (Öffnet in neuem Fenster) ab. Ab 1970 übernahm er die Verteidigung von RAF (Öffnet in neuem Fenster)-Angehörigen, u. a. Andreas Baader (Öffnet in neuem Fenster). 1975 wurde er wegen Missbrauchs der Anwaltsprivilegien noch vor Beginn des Stammheim-Prozesses (Öffnet in neuem Fenster) von der Verteidigung ausgeschlossen. 1980 wurde er von der 2. Großen Strafkammer beim Landgericht Berlin (Öffnet in neuem Fenster) wegen Unterstützung einer kriminellen Vereinigung (§ 129 Abs. 1 Strafgesetzbuch) zu einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten auf Bewährung verurteilt, da er am Aufbau der RAF nach der ersten Verhaftungswelle 1972 mitgearbeitet habe und in das illegale Informationssystem der RAF involviert gewesen sei. Dieses Urteil wurde 1982 von der 10. Großen Strafkammer des Berliner Landgerichts auf zehn Monate reduziert."

Zur Auswahl stehen Joschka Fischer, Hans-Christian Ströbele, Claudia Roth, Philipp Amthor und Jürgen Trittin. In der rotgrünen Regierung von 1998 bis 2005 unter Kanzler Schröder waren vier von ihnen Stützen der Koalition, allemal zuverlässiger als CSU-VertreterInnen. Zum Vergleich: die schwarzgelbe Regierung 2009 bis 2013 war eine ziemliche Underperformerin, um schon mal FDPisch zu üben. Wir lernen: Auf die Akteure kommt es an, nicht so sehr auf ihre Parteien. Balance halt.

Bevor es losgeht, noch rasch was in eigener Sache. Die fast wöchentlichen Buchverlosungen (siehe Nummer 6) finden ab sofort nur noch unter meinen Harcore-Fans bei Steady statt; die Gewinnquote beträgt derzeit sportliche 1:13. Platin-Freunde, wenn Ihr ein geiles Fleisch-Buch wollt – einfach mailen. 

Steady, Steady, da war doch was... Richtig, das hier:

Spaß an Schumachers Woche?  Für alle, die meine Arbeit unterstützen möchten und können, gibt's hier (Öffnet in neuem Fenster) die Möglichkeit. Diese Woche verlose ich unter allen Steady-Freunden ein auf Wunsch signiertes Exemplar von Kein Netz. (Öffnet in neuem Fenster)

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Ach, und noch eine Bitte/Frage: Ich würde gern dosiert Kommentare wunderlicher KollegInnen ins Programm nehmen, diese Woche von Johannes Funke, der bei ARD, ZDF, TELE 5, Sat1, ProSieben, Filmhaus München, Bertelsmann Multimedia, Bravo tv, Cinema tv gearbeitet hat, seine eigene Agentur „JFK“ (Johannes Funke Kommunikation) betrieb, den Deutschen Filmpreis gewann und acht Jahre die Wurstinsel auf Sylt leitete. Mehr davon oder weg damit? 

Viel Spaß!

Der Laschet der Woche

Auf der Funke-Mediennacht bat ich Leslie Mandoki um ein Selfie. Herr Mandoki, zu dem ich jetzt "Leslie" sagen darf, stimmte zu. Hinterher war auf dem Bild noch ein Dritter zu sehen, der sich unbemerkt ins Bild gedrängelt hat, neudeutsch: Photobombing. Na warte: Wenn Joe Biden auf Antrittsbesuch ist, mache ich das auch. 

Ärgernis der Woche

Wenn JournalistInnen mit der Kamera ausdauernd auf peinliche Situationen lauern, wenn mäßig ironische Texte drüber geprochen werden, wenn es nicht ein einziges Mal um Inhalte, sondern ausschließlich ums Bloßstellen geht, dann sind wir bei Boris Reitschuster. Oder bei Spiegel TV. Irreführender Investigativgestus,  plumpes Verächtlichmachen als Stilmittel, um in der nächsten Folge dann Politikverdruss zu begreinen. Billig. Dumm. Danke.

https://www.spiegel.de/politik/deutschland/bundestagswahl-wenn-der-wahlkampf-zur-satire-show-wird-spiegel-tv-a-bc02a327-cd09-405e-bab4-ea2dce529b50 (Öffnet in neuem Fenster)

Erstwähler der Woche

Die Reifeprüfung

Der Umschlag kam in diskretem Grau, aber er würde sein Leben verändern. Der Junge wird zum Bürger. Unsere demokratische Reifeprüfung. Der Antrag zur Briefwahl war erstaunlich niedrigschwellig gewesen: Smartphone auf QR-Code richten, am nächsten Tag war dieser Umschlag da. Deutsche, schaut auf Eure Hauptstadt. Hier klappt manchmal doch was. 

Bislang durfte das Kind nur Klassensprecherinnen oder eins von zwei kleistrigen Schulessen wählen. Jetzt, zum ersten Mal, ein echtes kommunales Parlament, das von Tempelhof-Schöneberg. Überm Küchentisch ein Hauch von Mai ´49.

Ohne Anzeichen von Rührung klamüsert der Junge den roten und den blauen Umschlag so wie den orangenen Stimmzettel auseinander. Vor das Kreuz hat der Wahlleiter den Wahlschein gelegt, ein Dokument wie Stonehenge – viele geheime Botschaften. Fragender Blick. Nein, keine väterliche Wahlhilfe. 

Kapiert ein Elftklässler ohne Anleitung, was die Demokratie von ihm will? Suchen nach dem Absender. „i.A. Malek“, liest der Junge. Wer ist Malek? Herr? Frau? Div? Man weiß es nicht. Zum Glück liegt eine Kurzanleitung bei, mit Bildern. Aha, einfach unterschreiben. Danke, Malek.

Nun der feierliche Moment. Das erste Kreuz, aber nur eins, wie bei Brian. Zur Vorbereitung hatte unser Erstwähler den Wahlomaten befragt. Die Maschine hatte ihm zur Rentnerpartei „Die Grauen“ geraten. Hat das Kind an seine zunehmend gebrechlichen Eltern gedacht? Wie rührend.

Sorgsam geht der Junge alle 15 angebotenen KandidatInnen durch. Zwei fallen sofort durch - „die wählen welche aus meiner Klasse.“ Abgleich mit den Plakaten in unserer Straße. Ich schweige, was mir ohnehin schwer fällt, aber nie schwerer als in diesem Moment. „Allgemein, unmittelbar, frei, gleich und geheim“, habe die Wahl zu sein, so fordert das Grundgesetz. 

Ich halte die Hand vor die Augen, als sein Stift niedergeht. Natürlich linse ich durch die Finger. Erleichterung. Vielleicht nicht meine Wahl, aber eine gute, demokratische. Diese Reifeprüfung ist bestanden. 

Mit freundlicher Genehmigung der Berliner Morgenpost

Politiker der Woche

Nach 12 Klartexts und 17 Arenen war ich etwas satt von den künftigen Regierungskünstlern. Das kann doch nicht alles sein. Wo sind die frischen, neuen, unorthodoxen Ansätze aus der Region, die das Konventionelle da oben gleichsam ausbalancieren? Wir sind die BundestagsbewerberInnen aus unserem Wahlkreis durchgegangen und stießen auf Martin Ullrich, Vertreter der Tierschutzpartei, der noch nie ein Interview gab. Wir präsentieren in unserem Mutmach-Podcast also eine Weltpremiere. Bonustrack: Wir lernen ein neues Wort: "speziistisch".      

Triell fou: Suse, ich und der Martin (Öffnet in neuem Fenster)

Erschöpfung der Woche

Noch mal Maybrit Illner. Irgendwer hat mich vom Bildschirm weg fotografiert, als der frühvergreiste Christoph Ploss zum Bulllshitbingo lud (Innovation, Mittelstand, Jobs, Steuern ...).  

Wurst der Woche

Aus Balancegründen kommt nach dem netten Veganer von nebenan auf Platz 4 nun Fleisch. Viel Fleisch. Echtes Fleisch. Klaus Reichert ist ein freier Kollege aus Frankfurt, der unter anderem ein Bestattungshaus kommunikativ berät und sich auch sonst mit totem Fleisch auskennt. Denn er stammt aus einer Metzgerfamilie; Bruder Thomas hat den Familienbetrieb übernommen.  "Fleisch ist mir nicht wurst", heißt dem Klaus sein Buch, Untertitel: "Über die Wertschätzung unseres Essens und die Liebe meines Vaters zu seinem Beruf."  

Hier sehen wir Klaus, Thomas und Papa Willi. Das Buch, echt lustig und herzenswarm, wird unter allen Steady-Unterstützenden verlost.

PS1: Vorder- und Hinterhesse sind keine geografischen Zuschreibungen.

PS2: Guckt Euch mal den Bully im Hintergrund an. T2, oder?

Kunstwerk der Woche

Sollte jemand die Artweek in Berlin besuchen – unbedingt zur Außenstelle nach Wilhelmsruh fahren, am besten mit der S-Bahn. Geht schnell und die Hallen sind in Schlenderweite. Beim Betrachten des Kunstwerks fiel mir ein quietschendes Fiepen auf, das ich, Kunstprofi, natürlich sofort als Soundinstallation identifizierte. Dabei war es der Handwerker auf dem Dach, der mit dem Akkuschrauber für Dichtigkeit sorgte (ganz oben im Bild). Kunst und Handwerk – seit jeher zwei Disziplinen, die in Balance zu sein haben, wie dieser Newsletter eindrucksvoll beweist. 

So, und nun der Testlauf für Gastkommentierende, die idealerweise gar nicht meine Meinung teilen, aber aus Gründen der Balance gerne auftreten dürfen. Bitte lasst mich wissen, ob sowas künftig gewünscht ist oder Schumacher allein mehr als reicht.

Hier der offene Brief des Filmproduzenten Johannes Funke, Jobstationen siehe oben, an den geschätzten Kollegen Stefan Niggemeier, dessen Blog "Übermedien" sich mit der Sache El Hassan befasste, also der Teilnahme der hoffentlich künftigen Quarks-Moderatorin Nemi El-Hassan vor sieben Jahren an einer Al-Quds-Demo. Geärgert hat sich Funke über das Reduzieren der Vergangenheit Joschka Fischers auf einen Satz (“... auf einer Demo einen Polizisten verprügelt ...“) und die Behauptung, dass eine militante Vergangenheit nichts über die Eignung für eine spätere Karriere aussage. 

Sehr geehrter Herr Niggemeier,
es tut mir leid, so etwas schreiben zu müssen (kann nicht mehr kommentieren, da ich nicht mehr Übonnent bin), aber wenn ich mir einen Artikel wie den von Herrn Reisin über Frau El Hassan durchlese, bin ich fast froh, mein Geld nicht in Übermedien zu stecken oder gesteckt zu haben.
Was mich stört, ist diese dämliche Verharmlosung und Relativierung der ehemaligen (Straf)taten von Joschka Fischer. Es weiß ein Jeder, der sich mit der damaligen Frankfurter Szene einigermaßen auskennt, bzw. ein wenig damit beschäftigt hat, welche Rolle Joschka Fischer damals gespielt hat.
Im Text steht: „Wir erinnern uns…  es folgt eine Formulierung über das, was im StGB (§ 224) nicht unter sechs Monaten Freiheitsentzug bis zum Höchstmaß von 10 Jahren geahndet wird. Und zwar nur Freiheitsstrafe – Geldstrafe ist da nicht...„bei einer Demo einen Polizisten verprügelt“. Das liest sich fast, als ob es so harmlos wäre, dem Kontaktbeamten im Kiez eine zu knallen (Ohrfeige).
Diese Relativierung wird auch nicht dadurch besser, dass ein Link zu Wikipedia eingefügt ist. Dort stehen auch nur die Dinge, die nicht zu leugnen sind – oder relativ teure Rechtsanwälte verhindert haben. Jemandem etwas nicht nachweisen zu können – der dann rechtsstaatlich straffrei ausgeht (was rechtsstaatlich richtig ist) – bedeutet noch lange nicht, dass tatsächlich nichts passiert ist.
Hat die „Putztruppe“ in Frankfurt zur Aufbesserung des Taschengeldes ein paar Autos am Wochenende gewaschen? Nein. Putz heißt im Slang soviel wie Randale, das TZ steht aber auch für Terror und Zerstörung. Ich dachte immer, die Grünen wollen die Umwelt schützen.
Und schließlich zu einer Formulierung, die wirklich bestürzend falsch ist. Bei Joschka war es eine „Jugendsünde“, die verzeihlich ist, und nicht an die berufliche Eignung geknüpft werden kann? Entweder habe ich das alles falsch verstanden, oder Ihr Autor geht mal an die frische Luft. Fragen Sie mal normale „jugendliche Straftäter“ in Sachen Eignung bei der späteren Jobsuche.
Letzte Bemerkung: Googeln Sie bitte "Jürgen Weber" – nicht Lufthansa - sondern Polizei Frankfurt. Schon mal drüber nachgedacht, dass wir Gestalten wie Joschka und Kollegen den eigentlich existierenden „Starken Staat“ zu verdanken haben? Na gut, den Einsatz der Bundeswehr im Ausland auch… vor zwanzig Jahren.
Was denke ich zu Frau El Hassan? Dumm und naiv damals, aber lange nicht so schlimm, was Joschka gemacht oder gefördert hat – eine kräftige Abmahnung sollte reichen. Ich mag diese Cancel Culture nicht.
Herzliche Grüße
Johannes Funke

Ein wunderbar ausbalanciertes Wochenende wünscht
Hajo Schumacher

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