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Zieht den Bayern die Lederhosen aus Lederhosen aus Lederhosen aus (Volksmund)

Good evening, Europe!

Ich hätte immer behauptet, dass ich alle Jahreszeiten gleich mag, aber unter „Winter“ würde ich mir bei der Beantwortung dieser Frage dann doch etwas anderes vorstellen als dieses graue Elend der letzten Wochen — und das Wetter war ja auch nicht schön. Ich habe mich glaub ich noch nie so sehr auf den Frühling gefreut wie in diesem Jahr.

Am Wochenende hat der Himmel über Bochum immerhin schon mal angedeutet, was er in den kommenden Wochen so vorhat. Der VfL zerlegte die Bayern in einem Spiel, das schon nach der ersten Halbzeit seinen Platz in den Geschichtsbüchern sicher hatte. Es war ein wunderschöner Vorfrühlings-Abend und es war klar, wie dieser Tag unter normalen Umständen geendet hätte: Mit am Ende nicht nur siegestrunkenen Feierlichkeiten im Bermuda3eck. Aber wie ich die Menschen in dieser Stadt kenne, werden sie einen Weg finden, das Ganze nachzuholen. Vermutlich schon bald!

Apropos: Am 15. März 2020 hätte in Berlin „Oslog live“ stattfinden sollen. Es war eine der ersten Veranstaltungen, die der damals noch jungen Pandemie zum Opfer fielen und „verschoben“ werden mussten.

So langsam zeichnet sich ab, dass es bald endgültig, final, diesmal aber wirklich sowas von VORBEI SEIN könnte mit dem ganzen Elend und das ist doch ein phantastischer Anlass, um zum ersten Mal seit mehr als zwei Jahren wieder auf einer Bühne zu stehen: Am Mittwoch, 23. März 2022, wird in der Zeche Carl in Essen die Weltpremiere meines Programms „Good Evening, Europe! — Lukas’ kleiner ESC-Abend“ stattfinden!

Ich lese aus meinem Buch, trage Statistiken, Anekdoten und vieles mehr vor und wir machen uns einen schönen Abend!

Tickets gibt es ab jetzt überall im Vorverkauf, die genauen Auflagen hängen von den dann gültigen Corona-Verordnungen ab, aber ich sag mal so: Geimpft seid Ihr so oder so auf der sicheren Seite!

„Die Zeit der Vorsicht ist zwar noch nicht ganz am Ende, aber ohne Pläne machen geht es ja auch nicht“, haben meine Homies vom Grand Hotel van Cleef in ihrem aktuellen Newsletter geschrieben. „Wer bei Regen Sonnenmilch kauft, weiß, dass der Stuhl zuerst ein Baum ist“, lautete das Motto des Haldern Pop Festvials 2001. Und deswegen machen wir das jetzt! Rise like a phoenix! Ich hab Bock!

Irgendwie muss ja aber auch die Gegenwart rumgehen. Um mich zu beschäftigen, habe ich nach rund zehn Jahren deshalb mal wieder „SongPop“ installiert. Das ist eine Quiz-App, wo man in zwei verschiedenen Spielmodi („Duell“ gegen eine Einzelperson, „Party“ gegen vier andere Personen) möglichst schnell erkennen muss, welcher Song gerade angespielt wird.

Es ist leider eines dieser Spiele, wo man mit Werbung zugeballert wird, wenn man nicht dafür bezahlt, aber man kann einen Monat lang kostenlos die „VIP-Mitgliedschaft“ testen und das macht schon großen Spaß.

Folgende Erkenntnisse habe ich aus den Spielen der letzten Wochen mitgenommen:

  • Die meiste Ahnung habe ich bei Songs, die zwischen 1993 und 2000 veröffentlicht wurden, also da, wo meine Popkultur-Welt noch von „Hit-Clip“, „Bravo-Hits“ und den wöchentlichen Charts in der Zeitung und im Radio geprägt war.
  • Ich kenne genau einen Song von Justin Bieber, einem der größten Popstars unserer Zeit.
  • Imagine Dragons ist die schlimmste Band der Welt.

Falls Ihr jetzt Bock habt, mich herauszufordern: Mein Benutzername ist djluki83.

Bei „Pop Culture Happy Hour“, einem meiner Lieblings-Podcasts, haben sie vor zwei Wochen über die ersten „pop culture crushes“ gesprochen, also Menschen (oder Figuren) aus der großen Welt der Popkultur, die man als Kind toll fand, bevor man überhaupt wusste, was „toll finden“ oder das legendäre „Bravo“-Wort „Schwarm“ bedeutet.

Weil die letzten Wochen wirklich ein bisschen öde waren, habe ich diese Folge zum Anlass genommen, um meine Follower auf Instagram zu befragen, was denn ihre pop culture crushes waren. Herausgekommen ist eine sehr bunte, unterhaltsame Sammlung, ein fröhlicher Nostalgie-Trip in die 1990er Jahre, der ganz nebenbei beweist, dass wir schon eine ziemlich queere Generation waren, bevor wir überhaupt wussten, dass es diesen Begriff gibt. (Vermutlich waren das auch schon die Generationen vor uns, aber denen fehlte nicht nur das Vokabular, da war das alles auch noch gesellschaftlich geächtet bzw. schlicht illegal.)

Was macht der Garten? Wir haben die ersten schönen Tage genutzt und die Pflanztöpfe der letzten Saison schon mal gereinigt: Das alte Zeugs raus, die Erdbeeren beschnitten, die Erde geharkt.

Was hast Du gehört? Das Schlagwort „Cancel Culture“ wabert ja durch unsere Zeit: Was „darf“ man noch sagen? Welche Folgen können außer Kontrolle geratene „Debatten“ in den Sozialen Medien haben? Diesem Thema widmet die „New Yorker Radio Hour“, die Radiosendung/der Podcast vom „New Yorker“, eine ganze, sehr differenzierte Episode (Apple Podcasts, Spotify, Google Podcasts). Es lohnt sich sehr, sich diese Folge anzuhören — zum einen inhaltlich, zum anderen, weil es einfach ein sehr gut produzierter Podcast ist (und damit etwas völlig anderes als das ungeschnitte Gelaber zweier Männer, das man sich in Deutschland gemeinhin unter dem Begriff vorstellt). Außerdem ist es natürlich sehr schön, eine Auseinandersetzung mit dem Thema „Cancel Culture“ zu haben, in der weder Ulf Poschardt noch Dieter Nuhr vorkommen.

Beim (ohnehin sehr empfehlenswerten) Podcast „It’s Been A Minute“ war der Journalist und Autor Erich Schwartzel zu Gast (Apple Podcasts, Google Podcasts), um über die Verstrickungen Chinas in Hollywood-Produktionen zu sprechen. Klingt nach einem Spezial-Thema für Menschen aus der Entertainment-Welt, aber wir gucken ja alle Filme!

Was hast Du gesehen? Nach mehr als zehn Jahren hab ich mal wieder einen meiner all time favorites geschaut: „Fight Club“ von David Fincher. Holy moly, ist das immer noch ein unfassbar guter Film! Zwar sieht man das Grundmotiv „Männer suchen ihren Platz in einer modernen Gesellschaft“ in Zeiten von misogynen Internet-Foren, von Radikalisierungen und Verschwörungs-Erzählungen mit anderen Augen (vgl. auch diese historisch-kritische Auseinandersetzung mit dem Film im „New Yorker“ von 2019), aber vielleicht liegt es daran, dass ich den Film schon so lange kenne und liebe, dass ich glaube, dass man ihn schon sehr missverstehen muss (etwas, das uneigentlicher Kunst immer passieren kann), um ihn als positive Erzählung männlicher Selbstbefreiung zu begreifen.

Plus: Ich habe den Film zum ersten Mal in HD gesehen (auf Disney+, absurderweise) und es ist erstaunlich, wie viel mehr Ein-Frame-Auftritte von Tyler Durden man im Vergleich zur DVD-Version sieht.

Was hast Du gelesen? Apropos Arschloch-Männer im Internet: Die Journalistin Aubrey Hirsch hat ein Essay darüber geschrieben, was sie als Frau regelmäßig an Beschimpfungen und Bedrohungen bekommt. Es ist (natürlich!) eine zutiefst verstörende Lektüre — und natürlich treffe ich diese Einschätzung aus der Position eines weißen Cis-Mannes, der diese Social-Media-Scheiße einfach weglegen kann, wenn sie ihn zu sehr nervt, denn Frauen, trans*-Personen und/oder PoC, die sich irgendwie in der Öffentlichkeit bewegen, werden das Alles so oder so ähnlich schon mal selbst erlebt haben.

Das Bemerkenswerte ist, dass Aubrey Hirsch das alles in einem lockeren Plauder-Ton erzählt, um etwas Distanz zwischen die Hass-Nachrichten und sich selbst zu bringen. Neben „Mein Gott, ist das alles furchtbar!“ wurde mein zentraler Gedanke irgendwann: „Diese armen Typen hätten schon vor Jahren oder Jahrzehnten professionelle Hilfe gebraucht!“ (Was natürlich nie ein Argument sein darf, andere Menschen zu bedrohen oder zu beschimpfen. Es zeigt nur, auf wie vielen Ebenen unsere moderne Gesellschaft sich nicht um Menschen kümmert.)

Was hast Du gelernt? Esser; Soares, Leitsch, Bella-Kotchap, Gamboa; Rexhbecaj, Osterhage, Losilla; Holtmann, Locadia, Antwi-Adjei — das war die Startelf beim 4:2 gegen die Bayern und wir werden ihre Namen nie vergessen!

https://www.youtube.com/watch?v=yAdmJcH7Uy0

Bedrückende Botschaft, mit dem Feature und dem Video wahnsinnig clever umgesetzt: Popkultur kann so einfach erscheinen!

Habt ein schönes Wochenende!

Herzliche Grüße, Euer Lukas

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