Schlimme Emotionen aushalten

Oft genug stehen wir vor dem Problem, dass wir die Emotionen, auch Gefühle, unseres Gegenübers einfach ganz fürchterlich finden. Meist handelt es sich dabei um die vermeintlich negativen Emotionen. Ich sage vermeintlich, weil ich finde Emotionen egal welcher Art, können gar nicht negativ sein. Alle unsere Gefühle machen uns auf etwas aufmerksam, auf etwas das mehr oder weniger tief in unserem Innern gerade gar nicht stimmt.

Ich mag es wirklich überhaupt nicht, von schlechten oder unguten Gefühlen zu sprechen. Natürlich ist Traurigkeit, Wut, Frust, Angst, und noch so viel mehr, keine Emotion die man gerne spürt und sehr gerne in sich fühlt oder sogar nach außen hin teilt. Dennoch gehören sie alle einfach mit dazu. Und desto weiter wir sie versuchen nach unten zu drücken, desto mehr Gewitter braut sich in uns zusammen. Desto weniger Geduld haben wir, desto weniger Empathie haben wir, desto unglücklicher werden wird. Und wenn es uns nun schon so geht, wir mit irgendwelchen Ausflüchten und Ablenkungen versuchen den nicht schönen Emotionen zu entkommen, und sich ins uns ein so tiefes fast schon schwarzes Loch bildet, wie mag es dann wohl unseren Kindern ergehen, wenn wir ihnen nicht die vermeintlich negativen Emotionen und Gefühle zugestehen und fair begleiten?

Die ganz berechtigte  Frage, wer überhaupt entscheidet dass etwas schlimm genug ist, um Wut zu empfinden, um Traurig zu sein und zu weinen sollten wir uns einmal mehr stellen, wenn wir uns wieder unserem Kind gegenüber sehen, und versucht sind zu sagen oder zu flüstern „Ist nicht so schlimm. Alles gut. Hör auf zu weinen.“ Selbst wenn wir es liebevoll ins Ohr säuseln, haben wir verdammt noch mal einfach keine Ahnung ob es denn wirklich nicht schlimm ist und der Ausdruck und das Ventil der gerade vorhanden Emotionen im uns gegenüber stehenden Kind zeigen wohl mehr als deutlich das eben nicht „Alles gut!“ ist. Mir ist selbstverständlich absolut bewusst, dass ein empathisches „Hey! Wow, ich sehe du bist gerade richtig verletzt! Wie kann ich dir helfen oder dich unterstützen?“ nicht immer auch in uns parat liegt. Wie denn auch? Wir selbst sind uns ja selbst nicht einmal empathisch gegenüber mit unseren eigenen schlimmen Emotionen. Wie sollen wir es dann, tagaus, tagein, ständig, bei jeder noch so vermeintlichen Kleinigkeit bei unseren Kindern sein?

Aber der Anfang ist zumindest getan und vielleicht bildet dieser Text ja, bei dem ein oder anderen auch den Anreiz, sich einmal eingehender mit sich selbst, seinen Gefühlen und den dahinter verborgenen Bedürfnissen auseinander zusetzen und ebnet so langsam einen Weg, auch seinem Kind die eben nicht so schönen, schlimmen Emotionen zuzugestehen und wir schaffen es, Stück für Stück unseren Kindern einen würdevollen und hoffentlich irgendwann total normalen Umgang damit vorzuleben.

Weinen reinigt immerhin die Seele, also sollten wir unseren Tränen auch vor unseren Kindern einmal freien Lauf lassen und es um unser lieben Willen uns selbst gegenüber nicht wieder mit einem „Ach, Kleines, nicht so schlimm. Alles gut!“ abtun. Wir müssen anfangen zu unseren Emotionen zu stehen, ihnen Namen zu geben, und so auch den Emotionen unserer Kinder Namen zu geben, damit sie diese richtig benennen können und eben damit umzugehen wissen, wenn sich in ihnen eine Rolle der Trauer oder der Wut heranbahnt.

Einmal Frau und Mann genug sein, zu sagen „Ja, du siehst mich gerade weinen. Das erschreckt dich vielleicht. Aber ich muss weinen, all diese Wut, diese Trauer und der Ärger über XY müssen einfach raus. Ich bin froh dass ich weinen kann, und all diesen Emotionen Luft machen kann!“ oder „Ich bin so unfassbar wütend, mich macht das Verhalten von XY gerade so wahnsinnig!!“ und ein Kissen nehmen und aus allen Leibeskräften die ganze Wut aus uns raus und in das Kissen hinein brüllen.

Denn, wenn wir einmal angefangen haben, diese Emotionen zuzulassen werden wir alle sehr schnell merken, wie erholsam und reinigend es doch ist und wie viel entspannter und gelassener wir wieder sein können.