10 echt gute Gründe, warum Du kein Unternehmen gründen solltest

Unternehmer zu sein, ja, das klingt verlockend. Der eigenen Bestimmung folgen, unabhängig sein, neue Wege beschreiten & die Welt verändern. Hach, wie schön. Nur die Realität ist völlig anders …

Leider, muss man sagen. Denn ohne Unternehmergeist vertrocknet eine Volkswirtschaft. Sollte man meinen. Doch weit gefehlt – bereits die Unternehmensgründung ist hierzulande eine bürokratische Ochsentour durch Gesetze, Vorschriften, Auflagen & Pflichten.   Und als Gründer, Inhaber, Geschäftsführer oder Vorstand setzt man sich zudem unüberschaubaren Haftungsrisiken aus. Das sollte man sich gut überlegen. 10  Gründe, warum Du kein Unternehmen gründen solltest:

1. Monströse Bürokratie

Du denkst, als Unternehmer bestünde Dein Arbeitsleben aus dem Entwickeln & Umsetzen von Ideen? Ein Irrglaube. Einen Großteil Deiner Zeit werden bürokratische Arbeiten in Anspruch nehmen. Buchhaltung, Steuererklärungen & jede Menge Informationspflichten warten auf Dich. Und wehe, Du bist dabei nachlässig oder Dir unterlaufen (durchaus menschliche) Fehler – das rächt sich bitter, wird teuer & es winken Dir sogar Strafanzeigen.

2. Aufwändige Gründung

Mal eben eine UG, GmbH oder kleine AG gegründet, um loszulegen? In anderen Ländern, wie etwa Schweden, einfache Realität, bei uns etwas schwieriger. Insbesondere die Gründung einer Kapitalgesellschaft hat es in sich – Gelder müssen für Kosten & Unternehmenskapital da sein & strenge Formalitäten strikt eingehalten werden. Ansonsten ist der Beginn Deiner unternehmerischen Existenz zu Ende, bevor sie überhaupt begonnen hat.

3. Von beschränkter Haftung keine Spur

Freilich haftet eine Kapitalgesellschaft mit ihrem Firmengeld. Doch genügt das Stammkapital nicht, muss Geld nachgeschossen oder Kredite aufgenommen werden. Banken verlangen gerade bei neuen Unternehmen oft zusätzliche Sicherheiten wie Bürgschaften. Zudem ist die persönliche Verantwortung von Geschäftsführern/Vorständen nicht ohne – Buchführung, Bilanzierung, Steuern & Sozialversicherung, Informations-, Sachwalter-, Wettbewerbs & Fürsorgepflichten gegenüber Mitarbeitern führen zu persönlichen Haftungsrisiken, die nicht nur eine Stange Geld kosten, sondern Dich ins Unglück stürzen können.

4. Kostspieliges Know-how

Wegen der vielen Gesetze, Auflagen & Verantwortungen, die ein normaler Mensch gar nicht überblicken kann, um die Du Dich aber trotzdem kümmern (Informationseinholungspflicht) & eben den Kopf hinhalten musst, bist Du folglich gezwungen, Know-how einzukaufen. Sündteure Seminare, ein Heer an Beratern sowie Dienstleister stehen auf Deiner Rechnung, willst Du allem halbwegs sachgerecht nachkommen. Aus der persönlichen Haftung bist Du aber trotzdem nicht.

5. Kein Privatleben mehr

Vollblutunternehmer, ja, auch das klingt klasse. Gemeint ist aber: Vollzeitunternehmer – und Vollzeit bedeutet nicht die übliche 38-Stunden-Woche, sondern gleich mal Einsatz rund um die Uhr, gerade am Anfang. Das mag zu Beginn wegen der Euphorie noch funktionieren, was aber schnell nachlässt. Dein Privat- & Familienleben wird leiden. Nicht umsonst scheitern die meisten privaten Beziehungen von Unternehmern & es sind auch überwiegend Unternehmer, Geschäftsführer & Vorstände, die von Stress & Burnout bedroht sind.

6. Sich behaupten, ist hart

Deine Idee mag gut sein, aber gerade neue Unternehmen müssen wie wahnsinnig in Werbung, Kommunikation & Akquise investieren, damit sie überhaupt wahrgenommen werden. Das frisst Kapital & Kraft. Nichts fliegt Dir zu, weil der Markt weder gönnt noch schenkt.   Hinter den Success Storys fluffiger Supergründer, die ganz lässig über Nacht zu Millionären wurden, steckt was ganz anderes, als das, was man so hört. Lies dazu meinen Beitrag „Was Dir Super-Erfolgreiche nicht verraten“.

7. Neukunden-Akquise kaum möglich

Als neuer Unternehmens-Player brauchst Du neue Kunden. Klar. Verfügst Du nicht über entsprechende Connections oder Mentoren, die Dich protegieren, musst Du kalt akquirieren. Abgesehen davon, dass das äußerst hart & oft erfolglos ist,  betrittst Du wieder juristisches Glatteis. Du darfst quasi nichts tun, was anderen lästig sein könnte. Zugegeben, Cold Calls nerven, aber wenn Du kein Geld für Werbung hast & auf keine Messen & Veranstaltungen gehen kannst – wie etwa in der Corona-Zeit – bist Du aufgeschmissen. Im B2B-Bereich ist das zwar etwas lockerer als im B2C-Bereich. Trotzdem kannst Du da ganz schnell unter die Räder kommen.

8. Finanzierung fragwürdig

Es gibt auch bei uns jede Menge Fördergelder, aber an die Töpfe zu kommen, ist schwer. Schnelles, internationales Wachstum – wie es heute nötig ist – finanziert zudem keine ortsansässige Bank. Wirklich risikofreudige Venture-Capital-Geber gibt es hierzulande noch zu wenig. So müssen junge Gründer Investoren meist aus den USA anlocken, was leichter & traumhafter klingt, als es tatsächlich ist. Ist es dann geschafft, ist man kein Unternehmer mehr im klassischen Sinne, denn die Finanzbosse reden bei jeder Entscheidung mit.

9. Scheitern ist das Ende

Vielen Neugründern ist gar nicht klar, welche desaströsen Risiken eine Insolvenz für das eigene Leben und das der Familie nach sich ziehen kann. Eine Pleite ist hierzulande nach wie vor eine Katastrophe & raubt einem die Zukunft. Meistens komplett.

Schreitern bedeutet hierzulande nicht die Chance auf einen Neuanfang, sondern zeitlebens auf den Knien rutschen zu müssen.

10. Nie mehr Sicherheit

Auch wenn Du als Unternehmer nur einen kleinen Hügel erklimmst, die Fallhöhe ist stets hoch. Eigene Zeit, eigenes Geld, eigenes Risiko, das ist die Formel, die als Unternehmer Dein Leben bestimmen wird. Du musst & wirst natürlich zum Wohle des Unternehmens zurückstecken & kannst letztlich alles verlieren. Dass Unternehmer schnell reich werden & sich vieles herausnehmen können, ist ein Märchen. Die deutschen Unternehmensmillionäre stammen überwiegend aus alten Familien & längst vergangenen Gründungsjahren; junge, hippe & vor allem schnell reich gewordene Jungunternehmer gibt es vor allem in den USA, Indien oder China.

Fazit: Aus der Traum? 15 wertvolle Tipps

Nun, Du kannst den Weg des Unternehmers beschreiten – beachte dabei die 15 Tipps:

1. Überlege Dir genau, ob Du ein Unternehmertyp im Sinne von kreativ, geduldig, arbeitsam, verwaltungsstark, kritikfähig & nervenstark bist.   2.Erwarte nichts. 3. Prüfe Dich & Deine Geschäftsidee genau. 3. Verrate anderen am Anfang nicht zu viel, es wird jede Menge geklaut & mit ehrlichem Rat kannst Du ohnehin nicht rechnen. 4. Suche Dir eine/n Lebenspartner*in, der/die dazu passt & tolerant ist, alles andere macht Dich unglücklich. 5. Sei fleißig, geduldig & genügsam. 6. Vor allem: Lerne Bürokratie zu lieben. 7. Lese viel – Du musst stets auf dem Laufenden sein. 8. Lebe nicht auf großem Fuß, gerade bei Erfolg nicht. 9. Spare, was Du kannst, Du wirst Deine Rücklagen brauchen. 10. Lege Dir ein dickes Fell zu – die Chef-Realität ist rau. 11. Rechne immer damit, dass Dir jemand ans Bein pinkelt. 12. Sorge für gute Beziehungen, die sind unverzichtbar. 13. Behalte Dir stets eine Ausstiegsalternative parat. 14. Versuche so wenig Schulden zu machen wie möglich. 15. Investiere nicht nur in Deinen Laden, sondern auch in Dein Leben – ansonsten gehst Du kaputt.   Wenn Du das alles zu 100% beherzigen kannst, nun gut, dann kannst Du es versuchen. Ich drücke Dir dabei die Daumen & wünsche Dir verdammt viel Glück. Das wirst Du brauchen. Falls nicht, gehe in den öffentlichen Dienst oder lasse Dich von einem Konzern anwerben. Auch da kannst Du einiges bewegen. Und wenn Du dazu noch etwas gründen willst, dann eine Familie. Hierzu wirst Du das Geld & die Sicherheit aus Deinem festen Job dringend brauchen. OWS

Teaser-Bild: KInd and Curious/unsplash

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