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Wenn die Stradafüßler dein Herz fressen

Sie morden, plündern und brandschatzen. Längst ist nicht mehr Not der Grund, warum sie Reisende und Bauern überfallen. Nur noch die Mordlust treibt sie an. Jede Hinrichtung, jeder Mord muss grausamer, brutaler und kreativer sein, als der vorige. Schließlich muss der Kaiser persönlich einschreiten um der Bande das blutige Handwerk zu legen.

Sogar ein Film wurde über den Holzknechtseppl gedrecht. Foto: Josef Kager

Die Stradafüßler waren eine Bande aus bis zu 40 Personen, die in den 1820ern das Burgenland, Niederösterreich und die Steiermark tyrannisierten.  Ihr widmen wir die achte Episode von "Mörderische Heimat". 

Die Räuberbande ging überaus brutal vor und die Spießgesellen dachten sich immer neue Hinrichtungsmethoden für ihre Opfer aus. Ihr Anführer, der Holzknechtseppl, gab sogar an ein Kannibale zu sein und bereits acht Kinderherzen verspeist zu haben. Warum? Na, damit er unsichtbar werden kann. Alles klar, oder?

Hier wie angekündigt die Standrede bei der Hinrichtung des Holzknechtseppls

Standrede,

als Nikolaus Schmiedhofer, vulgo Holzknecht-Seppel den 20. November 1828 mit dem Strange hingerichtet wurde

Das ist das zweitemal, daß ich von der Galgenleiter herab das Wort Gottes verkün­de. Hier hängt er, der so lange sowohl unsere Gegend als auch andere Gegenden unsi­cher machte.  (Anm: Er hauste nämlich an der Grenze von Ungarn, Österreich, und Steiern mit seinen Spießgesellen, „Stradafüßlern“, einige Jahre“.)

Der „Holzknechtseppl“ kegelte mit seiner Bande mit einem Totenschädel. Foto: Richard Chmel

Sein gewaltsamer, durch die von Gott gesetzte Obrigkeit verhängter Tod, sein Gericht, seine Vorbereitung, sein entseelter Leichnam. Alles dieses ist für uns alle lehrreich.

Wir ersehen vorerst an ihm Gottes unendliche Langmuth, der den großen Sün­der so lange duldete. Er war ein großer Sünder, ein schwerer Verbrecher, denn mit eige­ner Hand mordete er 5 Personen, und zu 9 andern Mordthaten half er mit, so daß das Blut von 14 ermordeten Menschen zum Himmel gegen ihn um Rache rief. Er war ein großer Sünder, ein schwerer Verbrecher, denn außer den 14 Mordthaten hat er theils selbst, theils in der Gesellschaft Anderer 54 Raube, und 48 Diebstähle begangen. Er war ein großer Sünder, ein schwerer Verbrecher, denn er hat dreimal Feuer gelegt, und somit ganze Familien, die ihn nicht beleidigten, um all ihr Hab und Gut gebracht. Er ging als ein großer Schuldner aus der Welt, denn er hat einen Schaden angerichtet von 23.824 fl 6 kr. Und diesen großen Sünder, diesen schweren Verbrecher hat die Langmuth Gottes, vom Jahre 1822, wo er recht eigentlich angefangen in die Tiefe des Ver­derbens zu gerathen, bis 1826 ertragen und nicht zugelassen, daß er irgendwo bei ei­nem Einbruch, bei einem Mord ums Leben gekommen ist Wie oft nimmt Gott so man­chen Sünder nach der ersten oder zweiten begangenen Todsünde von der Welt, und diesen hier duldete er so lange. O Abrund der göttlichen Langmuth, wie unerforschlich sind deine Gerichte, wie unbegreiflich deine Wege!

Wir ersehen an diesem großen Sünder und schweren Verbrecher Gottes unendliche Barmherzigkeit. Nach seiner zweiten Einbringung in das Gefängniß, hatte die allmächti­ge Gnade Jesu Christi, sein nach Raub und Mord dürstendes Herz dergestalt umgewan­delt und in Reue aufgelöset daß er,  wie ein zweiter David, oft sein Strohlager mit Thränen der Buße benetzte, die Ketten, an welche er geschmiedet war, mit Dankbarkeit küßte, als Liebesbande, die ihn zu Gott zurückbrachten. Die allmächtige Gnade Jesu Christi hat ihn vor Scham und Schmerz über seine Vergehungen durchgedrungen, daß er noch gestern seinen Mitgefangenen heilsame Lehren spendete, den Kindern sich als warnendes Bei­spiel darstellte und sich ihrem Gebete empfahl. Die allmächtige Gnade Gottes hat ihn stark gemacht, daß er, dessen vorherrschender Naturfehler der jäh aufbrausende, wüthende Zorn war, sich voll Ruhe, Geduld und Standhaftigkeit zum Tode vorbereitete und somit beflissen war, das Ärgerniß, das er in der Freiheit gab, in seinen letzten Tagen so viel an ihm war, wieder gut zu machen. Die allmächtige Gnade unseres Gottes Jesu Christi hat es gemacht, daß er willig in den Tod ging und voll Ergebung in den göttlichen Willen sein Leben opferte. Ja, meine Lieben, auch an diesem Missethäter hat es der Herr

wieder bewiesen, daß er nicht den Tod des Sünders wollte, sondern daß er sich bekehre und lebe,

bewiesen, daß er das Lamm Gottes sei, das die Sünder der Welt, also auch die seinigen hinwegnahm, –

bewiesen, daß er der allgewaltige Menschenretter sei, dem kein Herz zu versteinert ist, daß er nicht erweichen, kein Aug zu trocken, das er nicht zu Thränen der Reue auflösen könnte.

Oh ich hoffe, der Hingerichtete wird aus dem Munde des Sünderfreundes das Trostwort schon gehört haben: Sei getrost deine Sünden sind dir vergeben. Zwar weiß ich wohl daß es um die Bekehrung in der letzten Stunde eine äußerst zweideutige Sache sei.  Aber ich weiß auch, und ich glaube es fest. daß die Erbarmung Gottes keinen verstoßet der mit zerschlagenem Herzen zu ihr kommet

Wir ersehen aber auch drittens an diesem großen Sünder und schweren Verbrecher den Anfang, den Fortgang und das Ende einer jeden Sünde, welchen Namen dieselbe immer haben mag. Auch er, der Gehenkte, bestätiget die Wahrheit, daß die Sünde anfangs ein kleiner Funke ist, der, nicht zertreten, in ein gewaltiges Feuer ausbricht, das nicht mehr gelöscht werden kann; daß die Sünde anfangs ein kleiner Wurm sei, der, nicht zertreten, zu einer gewaltigen Riesenschlange erwächst, die den Sündensklaven endlich ersticket.  Der erste Anfang seiner Sünde war der Diebstahl eines Lammes, das Ende war Menschenmord. Die Sünde eines gestohlenen Lammes führte ihn zum Menschenmord und endlich zum Galgen, – Das ist denn das Ende einer jeden nicht abgetödteten Sünde, der Tod, denn der Lohn, den die Sünde ausbezahlt ist der Tod. Ach! so wachet denn ihr alle über euer Herz, wenn euch dasselbe zum Müßiggang, zur Wollust zur Trunkenheit, oder zu was immer für einer Sünde verleiten will. Wachet Eltern über eure Kinder. Der Hingerichtete ermahnte sie gestern, ihren Eltern zu folgen, aber wie viele, wie viele, ja wie nur gar zu viele Eltern befehlen und lehren ihre Kinder nicht Gott fürchten und sich der Tugend ergeben? Wie so mancher würde nicht hingerichtet worden sein wenn seine Eltern schärfer, wachsamer, strenger in seiner Jugend gewesen wären? Wachet denn was der eine Mensch Böses thut, das kann auch der andere thun. –

Doch nicht nur wachen, sondern auch zittern sollen wir vor der Gerechtigkeit Gottes Ist schon die zeitliche Gerechtigkeit, die nur den Leib tödtet, so schaudervoll und streng wie weit strenger wird erst jene göttliche Gerechtigkeit sein, die da, wenn der Leib getödtet ist, noch die Gewalt hat, die Seele in die Hölle, in die ewigen Flammen zu werfen. Und wie viele Sünder achten diese Gerechtigkeit Gottes nicht, wie viele Sünder leben in ihrer Wollust in ihren Ehebrüchen, in ihrer heidnischen Feindschaft in ihrer heillosen Trägheit so dahin, als gäbe es keinen Gott, kein göttliches Gebot keinen Himmel keine Hölle, kein Gericht, keine Vergeltung. O ihr Blinden! und Verstockten! ihr seid tausendmal mehr zu bedauern als dieser Gehenkte hier, denn, wenn ihr so unbekehrt von dem Tode dahingerafft werdet, so fallet ihr in die Hände des lebendigen Gottes, und euerer Erbteil ist die Hölle mit den ewigen Flammen.

Gott gebe, daß diese wohlgemeinten Lehren nicht so bald vergessen werden. Dieser gütige Gott wolle der Seufzer und Thränen, welche der Hingerichtete im Gefängnisse weinte, gnädig gedenken, und weil er sonst keine Hoffnung haben konnte, als einzig die Barmherzigkeit Gottes, so wolle ihn der Herr, nachdem er seine Schuld durch Tod der Hinrichtung gebüßet hat, an die Gnade der Versöhnung Theil nehmen lassen durch Jesum Christum unsern Herrn. Amen.

Alle Folgen von mörderische Heimat findet ihr hier.

Mehr über den Film mit den Stradafüßlern findet ihr hier.

Mittäter hören hier die Episode exlusiv bereits einen Tag früher. Viel Spaß!

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