President Days

Glanz und Elend der Bundespräsidenten/ Macrons Wette/ Jodie und ich

Die mir persönlich unbekannten Olga und der Roland, Spender einer schönen Bank,  haben da schon etwas sehr richtig verstanden.

In den letzten Tagen führte mich ein Podcast-Projekt der ARD zurück in die Vergangenheit der Wulff-Affäre. Ich war einer der ersten, die über die berühmte Mailboxnachricht von Christian Wulff bei "BILD"-Chefredakteur Kai Diekmann geschrieben habe, werde also immer mal wieder angefragt, wie es damals war und wie ich es heute sehe.

Ich habe nochmal nachgelesen, auch Dokus zu dem ganzen Schlamassel geschaut. Ich hatte völlig vergessen, wie lange Wulff daran glaubte, mit der halben Wahrheit durchzukommen und wie sehr er auf einen albernen Trick vertraut hat: Dass es nämlich nicht der Geschäftsmann Egon Geerkens war, der ihm das Geld für sein Haus geliehen hat und zu dem er, so sagte er es seinerzeit vor dem Landtag aus, keine geschäftlichen Beziehungen unterhielt, sondern dass die halbe Million von dessen Ehefrau Edith kam. Naja.

Es gibt in deutschen Lebensläufen ein paar Rituale, die den Lebenslauf prägen, eine Art sozialer Bewährungsprobe darstellen, dazu zählen eine akademische Promotion und der Erwerb eines Eigenheims. Beides sind komplizierte, teure Prozesse, die ernst genommen und oft genug abgebrochen werden. Familien leiden mit, kämpfen mit, bringen gewaltige Opfer oder verzweifeln daran. PolitikerInnen, die versuchen, sich um die damit verbundenen Sorgen und Probleme herum zu mogeln, gewisse Aspekte zu verbergen suchen, werden nicht weit kommen. Wulff wäre ohne seine Finanzierungsmanöver durch keine noch so ausgeklügelte Medienkampagne zu stürzen gewesen, allerdings war er dann auch nicht mehr zu retten. Er versank, wie Guttenberg, in einem Holzgerüst, das er selbst gezimmert hatte.

Vor einigen Monaten traf ich Herrn Wulff einmal bei einem privaten Abendessen in Berlin, eine größere Runde. Er erkannte mich und wollte mir etwas sagen, aber fand keine Worte. Wir verabschiedeten uns freundlich. Er war der falsche Mann für das Amt – Angela Merkel hat keine glückliche Hand für Präsidenten. Sie unterstützte Sarkozy, als Hollande kurz vor seinem Sieg war, was der humorvoll kommentierte: “Merkel wirbt für Sarkozy? Das ist sogar eine gewaltige Herausforderung, der sie sich da stellt!“

Quelle:BPA

Nun wurde bekannt, dass Bundespräsident Steinmeier weiter machen möchte und das ist auch gut so. In der Pandemie hat er viel Zeit am Telefon verbracht, rief Kranke, Ärztinnen und Ärzte und Pflegepersonal in der ganzen Republik an und kompensierte so die manchmal arg nüchterne Kommunikation aus dem Kanzleramt. Und wenn es in Europa kracht, ruft er überall an. Die Leute mögen ihn. Es wird schwer, ihn zu ersetzen – eine Abstimmung  gegen einen erneut kandidierenden Amtsinhaber hat es in der Bundesversammlung noch nicht gegeben.

Quelle:franceinfo

Präsident sein ist schon ein kniffliger Job: Viele schätzen so eine majestätische Repräsentation, eine Vaterfigur, aber die Zeiten sind längst nicht mehr danach. Man pflegt im normalen Leben ganz andere Umgangsformen, Begriffe wie Protokoll und Autorität sind von gestern. In Frankreich wird das immer seltsamer, der Élyséepalast und sein ganzer Pomp wirken aus der Zeit gefallen, und zwar schon seit de Gaulle. Immer wieder versuchten Präsidenten, dem zu entkommen. Giscard besuchte französische Familien zum Abendessen, aber weil er selbst so ein seltsamer Mann war, wurde das zur krampfigen Übung, ewiger Stoff für Komödien.

Nun hat Emmanuel Macron etwas Neues versucht. Er lud McFly und Carlito ein, zwei YouTube-Stars, um sich mit ihnen einen Anekdotenwettbewerb zu liefern: Jeder erzählt eine kurze Story und dann muss der andere raten, ob sie stimmt. Witzig ist, wieviel Spaß Macron an der Sache hat und wie sehr er wirklich gewinnen möchte.

Eine seiner Geschichten ging so: Einmal rief Donald Trump im Élyseepalast an, direkt aus seinem situation room. Macronwird verständigt,  beendet seine Termine und begibt sich zu der abgesicherten Telefonanlage. Trump kommt direkt zur Sache: "Emmanuel, heute hast du Geburtstag, herzlichen Glückwunsch." Und beendet das Gespräch. Der Geburtstag Macrons war aber erst zwei Tage später. Wahr oder falsch? 

Antwort in diesem Video:

Seit ich Fernsehen schauen darf, bewundere ich Jodie Foster. Als ich klein war, gab sie die Addie in der Serie Paper Moon – im Film wurde die dann von Tatum O Neal gespielt. Und seit ich als Journalist arbeite, freue ich mich, wenn ich sie zu Interviews treffen darf. Das war nun schon einige Male der Fall und es ist immer gleich: Ich vergesse die Fragen und sie redet einfach los, immer sehr treffend. Manchmal meint sie, etwa zu "Die Fremde in mir", der Film müsse mir doch gefallen haben, manchmal - so war es bei "Flight Plan", gefällt er mir besser als ihr. Unser letztes Gespräch führte ich noch für meinen früheren Arbeitgeber, per Zoom. Nachdem wir fertig waren, fragte ich, was sie davon hielte, wenn ich mal ein Buch über sie schriebe und ihre Antwort kam von Herzen: Null Interesse. Alles was wichtig ist, stecke in ihrer Arbeit, man könne ja darüber schreiben. Vielleicht mache ich dann das mal.

Bald kommt ihr neuer Film The Mauritanian in die nun eröffneten Kinos – sehr sehenswert, sehr politisch. Hier gibt es schon mal einen Trailer.

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