Zum Hauptinhalt springen

Der Newsletter im Mai

Während ich noch denke: „Huch, der März ist aber schnell vergangen“, ist es auch schon Mai. Der April ist wirklich wie ein Schnellzug an mir vorbeigerast.

Der Monat begann mit der Ansage: „Ich rede jetzt!“ von Prof. Melanie Brinkmann in der Sendung von Markus Lanz.  Die Virologin musste sich dort u.a. mit dem Vorsitzenden des Herrenwitz e.V., Wolfgang Kubicki, herumärgern. Die Wissenschaftlerin gab ihr Bestes, den anwesenden Politikern (neben Kubicki war auch Sachsen Ministerpräsident Michael Kretschmer dabei) zu erklären, dass sie die Pandemie gefälligst ernstnehmen sollen. Dabei wurde sie immer wieder unterbrochen. Irgendwann reichte es ihr. „Ich rede jetzt!“, stellte sie klar und versuchte fortzufahren. Das darauf folgende Gelächter der drei Herren ist das unerträgliche „Höhöhö“ gekränkter Männeregos, die sich doch nicht von so einer Furie zurechtstutzen lassen. Wenn Misogynie ein Geräusch wäre, es wäre dieses Lachen.

Klickt hier, um euch den Ausschnitt (nochmal) anzusehen.

Ich würde Prof. Brinkmann gerne wissen lassen, dass sie mit ihrem „Ich rede jetzt!“ für uns alle gesprochen hat. Expert*innen, die von selbstgerechten Männern unterbrochen und übergangen werden. Die in ihrem Fachgebiet von dahergelaufenen Gockeln gemansplaint wird und denen nicht zugehört wird. Die als „bossy“ gelten, als zu „energisch“, „hysterisch“ oder „zickig“. Der Münchner Merkur schrieb, Prof. Brinkmann habe Lanz „angefaucht“ und bediente damit das Bild der Frau als „Drachen“. Frauen, die sich nicht kleinlaut zurückhalten, wenn Männer palavern, werden noch immer als schwierig und unangenehm dargestellt. Von „Standpauke“ (Fokus) ist die Rede und die Frankfurter Rundschau nennt Brinkmann „empört“ und eine „wütende Virologin“. Ich habe die Hoffnung, dass diese Beißreflexe nur einmal mehr Beweis dafür sind, dass sich die Alten Weißen Männer™ ihrer zunehmenden Bedeutungslosigkeit langsam bewusst werden.

Apropos Alte Weiße Männer™: Unter https://feminismuss.de/awmtest könnt ihr euch selbst testen und herausfinden, wie viel Alter Weißer Mann™ in euch steckt!

Im April forderten zahlreiche Frauen online #KonsequenzenFürLuke. Es geht um die Vorwürfe gegen den Entertainer Luke, dem von seiner Ex-Freundin Ines Anioli „Sexuelle Übergriffigkeit, Missbrauch, psychische und physische Gewalt, Gaslighting, Manipulation, Machtmissbrauch“ vorgeworfen werden. Der Beschuldigte schweigt und sein Arbeitgeber, Sat1, verfasste ein pampiges Statement, in dem von „Lynchjustiz“ die Rede ist.

Wie viele Frauen kennt ihr, die einen nennenswerten Vorteil davon hatte, öffentlich über sexuelle Gewalt zu sprechen? Egal ob „erfunden“ oder nicht?

Also ich kenne keine(!) einzige.

Wie viele Männer kennt ihr hingegen, denen (sexuelle) Gewalt gegen Frauen vorgeworfen oder sogar nachgewiesen wurde, die dadurch aber kaum Schaden genommen haben?

Ich kenne eine ganze Menge: Roman Polanski, Woody Allen, Christiano Ronaldo, DMX, Kobe Bryant, Joe Biden, Sylvester Stallone, Ben Affleck, Jerome Boateng. Die Liste ließe sich fortsetzen.

Es ist an der Zeit, dass wir den Opfern glauben, wenn sie den Mut haben, über ihre Erlebnisse zu sprechen. Es ist keine Vorverurteilung des mutmaßlichen Täters, wenn wir den Betroffenen Glauben schenken, es bedeutet nur, dass wir nicht das Opfer der Lüge bezichtigen. Bei keinem anderen Verbrechen werden die Aussagen der Opfer dermaßen in Zweifel gezogen wie bei sexueller Gewalt. Für einen Mann ist es statistisch gesehen wahrscheinlicher, selbst Opfer einer Vergewaltigung zu werden, als fälschlich(!) beschuldigt zu werden. Lasst das mal sacken.

In den USA werden derzeit reihenweise Gesetze verabschiedet, die sich direkt gegen trans Kinder und Jugendliche richten. Unter dem Vorwand der Fairness soll es trans Mädchen und Frauen verboten werden, am Wettkampf mit cis Mädchen und Frauen teilzunehmen. Außerdem wird die Gesundheitsversorgung von trans Kindern und Jugendlichen in einigen Bundesstaaten stark eingeschränkt. Über 80 Gesetzesvorlagen, die sich gegen trans Personen richten, wurden von republikanischen Politiker*innen eingebracht, so viele wie in keinem Jahr zuvor. Der Backlash gegen trans Menschen vollzieht sich aber nicht nur auf politischer Ebene und auch nicht nur in den USA. Auch hierzulande werden die Stimmen immer lauter, die trans Menschen ausschließen wollen. Die neueste Ausgabe der radikalfeministischen „EMMA“ widmet transfeindlichen Positionen ein ganzes Dossier. Von der „Trans-Ideologie“ ist darin die Rede und von der angeblichen Gefahr, dass „Männer so einfach Frauen werden können“.

Wer in die Tiefen des Sumpfs der Transfeind*innen hinabsteigt, erkennt schnell, mit welcher Menschenfeindlichkeit hier agiert wird. Trans Personen werden komplett entmenschlicht und als Gefahr für die (weiße) Frau dargestellt. TERF sind leider kein unbedeutendes Randphänomen, sondern verfügen über weitreichenden Einfluss und werden immer stärker zur Gefahr für Leib und Leben unserer trans Geschwister. Was unter dem Akronym TERF zu verstehen ist, und warum ich mit dieser Strömung des Feminismus genauso wenig übereinstimme wie mit anderen faschistischen Ideologien, habe ich in einem Blogartikel aufgeschrieben. Die Kurzfassung findet ihr im Glossar.

Das Glossar wächst langsam, aber stetig. Zuletzt habe ich die Einträge über den „Zweite Welle Feminismus“ ergänzt. 

Erlaubt mir noch eine persönliche Nachricht an meine Steady-Supporter*innen:

Liebe Zwergkaninchen, Feldhasen und Belgische Riesen, dickesfettes Sorry, dass ihr noch auf eure Überraschung per Post wartet: Ich habe euch nicht vergessen! Ich kümmere mich ab nächster Woche darum, versprochen!

Da habe ich dann endlich auch meine Masterarbeit abgegeben – Hurra!

In diesem Sinne: bleibt widerständig, protect trans Kids at all costs und seid lieb zueinander,

Euer Pfefferhasi

Nur Mitglieder, die Zugang zu diesem Post haben, können Kommentare lesen und schreiben.