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Folge 2: Hallo Welt, Hallo Wahn, Haloperidol

Die Entdeckung der ersten Arzneimittel zur Behandlung der Schizophrenie war ein medizinischer Meilenstein. Aber heute werden Haloperidol und Co. zu oft dazu missbraucht, anstrengende Pflegeheimbewohner ruhigzustellen. In der neuen Folge stellen sich die Arzneifunker Valle und Marius die Frage: Wie wollen wir alt werden?

https://soundcloud.com/pille-nicht-palle/folge-2-hallo-welt-hallo-wahn-haloperidol

Kennst du den Film, das Buch bzw. Theaterstück "Einer Flog über das Kuckucksnest"? In dem Klassiker von Ken Kesey lässt sich Randle McMurphy in eine psychatrische Anstalt einweisen, um sich einer Gefängnisstrafe zu entziehen. Dort erlebt er den Schrecken, der in vielen Irrenanstalten Mitte des 20. Jahrhunderts herrschte. Als er sich einmal zu oft daneben benimmt, wird an ihm ein psychochirurgischer Eingriff durchgeführt, will heißen: Die Ärzte zerstören sein Gehirn mithilfe eines Eispickel-artigen Instruments. 

Was klingt wie ein Horrorfilm, war bis in die 1970er-Jahre eine gängige Behandlung psychisch Erkrankter. Erst der breite Einsatz der neuen antipsychotischen Arzneimittel, deren Wirkung seit der 1950er Jahre bekannt war, verdrängte die grausame Methode. 

Heute bereiten Antipsychotika wie z. B. Haloperidol an anderen Stellen Probleme. Werden etwa demente Patienten im Altenheim unruhig, verordnen Ärzte schnell die Pillen, die die Patienten ruhig stellen. Oft geben sie damit dem Druck der Pflegekräfte nach, die für jede Entlastung dankbar sind.

Das Problem: Mit Haloperidol und Co. verdoppelt sich das Risiko der Patienten, zu versterben.

Eine aktuelle Recherche der New York Times deckte auf, dass 21 Prozent der US-Amerikanischen Pflegeheim-Bewohner dauerhaft Antipsychotika bekommen. In Deutschland sind es sogar bis zu 40 Prozent - zumindest in einem Fünftel der Pflegeheime. Wenig überraschend: Je weniger Geld und Personal ein Pflegeheim hat, um so mehr Antipsychotika müssen die Bewohner schlucken.

Eine Neuauflage von "Einer Flog über das Kuckucksnest" würde wahrscheinlich in diesen Heimen spielen. Wir haben in der neuen "Pille, nicht Palle!"-Folge diskutiert, was helfen könnte. Klar ist: Pillen sollten nicht dafür missbraucht werden, zu kompensieren, dass ein Gesundheitssystem an der Auslastungsgrenze steht.

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