No Other Land - aber für wen?
Ich weiß, ich bin zu spät dran mit diesem Text. Viel zu spät. In Anbetracht dessen, dass der Film „No Other Land“ schon am 2. März den Oscar bekommen hat, also vor mehr als einer Woche - quasi ein Jahrhundert in Internetzeit. Ehrlicherweise habe ich ja schon mal über den Film geschrieben, nämlich hier (Öffnet in neuem Fenster). Damals habe ich, nachdem der Film auf der Berlinale ausgezeichnet wurde, über Israelis und Jewies geschrieben, die es sich scheinbar zum Lebensziel gemacht haben, Israel an den Pranger zu stellen. Über den Film selbst habe ich wenig geschrieben, ich hatte danach nämlich keine Lust mehr ihn zu gucken. Jetzt habe ich ihn doch gesehen. An einem frühen Freitagmorgen, verkatert, auf arabisch mit hebräischen Untertiteln. Und ja, bevor ich überhaupt irgendwas zum Film sage, muss ich das erstmal droppen. Bin ich nämlich sehr stolz drauf (who knew, dass ich schon so gut Hebräisch lesen kann?). Okay, aber genug mit der Selbstbeweihräucherung und zurück zum Oscar-Gewinner.
Zuerst einmal was Positives: Der Film ist wirklich schön anzusehen, die Bilder sind fast romantisch. Die Kameraaufnahmen künstlerisch wie in einem Indie-Film. Viel Mond. Viel grüne Hügel. Kinder neben Panzern. Alte Frauen auf Trümmerhaufen. Im Wind wehende Wäsche. Also rein optisch fand ich den Film klasse und habe mich mal wieder gefragt, warum die Leute, die Hasbara (also PR für Israel) machen, eigentlich so schmerzhaft selten auf dieses künstlerische Level kommen und warum alles, was irgendwie pro-Israel ist, oft so billo und prollig aussieht. So und jetzt bin ich mir schon selbst in die Falle getappt mit diesem pro-Israel, pro-Palestine-Weltbild. Gott, wenn ich mich da selbst höre! Dass man in keinem Universum einfach für beide Völker sein kann, sagt eigentlich schon alles über diesen Konflikt aus. Anyway, zurück zu No Other Land.
Der Film bekommt viel Hass, von allen Seiten. Von Israel-Hassern, weil der Film angeblich zur Normalisierung beiträgt (lest mal hier (Öffnet in neuem Fenster) nach was das heißt, sonst muss ich noch fünf Seiten mehr schreiben), von Israel-Freunden, weil der Film angeblich Hass auf Israel schürt. Dazu muss man feststellen: Niemand im Film sagt, wir hassen die Juden und wollen sie hier weghaben. Es sagt aber auch keiner, wir wollen Seite an Seite in Frieden mit Israel leben. Und das ist symptomatisch für No Other Land. Es ist ein Film der Auslassungen. Im Grunde genommen ist der Film ein Ausschnitt. Und dann sind da noch die Fakten. Im Film erfährt man, dass eine Gemeinde namens Masafer Yatta (ein Konglomerat von mehreren Beduinendörfern - also das habe ich später recherchiert, denn im Film erfährt man es nicht) irgendwie gegen Israel um ihr Land kämpft. Immer wieder kommen israelische Bulldozer, unterstützt von der israelischen Armee und walzen ihnen die Blechhütten weg. Grund dafür sei, dass die Gegend dort von der Armee als „Firing Zone“ deklariert wurde (wann, wie, was das heißt - erfährt man, ihr ahnt es schon, im Film nicht). Ein Einspruch vor Gericht wird abgelehnt (ein Gericht, das die Bewohner, so sagen sie es im Film, nicht als „ihres ansehen“). Es gibt manchmal Abrissgenehmigungen. Und manchmal implizieren die Filmemacher,
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