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NOMADS KAPITEL 9

Kapitel 9 

Geheimnachricht von Admiral Isaak Rosefield an Captain Daniel Perk.

Ich kontaktiere dich erneut in der Angelegenheit, über die wir so oft uneins waren. Ich weiß, wie du darüber denkst und dass du meinen Verdacht für gefährlich hältst. Das konnte mich jedoch nicht davon abgehalten, dich wiederum in dieser Sache anzusprechen und dir nun zu schreiben.

Wir konnten eine Funkmeldung aus dem Samaria Habitat abfangen. Es handelt sich um einen Hilferuf, der seltsamerweise über einen geheimen Kanal an Admiral Carter ging. Hier der kurze Wortlaut:

»Hier Samaria. Wir werden angegriffen. Lieferung in Gefahr. Kunde verärgert.«

Ich denke, der Inhalt in Verbindung mit dem Empfänger der Nachricht, dürfte auch dein Misstrauen erregen. Ich kann den Hilferuf nicht ewig zurückhalten, auch meine Möglichkeiten sind begrenzt. Aber ich kann dir einen Vorsprung verschaffen, bevor Carter eigene Einheiten auf den Weg schickt. Ich bitte dich - um unserer alten Freundschaft willen - mit der Zora nach Samaria zu fliegen und nachzusehen, was dort passiert ist. Wir müssen wissen, um was es sich bei der Ware handelt und wer die Kunden sind. Meine Vermutung kennst du ja, aber hier geht es um Beweise, mit denen ich die Flottenleitung wachrütteln und zum Handeln bewegen könnte. Zumindest den Teil des Oberkommandos, der nicht in die Sache involviert ist.

Nach einigen Minuten kehrte der Katana in Begleitung von zwei anderen Schiffen zurück. Kleine, unförmige Schiffe, mit schwerer Bewaffnung. Alleine ihre hohen Frontpartien zeigten ein beachtliches Sortiment an Plasmawerfern, Railguns und Lichtkanonen, installiert für Frontalangriffe. Der Katana ging in der Nähe nieder. Seine Begleitschiffe verharrten über ihm am Himmel.

Der Bootsführer der Esther meldete sich über das Intercom des ersten Offiziers und verkündete seinen Plan, die fremden Schiffe anzugreifen. Rosslin lehnte das ab und forderte ihn stattdessen auf, die Esther zu evakuieren. Es hatte keinen Sinn zu kämpfen. Das Beiboot der Zora war nicht in der Lage, einen wirkungsvollen Schlag zu führen, und würde vernichtet werden, sollte sich der Bootsführer entschließen, irgendeine sinnlose und dumme Heldentat zu begehen.

„Haben Sie mich verstanden, Woodman?“, knurrte Rosslin in das Intercom an seinem Handgelenk, als der Bootsführer mit der Antwort zögerte.

„Verstanden.“ Die Verstimmung des Mannes war trotz der verzerrten Wiedergabe des Sprechgerätes zu vernehmen. „Wir geben das Schiff auf.“

Nach einigen Minuten war der Befehl ausgeführt und die gesamte Mannschaft auf der kleinen Anhöhe versammelt. Sie standen nun einer abenteuerlich gekleideten Gruppe von Menschen gegenüber, die den Hügel zu ihnen heraufkam. Alle Männer und Frauen, die aus dem Katana gestiegen waren, trugen Kombinationen, die sie aus verschiedenen zusammenhangslosen Kleidungsstücken zusammengesetzt hatten. Einige besaßen leichte Panzerungen aus Semiplast oder Titan, die entweder bemalt oder mit bunten Stoffen überzogen waren. Bis auf einige Eigenkonstruktionen stammten ihre Waffen aus Militärbeständen, wie Dominic bemerkte. Die Menschen waren offenbar der Heimatschutz des Samariahabitats. Dieser ganze Zwischenfall musste ein Versehen sein, vermutete Dominic. Aber irgendetwas sagte ihm, dass er damit falschlag.

An der Spitze der Truppe ging ein Farbiger, dessen Haut so dunkel war, dass seine weißen, ebenmäßigen Zähne leuchteten, die er in einem überlegenen Lächeln zeigte. Die  Wangen des Mannes waren von goldenen Tätowierungen in keltischen Stil verziert und um seine breiten Schultern, die durch eine verchromte Footballspielermontur noch gewaltiger erschienen, wehte ein kurzer roter Umhang. Zwei Pistolen in ledernen Holstern, schienen die einzigen Waffen zu sein, die er bei sich trug. Er musterte Rosslin, während er mit seiner Crew näher kam.

„Ich darf Sie als meine Gefangenen begrüßen“, sagte er mit angenehm tiefer Stimme, als er den Hügel erklommen hatte und vor Rosslin stand. Er legte die Hände lässig auf die Griffe seiner Waffen. „Sie sind der Erste Offizier des Schiffes, das uns diesen unerwarteten Besuch abgestattet hat?“, stellte er fest und deutete dabei nach oben.

„Ich bin Frank Rosslin“, antwortete sein Gegenüber. „Und wie Sie treffend erkannt haben, bekleide ich den Rang eines Offizieres. Und wer sind Sie?“

„Ich bin Jonathan McIntire der Fünfte“, verkündete der Schwarze. „Ich bin Captain der Triss, die ihrem schönen Landungsboot so zugesetzt hat. Dürfte ich den Namen ihres Schiffes erfahren? Und wer Ihr Captain ist?“

„Das Sie überhaupt wagen, mir diese Frage zu stellen?“ Rosslin schüttelte den Kopf. „Ich werde Piraten keine Auskunft geben. Sie werden von keinem meiner Männer Namen, Rang oder Dienstnummer bekommen, wie das üblich wäre, würden wir regulären Truppen gegenüberstehen.“

Bei dem Wort Piraten zuckte Dominic zusammen. Sie waren von Perk zwar darauf vorbereitet worden, aber er hatte gehofft, sich einer solchen Begegnung noch nicht stellen zu müssen. Er bewunderte Rosslins Trotz, auch wenn er im Grunde genommen nutzlos war. Wenn McIntire wollte, würde er sämtliche Daten, die er haben wollte, aus dem Computer der Esther holen können.

„Ich werde einige Spezialisten an Bord schicken“, sagte der Pirat schließlich, als hätte er Dominics Gedanken gelesen. „In der Flotte der Freibeuter findet sich erstklassiges Personal, für jeden Zweck. Ich bekomme die Informationen, die ich brauche; verlassen Sie sich drauf.“

Dominic bemerkte, wie Rosslin einen Kommentar herunterschluckte, um den Piraten nicht zu provozieren.

„Waffen auf den Boden legen“, forderte Rosslin seine Mannschaft stattdessen auf. „Wir wollen keine Schwierigkeiten machen.“

Dominic hatte ein Problem damit, sein Gewehr aus den Händen zu geben und ins Gras zu legen. Es fühlte sich an, als müsse er sein letztes Kleidungsstück ausziehen. Er würde sich hilflos und ausgeliefert vorkommen, auch wenn er es gelernt hatte, mit Händen und Füßen zu kämpfen, und nicht unbedingt auf eine Waffe angewiesen war.

„Porter!“, donnerte Rosslin. „Haben Sie mich nicht gehört? Waffe runter.“

Dominic kam dem Befehl zögerlich nach und bemerkte, wie der schwarze Pirat, jede seiner Bewegungen verfolgte. Als er das Gewehr endlich in das hohe Gras gelegt hatte, fühlte sich Dominic, wie er es erwartet hatte. Es war ein extrem unangenehmes und peinliches Gefühl. Er musste gegen die aufkommende Scham und Panik ankämpfen. Es fühlte sich verdammt zwiespältig an, gerade zum Gefangenen geworden zu sein. Einerseits stachelte es seinen Ärger über die Situation an, so dass er die Piraten gerne angegriffen hätte, andererseits wäre er am liebsten davongelaufen.

„Braver Soldat“, kommentierte McIntire. „Ich war auch einmal ein braver Soldat. Bis ich meiner Respektlosigkeit erlaubte, mein Handeln zu bestimmen. Aber tröste dich. Es sind immer die Mutigen, die man zu ihrem Glück zwingen muss.“ Er grinste breit und sah dann wieder Rosslin an. „Vielleicht widerstrebt es Ihnen ja, mit mir zu sprechen, aber gegen eine Unterhaltung mit Captain Arthur Blake, hätten sie vielleicht nichts einzuwenden.“

Dominic sagte der Name nichts. Aber es entging ihm nicht, wie Rosslin darauf reagierte. Alleine das Zögern sagte alles.

„Ich würde …“, begann der erste Offizier unsicher, „… ich habe ihm nichts zu sagen.“

„Aber er vielleicht Ihnen“, beharrte der Pirat, wobei er in die Innentasche seiner Weste griff und eine kleine silberne Kugel zutage förderte, die nicht größer als eine Kirsche war. Er warf das kleine silberne Ding in die Luft und sie schwebte in Brusthöhe zwischen ihm und Rosslin. Ein holografisches Bild entstand, das einen schlanken Mann mit hohen Wangenknochen und grauen Haaren zeigte. Seine graugrünen Augen blickten freundlich. Er trug die tadellose, dunkelblaue Uniform eines Flottenadmirals, der allerdings die Rangabzeichen fehlten. Man hätte glauben können, der Mann stünde direkt vor ihnen, wäre da nicht ein Teil eines Gitterbodens, den der Hologenerator ebenfalls übermittelte. Auch die künstliche Beleuchtung zeichnete andere Schatten auf das Abbild des Mannes, als es die Sonne getan hätte, die im Zenit ins Habitat strahlte.

„Ich denke, es ist nicht nötig, dass ich mich vorstelle“, eröffnete er.

„Nein, ist es nicht“, antwortete Rosslin. „Ihr Name ist jedem in der kämpfenden Truppe bekannt und respektiert. Auch wenn Sie die Flotte verlassen und sich entschlossen haben, Karriere unter Kriminellen zu machen.“

„Ein sehr simples Weltbild haben Sie da. Darum würde ich jetzt gerne Ihren Captain sprechen. Womöglich hat er eine weniger enge Weltanschauung.“

„Ich glaube, ihn gut genug zu kennen, um zu wissen, dass er mit mir einer Meinung ist.“

„Ich habe mich gleich gefragt, welche Art von Gaunern hier auftauchen würde, sobald ich den Hilferuf an Admiral Carter abgesetzt hatte.“ Er seufzte theatralisch und wirkte amüsiert. „Ich habe mich nicht darüber gewundert, jemandem von der Flotte zu begegnen. Ich hatte es sogar erwartet.“

Rosslin antwortete nicht sofort. Er schien sich genau zu überlegen, was er sagen konnte.  „Dann haben sie jetzt die Falschen hier.“

„Wie darf ich das verstehen?“

„Wir haben den Funkspruch abgefangen“, erklärte der erste Offizier. „Wir sind nicht die Adressaten ihrer Nachricht.“

Der ehemalige Admiral wirkte erstaunt, überspielte seine Irritation und wurde ernst. „Ich muss unbedingt mit ihrem Captain sprechen.“

„Er wird nicht mit Ihnen kooperieren. Und ich ebenso wenig“

„Ich kann ihren Standpunkt verstehen.“ Blakes Stimme klang bedauernd. „Dennoch hatte ich gehofft, wir könnten über den reinen Informationsaustausch hinausgehen.“

„Ich denke, ich gehe schon zu weit, indem ich mich überhaupt auf ein Gespräch mit Ihnen einlasse.“

„Dennoch werde ich Ihnen einige Informationen aufdrängen. Ob Sie wollen oder nicht. Was sich daraus ergibt?“ Er machte eine Pause und sah nach oben, als würde er eine Fliege beobachten, die um seinen Kopf schwirrte. „Wir werden sehen. Und wenn Sie glauben, ich hätte die Flotte verlassen, weil ich die Menschen für verloren halte, dann kann ich Ihnen versichern, dass ich genau vom Gegenteil überzeugt bin. Diese Überzeugung ist das Motiv meines Handelns.“

An Rosslins Stelle hätte Dominic geantwortet, dass es ihm herzlich egal sei, was Blake bewegte und dass er sich offenbar gerne reden hörte. Aber der erste Offizier schien noch immer von dem Mann beeindruckt, obwohl er augenscheinlich mit seinem Ärger zu kämpfen hatte und ktampfhaft versuchte, Blake mit Abneigung zu begegnen.

„Ich kann mich mit Captain Perk in Verbindung setzen“, sagte Rosslin tonlos. „Ich überlasse ihm, was er dazu sagt.“ Er wendete sich an den Funkoffizier. „Denghard?«

Der Angesprochene war ein junger Mann in Dominics Alter mit kurzen, dunklen Haaren.

„Ja Sir“, sagte er, wobei er die Piraten im Auge behielt.

„Kann ich mich mit der Zora in Verbindung setzen?“

„Wir haben ziemlich Schaden genommen. Der Verstärker auf der Esther arbeitet nicht mehr einwandfrei und für einen Moment war die Verbindung ganz weg. Wir haben zwar wieder ein Signal, aber die Störungen sind erheblich. Vielleicht reicht es nicht zu einem Gespräch, aber eine Nachricht könnten Sie übermitteln.“

„Verbindung herstellen.“

Denghard nahm seinen Tornister ab und stellte ihn auf den Boden. Er öffnete ihn, holte ein Headset hervor, das er sich aufsetzte, und begann an den Schaltern zu hantieren. Er schüttelte den Kopf.

„Das Schiff ist noch in der Nähe“, versicherte Blake. „Sie haben sich in den technischen Strukturen an der Unterseite des Habitats versteckt. Das haben wir auch getan, als Sie hier angekommen sind. Deswegen konnten wir Sie überraschen.“

Rosslin ging nicht darauf ein, sich auf seichtes Geplauder mit Blake herabzulassen, sondern beobachtete den Funker, der sich bemühte einen Kontakt zu Captain Perk herzustellen.

„Was wissen Sie über Samaria“, fuhr Blake fort.

„Ist das wichtig?“, gab Rosslin zurück, ohne den Admiral anzusehen.

„Ich denke schon. Immerhin hielt es jemand in der Flottenleitung für wichtig, diesen Funkspruch abzufangen und an Ihren Captain weiterzuleiten. Wie ich schon sagte, hat jemand Ahnung von gewissen Vorgängen. Was ich sehr erstaunlich und begrüßenswert finde. Jemand, der offenbar seine Leute an wichtigen Positionen platziert hat, und...“, er räusperte sich und sah Rosslin mit gespielter Verwunderung an, „...gegen die eigenen Leute ermittelt? Kann man das so sagen? Oder neige ich jetzt zu boshaften Unterstellungen?“

Die Unterhaltung löste unter den Soldaten Unruhe aus. Intrige und Verrat, waren nichts, das man sich gerne unterstellen ließ. Alleine der Verdacht, unter einem Kommandanten zu dienen, der die eigenen Leute ausspionierte, musste zu Misstrauen und Konflikten führen.

Dominic sah zu Zyrus hinüber, der angestrengt vor sich hinstarrte. Irgendwie hatte Dominic den Eindruck, Rosslin wüsste, was Blake damit andeuten wollte. Gab es eine Verschwörung in der Flottenleitung? Wussten Perk und Rosslin davon? Waren sie vielleicht sogar darin verstrickt?

„Immerhin glaube ich, Ihnen trauen zu können“, fuhr Blake fort. „Wenn Sie diejenigen wären, denen die Nachricht zugedacht war, hätten Sie mehr Schiffe mitgebracht. Ich hatte mich schon gewundert. Ein einzelner Zerstörer. Keine Begleitschiffe. Sagen sie ihrem Captain, er kann ein Rettungsteam schicken. Inzwischen ziehe ich die Athena an das Nordende des Habitats zurück. Er braucht einen Angriff nicht zu fürchten. Bis auf Weiteres bleiben Sie als meine Gäste hier auf Samaria. Ich verspreche Ihnen einen sehr kurzen Aufenthalt. Sie haben nichts zu fürchten. Ich werde sie laufen lassen, denn sie sollen meine Zeugen sein.“

Rosslin reagierte nicht und ließ Blake und seine Leute im Unklaren darüber, was er von diesem Versprechen hielt. Dominic wünschte sich, der Pirat würde es ehrlich meinen und ließ seinen Blick über die Crew des Admirals schweifen. Die Leute wirkten gewalttätig und brutal. Sie waren furchteinflößend. Besonders der große Schwarze mit seinem roten Umhang. Es war schwer zu deuten, was sich in ihren Köpfen abspielte. Ob sie mit dem Vorgehen ihres Captains einverstanden waren oder ihnen allen lieber die Kehlen durchgeschnitten hätten. Die Mienen der Männer und Frauen waren ausdruckslos, bis auf Jonathan Mcintire den Fünften, der noch immer grinste und sich an der Furcht und Unsicherheit seiner Gefangenen erfreute. Er machte keinen Hehl daraus, dass er die Situation genoss.

Aus dem Funkgerät kamen mehrere Rausch- und Piepstöne. Eine Stimme war zu hören. Abgehakt. Mal lauter, mal leiser. Denghard nahm das Headset ab und Rosslin hockte sich neben den Funker, um es sich aufzusetzen. Er horchte eine Weile angestrengt und wirkte ratlos.

„Captain?“, begann er schließlich. „Ich habe leider nur schlechte Nachrichten. Die Esther ist verloren und wir mussten uns dem Gegner ergeben. Admiral Blake möchte sich mit Ihnen in Verbindung setzen. Der Ex-Admiral. Er meint, er hätte Informationen, die wichtig seien. Ich werde herausfinden, was hier gespielt wird. Sie können ein Rettungsteam schicken. Er sichert uns zu, dass es nicht angegriffen wird. Ende“

Er gab dem Funker die Kopfhörer zurück und widmete sich wieder der holografischen Darstellung des Piratenkapitäns. Rosslins Mimik spiegelte noch immer Misstrauen und Zorn wieder.

„Wir sind also ihre Gefangenen“, bemerkte er lakonisch, ohne Mcintire direkt anzusprechen, und verschränkte die Hände hinter dem Rücken.

„Jonathan wird Ihnen interessante Dinge zeigen“, fuhr Blake fort, „Während ich versuche, Ihren Captain ausfindig zu machen. Ich hoffe, er ist kein Heißsporn, den man erst in Stücke schießen muss, ehe man mit ihm reden kann und ist in der Lage über das anfängliche Missverständnis hinwegzusehen.“

„Überschätzen Sie sich nicht“, gab Rosslin zurück. „Er brennt darauf, einmal einem Admiral in den Hintern zu treten.“

„Gut zu wissen. Er wird noch reichlich Gelegenheit dafür finden.“ Damit erlosch das Hologramm des Admirals.

Der dunkelhäutige Pirat machte eine einladende Geste.

„Wenn ich bitten darf?“, sagte er und deutete auf den Katana am Fuß des Hügels. „Sie dürfen bis zu vier ihrer Männer mit an Bord der Triss nehmen. Die anderen bleiben unter Bewachung hier.“

Eine junge schwarzhaarige Frau trat voller Ärger an McIntire heran. Ihre, zu einer absonderlichen Frisur geflochten Haare, verliehen ihr das Aussehen einer schlangenköpfigen Medusa.

„Was soll das heißen“, schrie sie den Schwarzen an. „Ich dachte, wir sollten…“ sie fuhr sich mit dem Daumen über die Kehle.

„Planänderung“, gab McIntire zurück.

„Weiß der Alte überhaupt noch, was er tut?“

Die Antwort kam schnell und in Form einer heftigen Ohrfeige mit dem Handrücken. Die Frau taumelte und landete mit dem Gesäß im Gras. Benommen sah sie zu Mcintire auf.

„Du wirst noch lernen die Ohren zu spitzen“, knurrte er, während sich die Frau mit dem Ärmel das Blut aus dem Mundwinkel wischte.

Rosslin beobachtete das Gehabe der Piraten mit angewiderter Miene. „Wer gibt mir die Garantie, dass ihr Gesindel mein Schiff nicht plündert?“

McIntire lachte. „Niemand. Aber wer sollte uns denn daran hindern, selbst wenn Sie daneben stehen?“

Rosslins Äußerung war lediglich ein Aufbäumen und Ausdruck der erlittenen Demütigung. Die Fäuste ballten sich hinter seinem Rücken. Er hätte dem überheblichen Piraten offenbar nur zu gerne einen Kinnhaken verpasst. „Porter, Denghard, Bergmann. Sie kommen mit mir.“

Dominic empfand den Befehl wie einen Schlag in die Magengrube. Es war schon schlimm genug, auf Samaria sitzen zu müssen, bewacht von schwerbewaffneten Kriminellen. Aber wie würde es erst an Bord eines Piratenschiffes sein, umgeben von der ganzen Crew, wenn es zu Kampfhandlungen käme? Nicht auszudenken, was geschehen konnte, wenn weitere Schiffe der Heimatflotte auf Samaria eintrafen. Und so, wie er es aus dem Gespräch zwischen Rosslin und McIntire verstanden hatte, würde das bald passieren.

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NOMADS CHAPTER 9

Secret message from Admiral Isaak Rosefield to Captain Daniel Perk.

I am contacting you again on the matter about which we have disagreed so many times. I know how you feel about it and that you think my suspicions are dangerous. However, that could not stop me from contacting you again on this matter and writing to you now.

We were able to intercept a radio message from the Samaria Habitat. It is a call for help, which strangely enough went to Admiral Carter via a secret channel. Here is the short wording:

"This is Samaria. We are under attack. Delivery in danger. Customer upset."

I think the content in connection with the recipient of the message, should also arouse your suspicion. I can't hold off the call for help forever, and my options are limited as well. But I can give you a head start before Carter sends his own units on their way. I ask you - for the sake of our old friendship - to fly with the Zora to Samaria and see what happened there. We need to know what the goods are and who the customers are. You know my guess, but this is about evidence that I could use to wake up the fleet leadership and get them to act. At least the part of the high command that is not involved in the matter.

After a few minutes, the Katana returned accompanied by two other ships. Small, hulking ships, with heavy armament. Their high frontal sections alone displayed a considerable assortment of plasma launchers, railguns, and light cannons, installed for frontal assaults. The Katana descended nearby. Its escort ships paused in the sky above it.

The Esther's coxswain called in over the first officer's intercom and announced his plan to attack the alien ships. Rosslin refused and instead told him to evacuate the Esther. There was no point in fighting. The Zora's dinghy was incapable of delivering an effective blow and would be destroyed should the boatman decide to commit some senseless and foolish act of heroism.

"Did you hear me, Woodman?" growled Rosslin into the intercom on his wrist as the boatman hesitated to answer.

"Understood." The man's disgruntlement was audible despite the distorted playback of the voice recorder. "We're abandoning ship."

After a few minutes, the order was carried out and the entire team was gathered on the small hill. They now faced an adventurously dressed group of people coming up the hill toward them. All the men and women who had stepped out of the katana wore combinations they had put together from various disjointed garments. Some possessed light armor made of semiplast or titanium, either painted or covered with colorful fabrics. Except for a few of their own design, their weapons were from military stockpiles, Dominic noted. The humans were apparently the Samaria habitat's homeland security. This whole incident had to be an accident, Dominic surmised. But something told him he was wrong about it.

At the head of the troop walked a colored man whose skin was so dark that his white, even teeth shone, showing in a superior smile. The man's cheeks were adorned with gold Celtic-style tattoos, and a short red cape waved around his broad shoulders, which appeared even more formidable because of a chrome football player's outfit. Two pistols in leather holsters, seemed to be the only weapons he carried. He eyed Rosslin as he approached with his crew.

"I may welcome you as my prisoners," he said in a pleasantly low voice as he crested the hill and stood before Rosslin. He placed his hands casually on the hilts of his weapons. "You are the first officer of the ship that paid us this unexpected visit?" he stated, gesturing upward.

"I am Frank Rosslin," replied his counterpart. "And as you have aptly recognized, I hold the rank of officer. And who are you?"

"I am Jonathan McIntire the Fifth," the black man announced. "I am captain of the Triss that did so much damage to their beautiful landing craft. May I know the name of her ship? And who your captain is?"

"That you even dare to ask me that question?" Rosslin shook his head. "I will not give information to pirates. You will not get names, ranks or service numbers from any of my men, as would be customary if we were facing regular troops."

Dominic winced at the word pirates. They had been prepared for this by Perk, but he had hoped not to have to face such an encounter yet. He admired Rosslin's defiance, even if it was essentially useless. If McIntire wanted, he would be able to get all the data he wanted from the Esther's computer.

"I will send some specialists aboard," the pirate finally said, as if he had read Dominic's mind. "There are first-class personnel in the privateer fleet, for every purpose. I'll get the information I need; count on it."

Dominic noticed Rosslin swallowing a comment so as not to provoke the pirate.

"Put weapons on the ground," Rosslin urged his team instead. "We don't want to cause any trouble."

Dominic had a problem getting his rifle out of his hands and onto the grass. It felt like he had to take off his last piece of clothing. He would feel helpless and at the mercy, even though he had learned to fight with his hands and feet and didn't necessarily need a gun.

"Porter!" thundered Rosslin. "Didn't you hear me? Put the gun down."

Dominic hesitantly complied with the order, noticing how the black pirate, followed his every move. When he finally placed the rifle in the tall grass, Dominic felt as he had expected. It was an extremely uncomfortable and embarrassing feeling. He had to fight the rising shame and panic. It felt damn conflicting to have just become a prisoner. On the one hand, it spurred his anger at the situation so that he would have liked to attack the pirates, but on the other hand, he would have liked to run away.

"Good soldier," McIntire commented. "I was once a good soldier, too. Until I allowed my disrespect to dictate my actions. But take comfort. It's always the brave ones you have to force to be happy." He grinned broadly, then looked at Rosslin again. "Perhaps you are reluctant to speak to me, but you might not object to a conversation with Captain Arthur Blake."

The name meant nothing to Dominic. But it did not escape him how Rosslin reacted to it. The hesitation alone said it all.

"I would ...," the first officer began uncertainly, "... I have nothing to say to him."

"But he maybe you," the pirate insisted, reaching into the inside pocket of his vest and unearthing a small silver ball no bigger than a cherry. He tossed the small silver thing into the air and it hovered at chest level between him and Rosslin. A holographic image emerged, showing a slender man with high cheekbones and gray hair. His gray-green eyes looked friendly. He wore the impeccable, dark blue uniform of a fleet admiral, though it lacked the insignia of rank. One might have thought the man was standing directly in front of them, were it not for a portion of a grid floor that the hologenerator also transmitted. The artificial lighting also drew different shadows on the man's likeness than would have been cast by the sun, which shone into the habitat at its zenith.

"I don't think it's necessary for me to introduce myself," he opened.

"No, it's not," Rosslin replied. "Your name is known and respected by everyone in the fighting force. Even though you left the fleet and decided to make a career among criminals."

"A very simplistic world view you have there. That's why I'd like to talk to your captain now. Perhaps he has a less narrow worldview."

"I think I know him well enough to know that he agrees with me."

"I immediately wondered what kind of crooks would show up here as soon as I put out the call for help to Admiral Carter." He sighed theatrically and looked amused. "I wasn't surprised to run into someone from the fleet. In fact, I expected it."

Rosslin did not answer immediately. He seemed to be thinking carefully about what he could say.  "Then they have the wrong people here now."

"What do you mean?"

"We intercepted the radio message," the first officer explained. "We are not the addressees of their message."

The former admiral looked taken aback, covered his irritation and became serious. "I really need to talk to your captain."

"He will not cooperate with you. And neither will I"

"I can see their point." Blake's voice sounded regretful. "Still, I had hoped we could go beyond just exchanging information."

"I think I'm already going too far by even engaging in a conversation with you."

"Nevertheless, I will force some information on you. Whether you like it or not. What will come of it?" He paused and looked up as if watching a fly buzzing around his head. "We'll see. And if you think I left the fleet because I believe the people are lost, I can assure you that I am convinced of just the opposite. That conviction is the motive for my actions."

In Rosslin's place, Dominic would have replied that he was heartily indifferent to what was bothering Blake and that he seemed to enjoy hearing himself talk. But the first officer still seemed impressed by the man, although he was obviously struggling with his anger and struggling to meet Blake with distaste.

"I can get in touch with Captain Perk," Rosslin said tonelessly. "I'll leave it up to him to decide what to say about it." He turned to the radio officer. "Denghard?"

The person addressed was a young man about Dominic's age with short, dark hair.

"Yes sir," he said, keeping his eyes on the pirates.

"Can I get in touch with the Zora?"

"We took quite a bit of damage. The amplifier on the Esther is no longer working properly and for a moment the connection was completely gone. We have a signal again, but the interference is significant. It may not be enough for a conversation, but you could transmit a message."

"Connect."

Denghard took off his knapsack and put it on the floor. He opened it, took out a headset, which he put on, and began fiddling with the switches. He shook his head.

"The ship is still in the vicinity," Blake assured them. "They've been hiding in the engineering structures on the underside of the habitat. That's what we did when you got here. That's why we were able to surprise you."

Rosslin did not deign to engage in shallow chit-chat with Blake, but watched the radio operator struggling to make contact with Captain Perk.

"What do you know about Samaria," Blake continued.

"Does it matter?" returned Rosslin, without looking at the admiral.

"I think so. After all, someone in fleet command thought it important to intercept that radio message and forward it to your captain. As I said, someone has an inkling of certain goings-on. Which I find very amazing and welcome. Someone who apparently has placed his people in important positions, and..." he cleared his throat and looked at Rosslin with mock amazement, "...is investigating his own people? Is it fair to say that? Or am I now inclined to make malicious insinuations?"

The conversation caused unrest among the soldiers. Intrigue and betrayal were not something one liked to be accused of. The mere suspicion of serving under a commander who spied on his own people had to lead to mistrust and conflict.

Dominic looked over at Zyrus, who was staring intently. Somehow Dominic had the impression that Rosslin knew what Blake was trying to imply. Was there a conspiracy in the fleet leadership? Did Perk and Rosslin know about it? Were they perhaps even involved in it?

"After all, I think I can trust you," Blake continued. "If you were the ones the message was intended for, you would have brought more ships. I had wondered about that. A single destroyer. No escort ships. Tell your captain he can send a rescue team. In the meantime, I'm pulling the Athena back to the north end of the habitat. He need not fear attack. For the time being, you will remain here on Samaria as my guests. I promise you a very short stay. You have nothing to fear. I will let them go, for they shall be my witnesses."

Rosslin did not respond, leaving Blake and his people in the dark about what he thought of the promise. Dominic wished the pirate was sincere and let his eyes wander over the admiral's crew. The people seemed violent and brutal. They were terrifying. Especially the big black one with his red cape. It was hard to interpret what was going on in their minds. Whether they agreed with their captain's actions or would have preferred to slit all their throats. The expressions of the men and women were expressionless, except for Jonathan Mcintire the Fifth, who was still grinning and enjoying the fear and uncertainty of his prisoners. He made no secret of the fact that he was enjoying the situation.

Several static and beeping sounds came from the radio. One voice was heard. Ticked off. Sometimes louder, sometimes softer. Denghard took off the headset and Rosslin squatted down next to the radio operator to put it on. He listened intently for a while and seemed at a loss.

"Captain?" he finally began. "I'm afraid I have only bad news. The Esther is lost and we had to surrender to the enemy. Admiral Blake would like to contact you. The ex-admiral. He thinks he has information that is important. I'll find out what's going on. You can send a rescue team. He assures us it won't be attacked. End."

He returned the headphones to the radio operator and turned his attention back to the holographic representation of the pirate captain. Rosslin's facial expression still reflected mistrust and anger.

"So we are their prisoners," he remarked laconically, without addressing Mcintire directly, and clasped his hands behind his back.

"Jonathan will show you some interesting things," Blake continued, "While I try to track down your captain. I hope he's not a hotshot you have to shoot to pieces before you can talk to him and is able to see past the initial misunderstanding."

"Don't overestimate yourself," Rosslin returned. "He's dying to kick some admiral butt for once."

"Good to know. He'll have plenty of opportunity for that." With that, the admiral's hologram went out.

The dark-skinned pirate made a welcoming gesture.

"If you please?" he said, pointing to the katana at the base of the hill. "You may take up to four of your men aboard the Triss. The others will remain here under guard."

A young black-haired woman approached McIntire full of anger. Her hair, braided into a strange hairstyle, gave her the appearance of a snake-headed Medusa.

"What do you mean," she yelled at the black man. "I thought we were supposed to..." she ran her thumb over her throat.

"Change of plans," McIntire returned.

"Does the old man even know what he's doing anymore?"

The answer came quickly and in the form of a violent slap with the back of the hand. The woman staggered and landed on her buttocks in the grass. Dazed, she looked up at Mcintire.

"You'll learn to prick up your ears," he growled as the woman wiped blood from the corner of her mouth with her sleeve.

Rosslin watched the pirates' behavior with a disgusted expression. "Who gives me the guarantee that you riffraff will not plunder my ship?"

McIntire laughed. "Nobody. But who's to stop us, even if you're standing next to it?"

Rosslin's statement was merely a rebellion and expression of the humiliation he had suffered. His fists clenched behind his back. He obviously would have liked to punch the arrogant pirate in the jaw. "Porter, Denghard, Bergmann. You're coming with me."

Dominic felt the order like a punch in the gut. It was bad enough having to sit on Samaria, guarded by heavily armed criminals. But what would it be like aboard a pirate ship, surrounded by the entire crew, if combat broke out? No telling what might happen if more ships from the home fleet arrived on Samaria. And from what he understood from the conversation between Rosslin and McIntire, that would happen soon.

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