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Folge 3: Placebo, die Apotheke im Kopf

Den Satz "Das wirkt nicht über den Placebo-Effekt hinaus" kennt wohl jeder. Aber was bedeutet das eigentlich? Beim Placebo spielen viele gelernte Muster zusammen und erzeugen so erhebliche Effekte, die physiologisch messbar sind. Wenn sich Heilberufler dessen bewusst sind, können sie Patienten helfen - ohne sie zu täuschen. 

Im Dezember kommt der neue Matrix-Film in die Kinos. War dir klar, wie viel der Film über die Pharmazie - genauer: den Placebo-Effekt - aussagt? Wahrscheinlich denkst du: Jetzt spinnen sie, Valle und Marius, das ist schon weit hergeholt. Jetzt leben sie in der Simulation, in der Matrix.

https://soundcloud.com/pille-nicht-palle/folge-3-placebo-die-apotheke-im-kopf?si=61e4192b9a324c6eb2325d15200ff1db

Wir sind noch nicht ganz abgedreht. Lies mal, was wir meinen: Nachdem Neo (gespielt von Keanu Reeves) erkennt, dass sein bisheriges Leben nur eine Simulation war, wird er vor die Wahl gestellt: Nimmt er die blaue Pille, vergisst er diesen ganzen Matrix-Quatsch und kann schön bequem die Lüge weiterleben wie bisher. Nimmt er aber die rote Pille, gelangt er zur Erkenntnis. 

Jetzt wirst du gespannt sein, wie wir den Bogen von der Matrix zurück zum Placebo spannen. Ein paar Absätze musst du dich noch gedulden.

Seit wir Kinder sind, haben wir gelernt, dass wenn wir krank sind, eine Handlung folgt: Entweder träufelt uns die Mutter ätherische Öle auf den Schlafanzug, oder wir gehen zum Doktor, der uns abtastet, wir bekommen Suppe zu essen und schlucken blauen Pillen. Diese Rituale hämmern wir uns ein und verbinden sie ein Leben lang unterbewusst mit Krankheit und Genesung. 

Treffen wir nun einen Postboten im weißen Kittel, essen wir eine Suppe und schlucken blaue Pillen, wird dies gezwungenermaßen einen Effekt hervorrufen, egal was der Postbote sagt oder in der blauen Pille steckt. Unser Hirn wird Dopamin ausschütten und unser Belohnungssystem aktivieren, es werden körpereigene Opioide ausgeschüttet, die den Schmerz lindern, zudem fällt unser Stress-Level. Dies ist die Matrix, die aus keiner Therapie wegzudenken ist: Der Placebo-Effekt. 

Um die Matrix aus der Therapie herauszurechnen, testet man neue Arzneimittel heute gegen Schein-Präparate, also Placebos. Wirken die getesteten Mittel über den Placebo-Effekt hinaus, haben sie eine Chance, später im Therapiealltag zu landen. 

Die Schein-Behandlung

Bei manchen Symptomen oder Krankheitsbildern kann es durchaus Sinn machen, eine Scheinbehandlung einem anderen Mittel vorzuziehen, zum Beispiel wenn keine wirksamen Medikamente vorhanden sind oder die Nebenwirkungen den Nutzen nicht überwiegen. 

Zurück zur Matrix: Wenn Mediziner oder Apotheker eine Scheinbehandlung erwägen, was sollen sie dem Patienten anbieten? Die blaue Pille, also die Lüge, und dem Patienten eine Wirkung vorgaukeln? Oder die rote Pille, und dem Patienten offen und ehrlich sagen, dass sich im Placebo kein Wirkstoff befindet, er aber dennoch helfen kann? Valle und Marius haben sich die aktuellen Studien zu dem Thema angeschaut und diskutiert, wie sie herangehen würden. Viel Spaß bei unserem Podcast! 

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With love, eure Lieblings-Apotheker Valentin und Marius

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