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PBN-Labor #17 mit Kindern, Geschichte und Papa Weidt

Liebe alle,

wie ihr wisst und immer wieder in der Betreffzeile lest, sind wir bis zu den Sommerferien noch im Labor-Modus.

Das heißt, wir probieren Dinge aus, und ihr sagt, ob’s Euch gefällt oder lieber zurück soll in die Kiste, in der schon Entsafter, Poncho und Fitnessstudio-Abo liegen und auf der steht: Theoretisch eine super Idee, aber praktisch nichts für den Alltag.

Heute möchte ich gerne wissen, was ihr thematisch von uns erwartet? Sollen es immer nur die total lokalen Infos sein, wer wo was baut, plant, veranstaltet? Oder dürfen es auch mal Themen sein, die ebenso in überregionalen Medien landen könnten, aber halt hier besonders relevant sind, etwa weil in Prenzlauer Berg viele Kinder und viele historische Gedenkorte liegen?

Also zum Beispiel sowas (Achtung, bitte anschnallen, es folgt ein krasser Themenwechsel, nach der Werbung):

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Fußballfilme und Endspiel live im Colosseum, 14.7., ab 12.30 h

Am Endspieltag der Fußball-EM wird das Colosseum Kino Berlin Teil des kulturellen Rahmenprogramms und bietet ein einzigartiges Erlebnis.
Freut euch auf eine Auswahl an Fußball-Filmen, die die schönsten und bewegendsten Geschichten rund um den Fußball erzählen als Einstimmung aufs Endspiel. Anschließend schauen wir gemeinsam live das Finale.

Veranstaltungsdetails und gratis Tickets hier (Öffnet in neuem Fenster).

Thema der Woche: Geschichte kinderleicht

Worum geht’s?

Meine Tochter ist noch nicht drei. Wir stehen an der Bernauer Straße, sie zeigt auf die Stahlstelen der Mauergedenkstätte und fragt: “Was ist das?”

“Das ist kompliziert. Aber schau mal, da kommt die Tram”, sage ich.

Wenn man nach Sternstunden der Pädagogik sucht: Das war keine.

Wann ist man alt genug, um von menschlichen Abgründen zu erfahren? Von Leute, die Mauern bauen, die schießen, die Gaskammern erfinden? Und wie vermittelt man das, ohne den Glauben an die Menschheit zu erschüttern?

Warum ist das wichtig?

Kinder sind neugierig und Berlin ist voller Geschichte. Der Mauerpark heißt Mauerpark, weil da die Mauer stand. Der Wasserturmplatz diente der SA 1933 als Konzentrationslager.

Kinder bewundern erstmal Stolpersteine, weil sie glitzern, und sehen das Holocaust-Mahnmal als Labyrinth. Wäre die Welt perfekt, könnten wir sie in diesem Glauben lassen. Doch wir leben in Zeiten, in denen der Pflichtbesuch in einer KZ-Gedenkstätte für Schüler:innen ernsthaft zur Debatte steht (Öffnet in neuem Fenster), weil Geschichtsbewusstsein die Basis für ein “Nie wieder” bilden kann.

Was sagt die Expertin?

Nina Dunker ist Professorin für Grundschulpädagogik an der Berliner FU. Ihr Sohn ist sieben Jahre alt und interessiert sich gerade sehr für den Krieg in der Ukraine. Sie kennt sich also aus vielen Gründen exzellent mit dem Thema aus und hat konkrete Tipps und Hinweise, wie man mit Kindern über Geschichte sprechen kann. Sie meint zu meinen Fragen:

Wann?

Kinder sind immer bereit, auch für schwierige Themen. Entscheidend ist, ob das Interesse dafür da ist. Einen Altersfahrplan gibt es also nicht. Wichtig ist immer, dass das Interesse vom Kind ausgeht. Ohne intrinsische Motivation ist es schwierig, etwas zu vermitteln.

Wer schon mal versucht hat, einen Teenager über ein “Ups, was für ein Zufall” herumliegendes Aufklärungsbuch in ein Gespräch zu verwickeln, weiß das.

Was?

Kinder können mit Geschichte besonders viel anfangen, wenn sie in Geschichten oder Biographien verpackt ist. Am besten schlägt man auch gleich den Bogen ins Heute: Damals wurden die Juden verfolgt. Heute sehen manche Flüchtlinge als Quell allen Übels.

Wie?

Keine Angst vor komplexen Themen! Wichtig ist aber, sich Schritt für Schritt vorzutasten und das Kind mitzunehmen, etwa mit Fragen wie “Verstehst du das?”, “Kannst Du Dir das vorstellen?” oder auch “Wie fühlst du dich damit?”. Gerade Letzteres ist wichtig, damit die Gefühlswelt mit den neuen Infos Schritt halten kann.

Negative Gefühle werden gerne weggedrückt und als schlecht abgestempelt. Hier kann man erklären, dass es auch völlig okay ist, sich überfordert oder traurig zu fühlen.

Außerdem ist es wichtig, authentisch zu bleiben und auch mal zuzugeben: “Ich kann dir das auch nicht erklären. Ich verstehe das auch nicht.”

Wie nicht?

Man sollte Kinder nicht überwältigen, zum Beispiel mit Fotos. Wenn man erstmal nur erzählt, bildet die Fantasie automatisch etwas, was das Kind verkraften kann. Zeichnungen sind noch nahe dran an der Fantasie. Fotos sind sehr wirkmächtig, was man einsetzen kann, dann aber bewusst.

Warum?

Geschichte ist ein Stück Kultur und die Aufgabe der Eltern ist es, auch das zu vermitteln. Natürlich steht Geschichte auch auf dem Lehrplan. Doch wie bei allen anderem Themen ist es auch hier gut, wenn die Eltern das zu Hause begleiten.

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Nina Dunker hat noch zwei Buch-Tipps:

Weiterschauen

Was meint ihr? Bitte stimmt ab:

🤩 Super, danke, bitte gerne auch mal sowas! (Öffnet in neuem Fenster)

🤬 Wir sind hier nicht die Nido, ich will Baustellen-Updates! (Öffnet in neuem Fenster)

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Machen

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Das Theater RambaZamba lädt zur Party in die Fanzone vor dem Reichstag, Eintritt frei (mehr (Öffnet in neuem Fenster)).

Jugend- und Familienfest zur UEFA Euro 2024, Samstag, 13.07., 12-18 Uhr

Fußballfest im Haus der Fußballkulturen am Jahn-Sportpark, Eintritt frei (mehr (Öffnet in neuem Fenster)).

Karaoke mit June und Micha, Samstag, 13.07, ab 20 Uhr

Alternative zum Mauerpark in der Kulturmarkthalle (mehr (Öffnet in neuem Fenster)).

Bilderbuchfest, Sonntag 14.07., 10-17 Uhr

Die Buchboxx lädt zur kleinen Bilderbuchmesse mit Musik, Basteln und Kinderschminden an den Helmholtzplatz, Eintritt frei (mehr (Öffnet in neuem Fenster)).

Vielen Dank fürs Mitlesen und Mitmachen und bis bald,

Juliane von den Prenzlauer Berg Nachrichten

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